25. August 2021, 21:47 Uhr

Der Uhu und die Steinbruch-Arbeiter

Steinbrüche sind wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Deshalb arbeiten Naturschützer des NABU mit Firmen wie MHI zusammen, die in der Region Steinbrüche betreibt. So manche Sprengung wird verschoben, um das Nest des Flussregenpfeifers zu schützen.
25. August 2021, 21:47 Uhr
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Von Joachim Legatis
Dirk Bauer (l.) und Dominik Heinz an der Abbaukante des Basaltsteinbruchs Nieder-Ofleiden, der Vögel und Insekten einen Lebensraum bietet. FOTO: JOL

Wirtschaft und Natur schließen sich nicht aus. Bei Steinbrüchen ist sogar das Gegenteil der Fall, wie die Kooperation des NABU (Naturschutzbund) Hessen und der Mitteldeutsche Hartstein-Industrie AG (MHI) für 13 Natursteinbetriebe zeigt. Dort leben Uhu, Fledermäuse, Heuschrecken, Libellen und Frösche, wofür sich Dominik Heinz vom NABU begeistert. Die kargen Landschaften im Steinbruch bieten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum, den sie in unserer stark genutzten Landschaft nicht mehr finden.

Dafür setzt sich auch Dirk Bauer ein, Leiter der Abteilung Rohstoffsicherung und Genehmigungen bei der MHI. Bei einem Rundgang auf dem Gelände des Basaltsteinbruchs Nieder-Ofleiden erläutern sie die positiven Effekte dieser Kooperation.

Dabei wollen sie nicht die seltenen Tiere und Pflanzen benennen, die in Nieder-Ofleiden vorkommen. Zu groß ist die Gefahr, dass Sammler und Naturschützer auf eigene Faust durch diesen oder einen anderen Steinbruch stiefeln. Dann vertreiben sie die Tiere, und außerdem ist der Aufenthalt in einem Steinbruch lebensgefährlich. Jederzeit können sich Steine aus den Steilhängen lösen.

Hilfe für Amphibien kommt mit Bagger

Die Tiere und Pflanzen leben in Bereichen, die für einige Zeit nicht genutzt werden. Dort sind die ökologischen Nischen für seltene Flora und Fauna. Der Grund: Steinbrüche sind nährstoffarme Bereiche. Tiere und Pflanzen, die auf solche Geröllzonen angewiesen sind, können dort gut leben. In freier Natur würden sie in den Schneisen der Verwüstung nach einem Hochwasser ihren Lebensraum finden. Doch solche unregulierten Bachauen gibt es kaum noch, der Mensch hat die Wasserläufe gebändigt.

Ein Steinbruch ist wie eine ursprüngliche Auenlandschaft, schwärmt Naturschützer Heinz. Denn dort gibt es Himmelsteiche, die sich aus Regen speisen, und es bilden sich Pfützen, in denen keine Fische leben. Das lässt Raum für Frösche, Molche und Unken, deren Laich dann nicht gleich weggefressen wird.

Dabei stören sich Tiere nicht an den Arbeitern. »Wir leben seit Jahrzehnten mit den Tieren«, berichtet Bauer. So wohnen in fast jedem Tagebau Uhus. »Sie sitzen am Fahrbahnrand und lassen sich von den Lkw nicht stören, aber wenn ein Mensch kommt, fliegen sie davon.« Vögel haben gelernt, dass von Menschen potenziell Gefahr ausgeht, Fahrzeuge werden nicht als Bedrohung wahrgenommen, erläutert Heinz.

Der NABU-Spezialist verweist auf verschiedene Lebensraumtypen, die dicht beieinander existieren. »Wir finden magere Standorte, Steilhänge und frisch abgeschobene Bereiche.« Der Erhalt der Steinbrüche ist auch deshalb wichtig, weil die Baustoffe dann nicht über viel größere Entfernungen zu den regionalen Baustellen transportiert werden, »mit einer ganz schlechten Öko-Bilanz«. Die Kooperation mit der MHI umfasst 13 Steinbrüche, mit vier weiteren Unternehmen bestehen ebenfalls Vereinbarungen.

Die Biologen des Verbands untersuchen die Flächen und geben Tipps, wie Tiere und Pflanzen geschützt werden können. Da werden auch mal Bagger eingesetzt, um Tümpel auszuheben. »Wir haben eine Verantwortung, das ist unseren Mitarbeitern sehr bewusst«, betont Bauer. Wenn ein Tümpel wegfällt, um Gestein abzubauen, wird er woanders neu angelegt. Über das feuchte Frühjahr freut sich Heinz besonders. In den vergangenen Dürrejahren hatten es Amphibien schwer, »in diesem Jahr ist es super«.

Bauer unterstreicht, wie ernst das Unternehmen den Naturschutz nimmt. Die Ratschläge der Naturschützer führen unter anderem dazu, dass Bereiche nicht befahren werden, in denen nicht gearbeitet wird. Das schützt Bodenbrüter wie den Flussregenpfeifer, dessen Eier auf dem Boden fast nicht zu erkennen sind. »Da wird auch mal eine Sprengung verschoben, um zu klären, ob der gerade in dem Bereich brütet«, berichtet Heinz.

Die Kooperation mit dem NABU bietet eine rechtliche Sicherheit für das Unternehmen, das dem Schutz gefährdeter Arten verpflichtet ist. Heinz plädiert dafür, die Steinbrüche weiter zu betreiben. Nur in aktiven Steinbrüchen werden bestimmte Lebensräume freigehalten, die müsste man ansonsten künstlich anlegen, um seltene Tiere und Pflanzen zu schützen.



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