12. Februar 2021, 21:51 Uhr

Autobahn 49 Autobahn 49 Autobahn und Kommunalpolitik Autobahn 49

Bankrotterklärung

12. Februar 2021, 21:51 Uhr
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Aus der Redaktion
Während es im Maulbacher Wald neue Baumbesetzungen gibt, hält die Kritik in Sachen Autobahnbau an. FOTO: JOL

Februar 2021)

Die Beauftragung eines Fachanwaltes aus Frankfurt am Main ist eine einzige Bankrotterklärung der Stadt Homberg und ihrer politischen Vertreter. Fast ein Jahrzehnt lang wurden die Augen verschlossen vor den Belastungen, die eine fertige A 49 für die Bürger mit sich bringen wird.

Insbesondere wurden die Bürger bis vor gar nicht langer Zeit an der Nase herumgeführt. Immer wieder wurde von den tollen Vorteilen gesprochen, die die A 49 mit sich bringen würde. Weder die schweren Eingriffe in die Natur mit der nicht kalkulierbaren Grundwassergefährdung noch die Belastungen für die Einwohner durch Lärm, Schad-stoffemissionen und bauliche Schäden wurden offen kommuniziert. Menschen, die auf die schädlichen Auswirkungen der A 49 immer wieder hingewiesen haben, wurden durch verantwortliche Politiker im Kreis und in der Stadt als Extremisten diffamiert.

Heute wird gejammert ob der vorhersehbaren Folgen einer fertigen Autobahn 49. Auch ein noch so renommierter Fachanwalt wird es nicht mehr richten. Wer bezahlt diesen Rechtsanwalt eigentlich? Mit Sicherheit nicht die verantwortlichen Politiker aus eigener Tasche. Für das Versagen der Politik werden die Bürger Hombergs bluten müssen.

Die Aussagen des Rechtsanwaltes zeigen sehr deutlich das Versagen der verantwortlichen Politiker auf. Hier wurde falsch gemacht, was nur falsch gemacht werden konnte. Selbst wenn es vielleicht noch die eine oder andere Maßnahme zum Schutz vor den Belastungen durch die A 49 geben sollte, so werden die Kosten hierfür wohl kaum vom Bund oder vom Land getragen, denn es fehlt die rechtliche Verpflichtung dazu. Aber der Stadtsäckel der Stadt Homberg ist ja wohl prall gefüllt - mit großen Erwartungen, die die A 49 erfüllen soll. Vor einigen Jahren, als der Weiterbau der A 49 noch nicht konkret geplant war, hätte es durchaus die Möglichkeit gegeben, über zusätzliche Schutzmaßnahmen oder gar ein endgültiges Aus der A 49 zu verhandeln. Diese Gelegenheit wurde wohl bewusst versäumt, um den Bürgern nicht die Nachteile einer Autobahn vor ihrer Haustür aufzuzeigen.

Es gab mal eine Zeit, da hätten Politiker aus einem solchen Fehlverhalten die Konsequenz gezogen. Aber diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Günther Burck, Gemünden

Als persönlich unmittelbar vom Bau der Autobahn 49 Betroffener kann ich nur sagen: Jedem Homberger, der aufmerksam die Presse in den letzten Monaten verfolgt hat, müssten langsam aber sicher die Augen aufgehen. Seitens der Bürgermeisterin und ihrem Magistrat kommt in Bezug auf den Bau der A 49 weder Information, geschweige denn Hilfe für Betroffene.

Die Bürgermeisterin »glänzt« bei allen Terminen, bei denen sie kein »Blitzlichtgewitter« erwartet, durch Abwesenheit. Zu den Themen Verkehrsaufkommen, Zustand von Straßen und Wegen durch die Baumaßnahmen sowie Lärmschutz ist eine völlige Inkompetenz des Stadtoberhaupts festzustellen.

Die betroffenen Bürger fühlen sich von der Stadtverwaltung und ihrer Spitze nicht nur im Stich gelassen, sondern auch gezielt »hinters Licht geführt«. Seit Monaten nimmt das städtische Oberhaupt an problematischen Vor-Ort-Terminen gar nicht teil und beruft sich auf die Corona-Pandemie, während Magistratssitzungen offenbar nach wie vor in geschlossenen Räumen als Präsenzsitzungen durchgeführt werden. Kritische Fragen werden von ihr überhaupt nicht oder teilweise sogar (wissentlich?) falsch beantwortet.

