26. Januar 2020, 20:57 Uhr

Vorsicht beim Heben schützt die Wirbelsäule

26. Januar 2020, 20:57 Uhr
Friedhelm Kalbhenn (links) vom Förderverein und Dr. Mostafa Beizai, der über Brüche der Wirbelsäule spricht. FOTO: LIPS

»Wie gefährlich ist ein Bruch im Bereich der Wirbelsäule?« war die Überschrift des Vortrages von Dr. Mostafa Beizai, Sektionsleiter Wirbelsäulenchirurgie am Kreiskrankenhaus in Alsfeld. Gemeinsam mit Friedhelm Kalbhenn, dem Vorsitzenden des Vereins Freunde und Förderer des Kreiskrankenhauses Alsfeld, begrüßte er die Gäste in der Aula der Krankenpflegeschule.

Friedhelm Kalbhenn wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass die Vortragsreihe, die das KKH mit dem Förderverein veranstaltet, wieder angeboten wird.

Zu Beginn erläuterte der Mediziner verschiedene Arten von Frakturen. Denn es mache einen Unterschied, welcher Knochen im Körper bricht, aber auch, wie und warum dieser nicht mehr den Belastungen standhalte. Dafür gebe es, stark vereinfacht, zwei Gründe. »Entweder bricht ein Knochen durch Gewalteinwirkung oder aus pathologischen Gründen - zum Beispiel bei Osteoporose oder einem Tumor«, sagte der Experte.

Die Gefahr entsteht daraus, dass die Knochen lebendige Bestandteile des Körpers sind. »Ein Knochenbruch darf nicht isoliert betrachtet werden, da meistens dabei auch Weichteile, Muskeln und Gefäße verletzt werden«, sagt Beizai. Verliere man beispielsweise bei einem Unterarmbruch 400 Milliliter (ml) Blut, seien es beim Oberarmbruch schon 500 ml, beim Oberschenkel 2000 ml und beim Becken bis zu 5000 Milliliter Blut. »Das kann lebensbedrohlich werden«, warnt der Mediziner.

Brüche im Bereich der Wirbelsäule sind deshalb sehr gefährlich, weil die 34 Wirbelkörper eine sehr wichtige Funktion einnehmen. »Sie sorgen für Stabilität, Mobilität und haben eine Schutzfunktion für das Rückenmark«. Wirbelbrüche entstehen oft durch Gewalteinwirkung, entweder durch axiale Drehungen oder durch Stauchungen der Wirbel. »Das passiert oft bei Verkehrsunfällen, wenn man von der Leiter fällt oder sich beim Sport verletzt«, sagte Beizai. Allerdings seien auch pathologische Ursachen zu beobachten, wenn zum Beispiel ein Tumor in den Wirbelkörper hineinwächst und so die Struktur instabil macht.

15 Prozent der Brüche sind instabil

Bei der Behandlung von Brüchen geht es darum, herauszufinden, welche Form eines Bruches vorliegt. »Es gibt stabile Brüche, die machen etwa 85 Prozent aller Frakturen aus und können konservativ - also ohne Operation - behandelt werden«, sagte Beizai. »Allerdings sind 15 Prozent der Brüche instabil.« Diese Brüche entstehen bei sehr großer Gewalteinwirkung und erfordern in den meisten Fällen eine Operation, bei der der Knochen rekonstruiert und fixiert wird, um Schäden am umliegenden Gewebe zu verhindern.

Auch die im Volksmund »Knochenschwund« genannte Stoffwechselkrankheit Osteoporose kann Brüche verursachen. Dabei bauen Zellen im Knochen weniger Gewebe auf, als abgebaut wird. Sinkt bei Frauen der Östrogenspiegel, zum Beispiel in den Wechseljahren, kann sich das negativ auf das Skelett auswirken. Auch Nikotin trage zu dieser Entwicklung bei. Denn nimmt die Knochendichte ab, wird die Knochenstruktur instabil.

Eine Messung der Knochendichte müsse man nicht jedes Jahr machen, sagte der Mediziner. Zwei Messungen in einigen Jahren Abstand zeigten eine ausreichend genaue Tendenz. Dann könne der Arzt entsprechend reagieren. »Medikamente heilen allerdings nicht die Osteoporose - sie verlangsamen lediglich ihren Verlauf«, schränkte Beizai ein. Ausreichend Calcium, Vitamin D und »alles, was die Muskelkraft und die Koordination kräftigt, schützt am besten.«

Achtung vor Stolperfallen

Doch auch Vorbeugung ist sehr wichtig. »Wenn man beispielsweise 20 Kilogramm falsch hebt, muss die Wirbelsäule bis zu 600 Kilogramm tragen«, verdeutlichte der Mediziner. Wenn man sich diese Belastungen durch bedachte Bewegung spare, könne man schon viel zum Schutz beitragen.

»Ein instabiler Bruch, entstanden durch eine Sportverletzung oder einen Motorradunfall, muss oft operativ versorgt werden. Dann kann es sein, dass man sieben, acht Monate außer Gefecht ist«. Auch dort sei also Vorsicht angebracht, um Verletzungen zu vermeiden. Auch Stolperfallen im Haushalt wie Teppiche, Kabel oder dunkle Ecken in der Wohnung zu beseitigen, kann dabei helfen, Knochenbrüche zu vermeiden.

Am 4. Februar, 19 Uhr, findet der nächste Vortrag statt - Dr. med. Hans-Friedrich Kohler wird über ›Regionalanästhesie bei der Halsschlagader-Operation‹ referieren

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