07. Mai 2021, 21:50 Uhr

Auge in Auge mit dem Künstler

07. Mai 2021, 21:50 Uhr
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Von Jutta Schuett-Frank
Nach dem Anbringen von Bildtafeln ist der neugestaltete Ernst-Eimer-Platz in Groß-Eichen nun vollendet, hier Christel Wagner, Petra Grün, Tatjana Heller und Joachim Horst. FOTO: SF

Mücke-Groß-Eichen (sf). Manche älteren Menschen aus Groß-Eichen erinnern sich noch gut an den Kunstmaler Ernst Eimer. Von stattlicher Figur, mit einem langen, schwarzen Mantel und einem Hut bekleidet, so sehen sie ihn vor sich. Er mochte als Sonderling gegolten haben, mit dessen brotloser Kunst viele nichts anzufangen wussten. Für die Kinder stellte er ein Idol dar, und wenn er mit seiner Staffelei draußen zu sehen war, hatten sie genug zu staunen und zu fragen. Oft war er in Begleitung eines zahmen, schwarzen Raben, den er »Hottowack« nannte, so steht es in der Chronik.

Ausbildung in der Molkerei

Eimer wurde am 14. Juli 1881 als zweiter Sohn des Bauern Christian Eimer und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Müller geboren. Er besuchte hier die Volksschule. Seine große Begabung zum Zeichnen und Malen zeigte sich schon im frühen Alter. Auf Wunsch seines Vaters erfolgte nach der Schule eine Ausbildung für ein Amt in der heimischen Molkerei. Doch Eimer konnte sein außergewöhnliches Maltalent unter Beweis stellen und wurde Kunstschüler an den Kunstakademien in München und Karlsruhe, wo er sein Studium als Kunstmaler 1909 beendete. 1911, inzwischen verheiratet, baute er ein Landhaus mit Atelier in Groß-Eichen. Hier wurde Tochter Elisabeth geboren.

Seine Vorgaben für seine Bilder entnahm er dem realen Leben. So wurde die harte Landarbeit bildlich dokumentiert. Auch Handwerk und Brauchtum gaben Ernst Eimer immer wieder Anregung für seine künstlerische Arbeit. Er malte den Pflug und die Kuhgespanne, das Pferdefuhrwerk und das Spinnrad. Er schuf auch Werke, die fröhliche Szenen darstellten, wie Kirmes oder Tanz oder die »Musikanten« und die »Vagabunden«. Als junger Mann hatte er selbst mit Klarinette und Ziehharmonika in einer kleinen Musikkapelle bei dörflichen Festen gespielt.

Nach seinem Kriegsdienst, wo er zeitweise als Kriegsmaler arbeitete, setzte eine reiche Schaffensperiode ein. Durch Radierungen, grafische Arbeiten, Kohlezeichnungen, Aquarelle, Lithografien und Buchillustrationen wurde Ernst Eimer weithin bekannt. Viel beachtete Kunstauststellungen in Berlin und Darmstadt, wo er sechzehn Jahre lebte und arbeitete, zeigten seine Werke. Unvergessen sind auch seine Mundartgedichte »Aus isem schine Vulsberg« und »Heitere Dorfgeschichten«. Durch den 2. Weltkrieg verlor Ernst Eimer die zeitweilige Wohnung in Frankfurt, wo ein Großteil seiner Werke vernichtet wurde.

»Apfelernte« ziert Platz

Die letzten Lebensjahre verbrachte er in Groß-Eichen. 1958 wurde Ernst Eimer die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Groß-Eichen verliehen. Er starb am 3.Mai 1960 in Backnang/Württemberg. Schon vor vielen Jahren wurde der Ernst-Eimer-Gedenkplatz angelegt. Er wurde in den vergangenen Jahren hergerichtet. Auch eine Bildtafel wurde an der Pergola angebracht. Auf der anderen Seite sieht man das Bild »Die Apfelernte« aus dem Jahre 1931 und das Bild »Ängstlicher Wicht«. Beim Einbau wurde Joachim Horst von Dr. Michael Grün und Jörg Eimer unterstützt.

Vorsitzende Christel Wagner, Nachfahrin des Künstlers, dankte den Mitstreitern.



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