Bislang wurden den Bürgern weder Gutachten noch Maßnahmen zum Lärmschutz mitgeteilt, noch wird auch nur ansatzweise Hilfe bei Fragen an die DEGES oder beteiligte Behörden angeboten. Die Bürgermeisterin samt Magistrat muss sich die Frage gefallen lassen, warum viele Themen - wie beispielsweise Ankauf von Flächen im künftigen Industrie- und Gewerbegebiet, künftige Verkehrsführung, zunehmende Verkehrsbelastung - nicht transparent gemacht und öffentlich bekannt gegeben werden.

Die neueste »Verschleierungstaktik« ist die Behauptung, es würde ein »Lärmschutzwall« bei der geplanten Park- und WC-Anlage in der Nähe von Appenrod errichtet. Auf Nachfrage musste die Bürgermeisterin in einer Videoschaltung zugeben, dass nur »Geländemodellierungen« geplant sind und dass es sich um einen Sichtschutz handelt. Ob die Maßnahme zum Lärmschutz überhaupt beiträgt, konnte die Bürgermeisterin nicht beantworten.

Die Stadt Homberg steht bereits jetzt als großer Verlierer beim Bau der A 49 fest, und die Bürgermeister und die Stadtverordneten, die für diese Situation verantwortlich sind, werden es nicht schaffen, den verursachten Schaden bei ihren ehemaligen Wählern zu mildern.

Nach meiner Auffassung ist es Zeit für einen Neuanfang. Frau Blum und die Verantwortlichen in den sie stützenden Fraktionen sollten Konsequenzen ziehen, damit es die Homberger selbst in der Hand haben, einen noch größeren Schaden abzuwenden.

Thorsten Müller, Maulbach

Jetzt ist es wieder so weit, in unseren Briefkästen finden wir mehrseitige Hochglanzbroschüren zur Kommunalwahl mit zahlreichen Versprechen, was man für den Bürger alles Gutes tun will.

Es wird aufgeführt, wie viel man in der abgelaufenen Wahlperiode erreicht hat. Das muss man doch mal genauer hinterfragen, die beiden großen »Volksparteien« bestimmen seit Jahrzehnten die Politik in Homberg. Nun wird fabuliert von Bürgernähe, Transparenz, Handeln im Interesse der Bürger.

Wo wurden die Interessen der Bürger im Bezug auf den Neubau der A 49 berücksichtigt? Lärmschutz, erhöhtes Verkehrsaufkommen auf zahlreichen Zubringerstraßen, warum hat man zahlreiche Möglichkeiten des Einspruches, des Widerspruchs ungenutzt verstreichen lassen?

Kein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung bei den betroffenen Bürgern. Nun soll ein eingeschalteter Anwalt in allerletzter Minute retten, was noch irgendwie zu retten ist.

Nach Fertigstellung der Autobahn ein in der Berliner Straße dreifach erhöhtes und in der Marburger Straße verdoppeltes Verkehrsaufkommen, hatte man davon keine Kenntnis, oder ist einem das egal? Rausreden kann sich hier keiner, die beiden etablierten Parteien haben in den vergangenen Jahrzehnten die Politik bestimmt und auch die jeweiligen Bürgermeister gestellt bzw. unterstützt, also für dieses Versagen auch die Verantwortung zu tragen.

Die CDU ist bei der letzten Wahl knapp an der absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt, was hat man daraus gemacht?

Mit dem eigenen Bürgermeisterkandidaten hat man sich überworfen, Abspaltung zahlreicher Fraktionsmitglieder, statt Bürgernähe weiter Kungelei hinter verschlossenen Türen und Eintreten für eigene Interessen. Was hätte man mit dieser Mehrheit erreichen können, Chance vertan.

Das erfolgreiche Bürgerbegehren zur Ansiedlung eines Drogeriemarktes wurde maßgeblich von der abgespaltenen Gruppe initialisiert. Seit Jahren werden in schöner Regelmäßigkeit Gebühren und Abgaben erhöht, wo sind die versprochenen stabilen kommunalen Gebühren und Abgaben?

Das angepriesene Gewerbegebiet »Roter Berg« wird zunächst Millionenkosten verursachen, hinter vorgehaltener Hand wird davon gesprochen, dass man die Ansiedlung eines Logistikers oder gar eines Entsorgungszentrums andenkt.

