28. Januar 2021, 21:57 Uhr

Ein unterschätztes Tabu-Thema

28. Januar 2021, 21:57 Uhr
Erstmal ein Glas Rotwein zur Entspannung? Wer Alkohol immer wieder nutzt, sollte über seine Trinkgewohnheiten nachdenken. Das gilt auch für ältere Menschen. FOTO: DPA

Mit dem Projekt »Unabhängig im Alter« nimmt das Beratungszentrum Vogelsberg seit Ende vergangenen Jahres die Situation von älteren Menschen mit problematischem Suchtmittelgebrauch in den Fokus. Der Grund dafür: »Für Suchterkrankungen gibt es keine Altersgrenzen. Es kann die Lebensqualität erheblich einschränken, wenn gesundheitsschädlicher Konsum oder Sucht im Alter nicht erkannt wird«, erzählt Christine Müller-Wolff vom Beratungszentrum Vogelsberg.

Älterwerden stellt jeden vor neue Herausforderungen. Der Eintritt in den Ruhestand führt zu einschneidenden Veränderungen in der Alltagsgestaltung. »Wer wünscht es sich nicht, auch im Alter ein erfülltes Leben mit wenigen Einschränkungen zu führen, so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung bleiben zu können, gebraucht zu werden. Doch was, wenn der Wunsch sich nicht erfüllt?«, führt Müller-Wolff aus.

Soziale Kontakte können wegbrechen, zum Teil gravierende körperliche Veränderungen können sich abzeichnen. Krankheit und Tod von nahestehenden Menschen können die gemeinsamen Pläne von einen Tag auf den anderen zunichtemachen. »Diese Erfahrungen können das Leben erschüttern, aus der gewohnten Bahn werfen und empfänglich machen für vermehrten Konsum von Alkohol oder Medikamenten«, berichtet die Sozialpädagogin.

Die Entwicklung einer Abhängigkeit im Alter ist ein Tabuthema, deren Ausmaß vielfach unterschätzt wird. Nicht nur aus diesem Grund werden schädlicher Konsum oder Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten bei älteren Menschen häufig nicht oder sehr spät bemerkt. Hinzu kommt, dass Sucht bei älteren Menschen schwierig zu erkennen ist, da ihre Symptome zum Teil typische Begleiterscheinungen des Alters darstellen. So können Stürze, nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit, Antriebs- und Interesselosigkeit oder Stimmungsschwankungen Zeichen einer Sucht sein, aber auch Anzeichen einer Depression, einer Demenz oder ganz normalen Alterns.

Erste Anzeichen

Um auf die Situation von älteren Menschen mit Suchtproblemen im Vogelsberg aufmerksam zu machen, hat das Beratungszentrum Vogelsberg mit finanzieller Unterstützung durch das Land das Projekt »Unabhängig im Alter« initiiert. »Es geht dabei nicht darum, älteren Menschen das Gläschen Wein oder Bier nicht zu gönnen oder notwendige Medikamente zu verwehren, vielmehr wollen wir darüber aufklären, dass ein übermäßiger Konsum von Alkohol oder Medikamenten zu einem frühzeitigen Verlust von Selbstständigkeit und Unabhängigkeit führen kann«, führt Müller-Wolff aus.

»Wir wollen die breite Öffentlichkeit über die Folgen einer Sucht im höheren Lebensalter informieren und dafür sensibilisieren, dass eine Veränderung im Umgang mit Suchtmitteln auch im hohen Alter gelingen kann.«

Dafür baut das Beratungszentrum sein Angebot speziell für Senioren, deren soziales Umfeld sowie Interessierte aus Gesundheit, Pflege und Altenhilfe aus, um gemeinsam nach Lösungen für die oftmals schwierigen und belastenden Situationen zu suchen. Mit Netzwerkarbeit, Vorträgen und Fortbildungen soll der Blick für das Thema weiter geschärft werden und eine Vernetzung der Pflege, Alten- und Suchthilfe aufgebaut werden.

Ansprechpartnerin für »UnAbhängig im Alter« ist Christine Müller-Wolff. Sie informiert im Beratungszentrum, im Rahmen eines Hausbesuchs sowie in politischen und kirchlichen Gremien über das Projekt. Erreichbar ist sie unter 0 66 31-7 93 90 16 oder per E-Mail unter Christine.mueller-wolff@bz-vogelsberg.de.

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