15. November 2012, 16:53 Uhr

Müllgebühr soll um 14 Prozent sinken – Debatte um Biotonne

Vogelsbergkreis (jol). Beim Abfallgeschäft geht es immer um viel Geld, das wurde auch in der jüngsten Ausschusssitzung des Abfallverbands ZAV deutlich: So würde eine mögliche Biotonne 700000 Euro pro Jahr kosten.
15. November 2012, 16:53 Uhr

Deshalb berieten die Mitglieder es Hauptausschusses über Möglichkeiten, diesen Kelch an dem ländlichen Kreis mit seinen vielen Selbstkompostierern vorüber zu leiten. In der Zusammenkunft in Lauterbach zeichnete sich zudem ab, dass ab 2013 rund 14 % niedrigere Müllgebühren gelten. Das wäre bei einem Zwei-Personen-Haushalt rund 170 statt 200 Euro, bei vier Köpfen sind es 274 statt bislang 318 Euro pro Jahr.

Dabei regte Ulrich Künz (CDU) an, das Gebührensystem ab 2013 gegenüber dem Vorschlag des ZAV-Vorstands so zu ändern, dass die Grundgebühr um noch einmal gut 5 Euro gesenkt wird, dafür nur 0,16 Cent pro Liter bereit gestelltes Altpapier zu zahlen. Der Vorstand hatte 0,32 Cent/l vorgeschlagen. SPD-Sprecher Helmut Weppler setzte dem entgegen, dass er eine spürbare Rückvergütung für Altpapier bevorzugt. Auch Martin Adams vom Beratungsbüro sprach sich für einen höheren Anreiz für die Leute aus, Altpapier zu sammeln und herauszustellen. Die 0,32 Cent pro Liter bedeuten bei einer vierköpfigen Familie lediglich 14,76 Euro Rückvergütung für Altpapier, wenn man weniger anbietet, fehlt der Anreiz.

Lebhaft wurde im Ausschuss um die Biotonne debattiert, die laut Gesetz seit diesem Jahr Vorschrift ist. Sie ist eigentlich sinnvoll, wie Adams betonte, weil auch in Haushalten mit eigenem Komposthaufen durch Essensreste und Heckenschnitt viel verrottbares Material in der Restmülltonne landet. Das Problem: Die Verwertung von Grünabfall koste um die 40 Euro bei Verrottungsanlagen in den neuen Bundesländern, bei einer Anlage in der Region wären 60 E pro Tonne fällig (Restmüll: 80 E/to). Geschäftsführer Dr. Hansjörg Fuchs hat deshalb rund 700000 Euro pro Jahr in den Haushaltsplan eingerechnet für den Fall, dass die Biotonne kommt. Diese würde sich vielleicht in Städten rechnen, wo kurze Wege zwischen den einzelnen Müllbehältern bestehen. Aber im Vogelsbergkreis mit seinen langen Wegen komme die Einsammlung der rund 3000 bis 4000 Tonnen Bioabfall teuer.

Ulrich Künz verwies auf ein Gespräch mit einem Experten der hessischen Landesregierung, wonach die Biotonne eingeführt werde. Er sah wenig Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Die CDU bereite einen Antrag vor, um Bioabfall für die Energieerzeugung zu nutzen. Dem setzte Adams entgegen, dass sich nur Heckenschnitt in Verbrennungsanlagen verwerten lasse, nicht der gesamte Biomüll. Lothar Bott (FW) sah durchaus Möglichkeiten, die flächendeckende Einführung der Biotonne zu verhindern. So könne man die wirtschaftliche Zumutbarkeit in einem ländlichen Kreis durchaus bezweifeln, der Protest der Bürger bietet Ansatzpunkte für Widerstand. Cornelia Bothe (Grüne) hoffte, dass man Biomüll so verwerten kann, dass er billiger entsorgt werden kann.

Anregend der Austausch von politischen Seitenhieben: So meinte Künz, dass er »als kleiner Bürgermeister« nicht den Einfluss hat, die Biotonne verhindern zu können. Bott spöttelte, dass Künz immerhin Vorsitzender des Kreisverbands einer großen Volkspartei sei, er stelle sich wohl nur so schwach dar, um die eigene Regierung in Land und Bund zu schonen.



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