29. November 2021, 21:47 Uhr

»Bluthochdruck tötet indirekt«

29. November 2021, 21:47 Uhr
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Aus der Redaktion
Nach einer Einführung von Holger Feick vom Förderverein spricht Dr. Jürgen Wilhelm über Bluthochdruck. FOTO: LIPS/PM

In der Krankenpflegeschule des Vogelsbergkreises ging es kürzlich es um die Ursachen, die Diagnose und die Therapie einer oft unerkannten und mitunter gefährlichen Krankheit: Bluthochdruck. Nach einer kurzen Einführung von Holger Feick, Schatzmeister des die Veranstaltung ausrichtenden Fördervereins des Kreiskrankenhauses des Vogelsbergkreises in Alsfeld (KKA), übernahm Dr. Jürgen Wilhelm, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Notfallmedizin und internistische Intensivmedizin und Sportkardiologe.

Das Thema stand nicht umsonst im November auf der Tagesordnung, denn in dieser Zeit finden die Herzwochen der Deutschen Herzstiftung statt, die auf ein flächendeckendes Problem aufmerksam machen: Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland habe einen zu hohen Blutdruck, sagte Wilhelm.

Jeder sollte seinen Blutdruck kennen

Und das ist gefährlich, denn: »Bluthochdruck ist einer der häufigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Durchblutungsstörungen in den Beinen«, weiß der Mediziner. Weltweit seien bis zu 10 Millionen Todesfälle jährlich direkt oder indirekt damit in Verbindung zu bringen.

»Blutdruck ist die Kraft, die das Blut von innen auf die Wand der Arterien und Venen ausübt«, erklärte Wilhelm. Dieser werde in zwei Werte unterteilt: den systolischen Wert, der den Druck angibt, wenn der Herzmuskel das Blut in den Körper pumpt, und den diastolischen, der den Druck angibt, den es auf dem Weg zurück zum Herzen ausübt.

Über einem systolischen Wert von 140 mmHg und einem diastolischen Wert über 90 mmHg spricht man von Bluthochdruck, darüber liegende Werte seien kritisch. Da ein zu hoher Blutdruck in der Regel nicht spürbar sei, und man so Gefahr laufe, ihn zu spät zu erkennen, sollten regelmäßige Messungen durchgeführt werden. Dabei gebe es drei Möglichkeiten: die sogenannte Praxismessung durch Experten, die 24-Stunden-Langzeitmessung mit einem speziellen Gerät oder das häusliche Blutdruckmessen. »Zwar haben die Messgeräte für das Handgelenk aufgeholt, doch insgesamt sind Messgeräte mit Manschette am Oberarm noch immer genauer«, sagte Wilhelm und riet: »Jeder erwachsene Mensch sollte seinen Blutdruck kennen und regelmäßig messen. Bei unauffälligen, normalen oder optimalen Werten mindestens alle drei bis fünf Jahre, rät die Deutsche Herzstiftung. Sehr viel öfter zu messen, ist ratsam, denn zeigen sich Unregelmäßigkeiten, ist ein monatlicher oder sogar wöchentlicher Messrhythmus besser.«

Nur so könne man frühzeitig handeln und Folgeschäden minimieren oder verhindern. Zum Messen solle man sich fünf Minuten Zeit und Ruhe nehmen. »Entspannt und aufrecht sitzen, Manschette anlegen, vor der Messung Belastungen vermeiden, Beine nicht überschlagen, zwei bis drei Messungen mit jeweils einer halben Minute Pause dazwischen durchführen und den Durchschnittswert dokumentieren«, rät der Herzspezialist. Fehler, wie eine zu eng, zu locker, oder nicht auf Herzhöhe angebrachte Manschette, Sprechen oder Bewegen während der Messung, können die Ergebnisse verfälschen.

Die Ursachen für zu hohen Blutdruck sind vielfältig: »In fünf Prozent der Fälle gibt es organische Ursachen, wie Schlafapnoe oder Verengungen der Nierenarterien. Doch in den allermeisten Fällen sind Übergewicht und Bewegungsmangel die Ursachen für hohe Blutdruckwerte«, so Wilhelm, der betonte, dass auch Faktoren wie Alkoholkonsum, Rauchen, Stress, Veranlagung, ein geringer Kaliumspiegel oder Medikamente eine Rolle spielen würden.

Diese Faktoren gelte es in den Griff zu bekommen, denn: »Bluthochdruck tötet indirekt. Er verursacht schwerwiegende Krankheiten - und das schleichend über Jahre hinweg«, so Wilhelm. Als Beispiele nannte er eine geplatzte Aorta, Hirnblutungen, Schlaganfälle, Blutgerinnsel als Folge von Vorhofflimmern, Herzschwäche sowie Schäden an der Niere oder den Augen.

Mehr bewegen

Gegen Bluthochdruck kann einiges getan werden, stellte Wilhelm klar. »Und an erster Stelle steht dabei eine Änderung des Lebensstils. Dafür ist es bei der Behandlung von Bluthochdruck nie zu spät.« Minimiere man die Risikofaktoren, könne der Blutdruck aktiv gesenkt werden. »Nimmt man ein Kilogramm Körpergewicht ab, sinkt dadurch auch der systolische Blutdruckwert um 1 bis 2 mmHg.«

Mehr Bewegung, Ausdauersportarten und Kräftigungsübungen helfen genauso wie bessere Ernährung, kein Nikotin und Alkohol nur noch in Maßen. »Auch psychosoziale Belastungen, wie etwa Stress am Arbeitsplatz, Sorgen und Ängste können den Blutdruck steigern - auch dagegen vorzugehen, zahlt sich aus.«,

Aufgrund des Infektionsgeschehens findet die für den 7. Dezember geplante Vortragsveranstaltung in der Krankenpflegeschule nicht statt.



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