20. November 2019, 21:52 Uhr

Eine gute Zeit mit sich selbst

20. November 2019, 21:52 Uhr
Ein großes Publikum freut sich über den Vortrag von Heike Frank. Foto: pm

»Ein Thema, das es wert ist, darüber zu sprechen«, kündigte Pfarrerin Sylvia Puchert im Posthotel Johannesberg an. Sie freute sich sehr, dass 100 Frauen aus dem ganzen Dekanatsgebiet der Einladung zu einem Frauenfrühstück gefolgt waren. »Weißt du, wie wertvoll du bist?« Mit dieser Frage hatte Puchert offenbar einen Nerv getroffen - gemeinsam mit der Autorin und Gestalttherapeutin Heike Frank ging sie ihr nach. Frank hat dem Thema Selbstfürsorge und Selbstwertschätzung ein ganzes Buch gewidmet.

Dorette Seibert, Dekanin des evangelischen Dekanats Vogelsberg, betonte, dass es wichtig ist, dass Frauen sich ihres Wertes besinnen, der bereits in der Bibel niedergeschrieben sei; Präses Sylvia Bräuning dankte den Frauen für ihr tägliches Tun.

Nach einem Frühstück gestärkt am Leib, stellte sich den Frauen die Frage: Was braucht das Herz? Was braucht die Seele? Gerade Frauenleben seien voll von Ansprüchen und Aufgaben, so Heike Frank. Familie, Arbeit, Umfeld - alle wollen etwas von den Frauen, die selbst häufig den Anspruch hätten, allen gerecht zu werden und das auch noch perfekt. Den Frauen im Saal mochte dies bekannt vorkommen, ebenso wie die Tatsache, nach sich selbst kaum zu fragen.

Steht es mir eigentlich zu, nach meinem Wert zu fragen? Ist das nicht egoistisch? Muss ich dazu nicht auch etwas leisten? Für viele Frauen sei es ungewohnt, mit ihrem eigenen Wert konfrontiert zu werden, es sei ihnen sogar unangenehm, so eine Erfahrung aus Franks Praxis, und dennoch: »Menschen wollen gesehen werden, geachtet werden.«

»Die Selbstlosigkeit tragen wir Frauen aus tausend Jahren Frauenleben mit uns herum«, stellte Frank heraus und erklärte damit auch, warum Aussagen wie »Sei hilfsbereit« und »Nimm dich nicht so wichtig« besonders bei Frauen auf fruchtbaren Boden fallen. Dabei sei Selbstwertgefühl wichtig. Zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen einen Zugang zu finden, habe nichts mit Egoismus zu tun.

Viele Menschen verschieben die Erfüllung eigener Wünsche auf die Zukunft, skizzierte die Therapeutin ein weiteres Phänomen. Doch was, wenn man den Zeitpunkt nicht erlebt, oder wenn das Ereignis, das es angeblich bräuchte, nicht eintritt? Heike Frank fragte die Frauen im Publikum, was ihre Leidenschaft ist, fragte nach Gelegenheiten, an denen sie Zeit und Ort vergessen und ganz bei sich sind. Für einige von ihnen waren das sicher neue Gedanken, ebenso wie die Aufforderung, das ernst zu nehmen, was ihnen wichtig ist. Es nicht zu verschieben, sondern dankbar für die Gegenwart zu sein, sich der Endlichkeit bewusst werden. Um Resilienz zu entwickeln, also die Fähigkeit, auch schwierige Situationen gut zu überstehen, muss man wissen, was einen ausmacht, man muss sich selbst ernstnehmen - eine Aufforderung, die zur nächsten Frage führte: »Wie gut können Sie ›Nein‹ sagen?« Ein Thema, das viele Frauen umtreibt: Helfen wollen, Harmonie bewahren, zugewandt sein - da sagt man häufig ja, wo man tief in sich spürt, dass ein Nein besser wäre. »Man ist auch liebenswert, wenn man nicht alles macht, wenn man Nein sagt und sich abgrenzt«, so Franks Appell an die Frauen.

Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass innere Zerrissenheit sich Bahn bricht, nicht zuletzt in körperlichen Problemen. »Wir dürfen Grenzen setzen.« Die Autorin ging auch auf die Bedeutung von Freundschaften und Gemeinschaften ein. Selbstwertgefühl entstehe auch durch das gemeinsame Tun mit anderen, durch gesellschaftliches Engagement. Doch dabei sei es wichtig, auf die eigene Motivation und die eigenen Bedürfnisse zu schauen.

Mit vielen neuen Anregungen hatte Heike Frank ihre Zuhörerinnen versorgt. Die Umsetzung liegt an jeder selbst, doch der Wunsch an sie ist klar: »Passen Sie auf sich auf und haben Sie eine gute Zeit mit sich selbst.«

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