Wollen wir das wirklich, ist das im Interesse der Bürger?! In diesem Zusammenhang werden dann immer mehr Arbeitsplätze und höhere Steuereinnahmen versprochen. Was dabei herauskommt, kann man sich in den Nachbargemeinden anschauen.

Wenn aber ein bereits ansässiger Gewerbetreibender Unterstützung oder Hilfestellung benötigt, kann er eher mit Behinderung oder Unverständnis für sein Anliegen rechnen.

So hat man schon zahlreiche Betriebe aus der Großgemeinde verloren, die ihre Steuern jetzt woanders bezahlen. Dass die Bürger mit dem Gebaren der etablierten Parteien nicht einverstanden sind, kann man daran erkennen, dass sich vor der anstehenden Wahl in zahlreichen Kommunen Bürgerlisten gegründet haben, die antreten, um die Interessen der Menschen vor Ort zu vertreten. Ob die es besser machen, wird sich zeigen, aber einen Versuch ist es wert, die Geschicke der Gemeinden von interessierten Bürgern jenseits von Parteiinteressen steuern zu lassen.

Karl Heinrich Linker

Homberg

Da haben sie den Salat, die Homberger, Maulbacher, Dannenröder, Appenröder und Erbenhäuser - nur um die örtlich am meisten betroffenen Menschen aus dem Vogelsbergkreis zu nennen. Von mittelmäßigen Lokalpolitikern regiert, die blauäugig der Mär von den Wohltaten der neuen Autobahn geglaubt haben und ihr nachgelaufen sind. Bürgermeister waren bzw. sind: Eckhard Hisserich (SPD, später CDU, heute Demokratisches Forum), Volker Orth (Freie Wähler, jetzt CDU-Kreisvorstand und Kandidat für den Kreistag), Bela Dören (SPD) und Claudia Blum (SPD, Kandidatin für den Kreistag).

Die meisten Homberger Stadtverordneten und nicht zuletzt viele Bürger, die sie gewählt haben, merken jetzt erst, was die klimafeindliche A49 ihnen bringt: starke Zunahme des innerörtlichen Verkehrs, Unfallgefahren, Gestank, Lärm, Wertverlust von Häusern, Verlust von Wiesen für sog. Ausgleichsmaßnahmen, Verlust von Flächen aus der Landwirtschaft, Sorgen um das Wasser. Alles wird mehr werden, wenn die A49 fertig ist. Das Bündnis gegen die A49 warnt seit über 40 Jahren. Vieles spricht dafür, dass die damaligen Politiker zunächst die Strecke ausgewählt und später die passenden Untersuchungsergebnisse besorgt haben. Es sollte eine Strecke sein, die die Transportkosten im Nord-Süd-Verkehr senkt, die nebenbei die heimische Industrie in Stadtallendorf unterstützt, die geringen Widerstand der Bevölkerung erwarten und die Marburger in Ruhe lässt. Legendär sind die Erzählungen von den unbewiesenen Festen beim damaligen Kanzleramtsminister Bohl (CDU) in Marburg, bei denen viel über die Autobahn 49 gesprochen worden sein soll. Jetzt versuchen Lokalpolitiker mithilfe eines Anwalts, die »Defizite der Vergangenheit« zu bewältigen und »Belastungen abzumildern«. Erhebliches Konfliktpotenzial wird bescheinigt. Die echten Fake-News-Produzenten waren andere. Es waren Bundes- und Landesminister von CDU, SPD, FDP und Grünen, die die Unterschriften unter Verträge und Koalitionsvereinbarungen im Interesse günstiger Transportkosten für Großbetriebe im Nord-Süd-Verkehr setzten oder als Preis für den Eintritt in die Regierung. Blauäugige Lokalpolitiker in Gemeinden und Kreis folgten und folgen ihnen widerspruchslos. Einwendungen des Bündnisses wanderten unbeachtet in Papierkörbe. Jene, die heute die Lösung der zukünftigen Probleme mit noch mehr Straßen lösen wollen, irren. Sie tragen Verantwortung für die Zerstörung der Landschaft in einer vom Klimawandel gebeutelten Welt. Ihre Enkel werden es ihnen vorhalten. Sie sollten von ihren Ämtern zurücktreten und dem Klimawandel verpflichteten Politikern Platz machen.

Gabriele und Pedro Valdivielso, Romrod



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