23. September 2020, 21:58 Uhr

Kirche schickt Beobachter in den Wald

23. September 2020, 21:58 Uhr

Der Widerstand gegen die Rodung weiter Teile des Dannenröder Forsts zum Weiterbau der A 49 hört nicht auf. Alle rechtlichen Wege, die Bauarbeiten zu stoppen, sind erschöpft, sodass damit zu rechnen ist, dass ab dem 1. Oktober die Camps der Umweltaktivisten geräumt werden.

Das evangelische Dekanat Vogelsberg sieht sich nach eigenen Angaben »nun in der Pflicht, eine deeskalierende Haltung einzunehmen und einen friedlichen Umgang aller beteiligten Parteien zu unterstützen«. Dafür biete das Dekanat unter Federführung von Ralf Müller regelmäßige Friedensandachten an und stellt Ruheräume sowohl für die Demonstranten als auch für die Polizei zu Verfügung. Hier werde es auch Möglichkeiten für Gespräche und Seelsorge geben. Gleichzeitig entsende das Dekanat Beobachter in den Wald, die sich ein Bild von der Lage machen sollen. Bei allen Angeboten und Vorhaben spiele Neutralität eine wichtige Rolle.

Freitag erstes Friedensgebet

»Viele von uns haben eine Meinung zum Weiterbau der A 49«, so Müller, »doch diese darf jetzt keine Rolle spielen. Für uns ist wichtig, unsere kirchliche Haltung mit Leben zu füllen.« Dekanin Dorette Seibert: »Als Kirche stehen wir für die biblischen Werte der Nächstenliebe und des Friedens. Deswegen lehnen wir jegliche Form von Gewalt, gegen Menschen ebenso wie gegen Sachen, ab.« Aus diesem Grund stellt die Kirchengemeinde Maulbach, Appenrod und Dannenrod einen Ruhe- und Rückzugsort für Demonstranten zur Verfügung. Vor der Kirche selbst wird jeden Freitag (ab 25. 9.) um 17.30 Uhr ein Friedensgebet stattfinden, zu dem Pfarrer Alexander Starck einlädt. Die Kirchengemeinde Kirtorf wird, sofern hier die Polizei ihr Quartier aufschlägt, Ruheräume für die Einsatzkräfte bereitstellen. Hierfür ist Pfarrerin Rahel Burkholz die Ansprechpartnerin. Darüber hinaus sollen ehrenamtliche Beobachter vor Ort an die Einsatzleitung der Kirche berichten. »Wir möchten mit dieser Maßnahme eine Art Gegenöffentlichkeit herstellen«, erklärt Müller.

Damit wolle man eine weitere Informationsquelle liefern, »jenseits der von den jeweiligen Konfliktparteien gefilterten Darstellungen«. Außerdem sollen die Ehrenamtlichen den Menschen vor Ort mit praktischen Informationen weiterhelfen. Dazu gehören Information über die Beiträge der Kirche vor Ort und Antworten auf Fragen zu Infrastruktur (Standorte Toiletten, Arztpraxen, Supermärkte, ÖPNV). »Wir werden unsere ehrenamtlichen Helfer gut einweisen und auf ihre Aufgabe vorbereiten«, versichert Müller, der das Angebot des Dekanats mit den Konfliktparteien abgestimmt hat. »Der Ausbau der A 49 hat viele Facetten - wir wissen deutlich um die Schwierigkeiten, die das jetzige Stadium für alle Beteiligten birgt. Und wir hoffen, dass wir mit unseren Maßnahmen ein wenig Ruhe und Besonnenheit vor Ort schaffen können.«

Wer sich als ehrenamtlicher Helfer vor Ort zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Ralf Müller melden (ralf.mueller@ekhn.de oder Tel. 06631/9114918 oder 0174/4458882).

Unabhängig davon ist ein weiters Gerichtsurteil in Rahmen der Protestaktionen ergangen. Das Verwaltungsgericht Gießen lehnte am Mittwoch den Eilantrag eines Versammlungsanmelders gegen neu erteilte Auflagen des Regierungspräsidiums hinsichtlich einer Mahnwache gegen den Ausbau der A 49 ab. Der RP hatte Blockadeaktionen auf der Dannenröder Straße untersagt. Der Antragsteller sah sich dadurch in seiner Versammlungsfreiheit beschränkt. Das Verwaltungsgericht sieht vom RP die Interessen der Beteiligten abgewogen. Zudem bestehe ein erhöhtes Unfallrisiko. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

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