Vogelsbergkreis

»Arbeit bei Kamax mehr als nur ein Job«

Mit einem offenen Brief haben sich die Vertreter der Beschäftigten der Kamax Alsfeld und Kamax Homberg an die Familie Kellermann gewandt und ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Es geht um den Abbau von Arbeitsplätzen und die geplante Schließung des Alsfelder Werks im Sommer 2021.
01. September 2020, 21:28 Uhr
Redaktion

Mit einem offenen Brief haben sich die Vertreter der Beschäftigten der Kamax Alsfeld und Kamax Homberg an die Familie Kellermann gewandt und ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Es geht um den Abbau von Arbeitsplätzen und die geplante Schließung des Alsfelder Werks im Sommer 2021.

Die Vertreter der Beschäftigten an den Standorten in Alsfeld und Homberg machten sich große Sorgen um das Unternehmen, ihre Zukunft und die Zukunft der gesamten Region. »Da Sie sehr eng mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens verbunden sind, aber in den Gesprächen und Verhandlungen über diese nicht direkt mit am Tisch sitzen, möchten wir uns in diesem Brief an Sie wenden.« Seit vielen Jahrzehnten trage das Unternehmen zum wirtschaftlichen Erfolg in der Region bei, schaffe und sichere Arbeitsplätze und habe ganzen Generationen eine Perspektive, Zukunft und Entwicklungsmöglichkeiten gegeben. »Dafür schätzen wir Ihr Engagement und Ihre Verbundenheit mit der Region sehr. Wir sind uns sicher, dass die aktuellen und die Entwicklungen der letzten Jahre auch Ihnen viel Sorge und Kopfzerbrechen bereitet haben und weiterhin bereiten.«

Unbezahlte Mehrarbeit

Für die Beschäftigten sei der Arbeitsplatz bei Kamax mehr als nur ein Job. Bei Kamax zu arbeiten, bedeute für viele »Lebensinhalt, Identität und für fast alle Existenzgrundlage«. Mit einem Wegfallen des Arbeitsplatzes und der kompletten Schließung des Standortes Alsfeld falle für die Betroffenen die Basis und die Stabilität in ihrem Leben weg. Die Beschäftigten seien sich der großen Herausforderungen bewusst, vor denen das Unternehmen steht, und sie seien bereit, ihren Beitrag zu leisten. Seit 2017 würden sie wöchentlich zwei Stunden unbezahlte Mehrarbeit in das Unternehmen einbringen.

Zusätzlich hätten sie im Ergänzungstarifvertrag von 2017 zugestimmt, dass anstehende Tariferhöhungen um ein Jahr verschoben werden. Insgesamt hätten die Beschäftigten seit 2017 damit ein Volumen von 13,3 Millionen Euro in das Unternehmen investiert.

Umso schwerer sei es zu akzeptieren, dass trotz der gemeinsamen Kraftanstrengung der letzten Jahre das Unternehmen jetzt den Standort Alsfeld komplett schließen und in Homberg und Osterode mehr als 100 Arbeitsplätze streichen wolle. »Wir sind uns bewusst, dass Kamax noch längst nicht aus dem Schneider ist und noch weitere gemeinsame Schritte erfolgen müssen, um uns wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Mit dem jetzigen Vorgehen wendet sich die Unternehmensleitung aber von einem gemeinsamen Weg ab. Wir fürchten um einen irreparablen Vertrauensverlust gegenüber der Belegschaft.«

Alternativen nicht ausgeschöpft?

Auch wenn die Mehrheit froh sein werde, ihren Arbeitsplatz zu behalten, bleibe ein Gefühl von Hilflosigkeit und Enttäuschung. Hilflosigkeit, weil das Vorgehen der Unternehmensleitung als alternativlos dargestellt worden sei »und eine Kompromissbereitschaft in den Verhandlungen nicht zu erkennen war«. Man sei der Meinung, dass nicht alle Alternativen ausreichend diskutiert und abgewogen wurden, »der Fokus zu stark auf Kostenreduktion und nicht auf zukunftsfähige Investitionen gelegt wurde. Wir brauchen die Investitionen und auch die erfahrenen und gut ausgebildeten Beschäftigten, um den Herausforderungen zu begegnen. Wir glauben, dass Sie als Eigentümer ebenfalls ein starkes Interesse an einer guten Entwicklung des Unternehmens haben.« Unterzeichnet ist der Brief von Stefan Sachs von der IG Metall Mittelhessen und den drei Betriebsratsvorsitzenden Manfred Geisel (Homberg), Lutz Koch (Alsfeld) und Wolfgang Müller (Osterode).

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,699651

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