16. Januar 2020, 22:03 Uhr

Protest gegen Rodung für A 49

Sollen Fakten geschaffen werden? Gegner der A 49 sehen das Fällen von Bäumen bei Maulbach für das Verlegen einer Stromtrasse als überdimensioniert. Die mit dem Autobahnbau beauftragte Deges wertet die Arbeiten hingegen als normale Vorbereitung. So fanden die Arbeiten am Donnerstag unter großem Bürgerinteresse statt.
16. Januar 2020, 22:03 Uhr
Unter Protest der Autobahngegner laufen bei Maulbach Rodungsarbeiten im Bereich der Trasse für die geplante A 49. FOTO: JOL

Empört über die laufenden Baumfällarbeiten für den Bau der Autobahn A 49 zeigten sich am Donnerstag etwa ein Dutzend Naturschützer aus der Umgebung. Wie berichtet, haben Arbeiter in einem Tal bei Maulbach damit begonnen, Bäume und Sträucher zu roden. Zunächst waren Autobahngegner in der Umgebung davon ausgegangen, dass lediglich die Vegetation unterhalb der dort verlaufenden Starkstromleitung entfernt wird.

Doch nun legen die Forstarbeiter auf breiter Front Bäume und Sträucher um. Mit einem Spezialfahrzeug wird das Gehölz gleich abtransportiert.

Eine Gruppe Naturschützer dokumentiert die Arbeiten, mehrere Journalisten machen Aufnahmen und Polizisten mit zwei Fahrzeugen haben sich an der Kreisstraße von Maulbach nach Wäldershausen postiert.

Barbara Schlemmer aus Homberg ist sichtlich verärgert. Sie steht am Rand eines Wassergrabens, der aus dem Waldstück in das Tal mündet. Mehrere etwa 30 Zentimeter starke Bäume sind gefällt, »da standen Erlen und Weiden direkt am Ufer«. Schlemmer sieht in der Rodung einen Verstoß gegen die Wasserrahmen-richtlinie der EU, wonach für Gewässer ein Verschlechterungsverbot besteht. Das bedeutet, dass im Bachlauf und am Ufer keine Maßnahmen durchgeführt werden dürfen, die den Zustand verschlechtern.

Einen Verstoß gegen die Richtlinie bemängelt übrigens auch die Naturschutzorganisation BUND in ihrer Klage gegen den Weiterbau der A 49. Allerdings steht dabei der geplante Eingriff im Gleenbachtal bei Lehrbach im Zentrum.

Schlemmer kritisiert besonders, dass im Auftrag der Planungsgesellschaft Deges bei Maulbach Fakten geschaffen werden, trotz der laufenden Klage beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei verweist sie darauf, dass Deges-Vertreter einen Rodungsstopp angekündigt haben, solange die Ausgleichsmaßnahmen in der Natur noch nicht beendet sind. Nur Einzelfällungen sollten vorgenommen werden. »Sieht das etwa hier nach einer Einzelbaumentnahme aus?«, fragt Schlemmer ironisch und weist auf die gerodete Schneise am Rand des Grabens hin.

Die Deges weist den Vorwurf zurück (siehe nebenstehenden Kasten ). Die Kommunalpolitikerin der Grünen will indes prüfen, ob ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz vorliegt. Alfred Schleich aus Appenrod sieht ebenfalls »vorbereitende Bauarbeiten« für die umstrittene A 49. Das seien eindeutig keine Rückschnittarbeiten, um die Stromleitungen frei zu halten. Das widerspreche dem Baumfäll-Moratorium, das die Deges angekündigt habe.

Auch Dr. Wolfgang Seim sieht sich getäuscht. Noch am Dienstag zum Auftakt der Arbeiten hat der Maulbacher Naturschützer angenommen, dass nur kleine Eingriffe in die Natur des Tals vorgenommen werden. Das Ausmaß der Fällungen stelle sich aber deutlich größer dar. »Wir würden das nun unter Rodung einordnen, damit ist die Deges wortbrüchig geworden«, sagt Seim. Er fordert von der Deges dringend, künftig solche Maßnahmen anzukündigen.

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