19. September 2022, 21:51 Uhr

Ex-Gail-Chef mit neuer Variante

19. September 2022, 21:51 Uhr
Ingenieur Horst Dreier präsentiert seine Lösung für den Schwanenteich. FOTO: IGE

Gibt es doch eine Möglichkeit, den Uferweg am Schwanenteich ohne Baumfällungen wasserdicht zu machen und vorhandene Hohlräume für 30 bis 40 Jahre zu verschließen? Dies behauptet jedenfalls Horst Dreier, der seine vermeintliche Lösung schon bei der Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt zum Vorhaben »Sanierung Dammweg« angedeutet hatte.

Die zuständige Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (B90/Grüne) hatte dort immer wieder betont, dass bei allen bislang ins Auge gefassten Sanierungsvarianten Bäume und Sträucher am Spazierweg abgeholzt werden müssten. Ihrer Meinung nach und die der meisten Experten könne nur ein neuer Deich ohne Vegetation außer Gras das Problem am Schwanenteich endgültig beheben.

Stimmt nicht, sagt Diplom-Ingenieur Dreier. Er war unter anderem viele Jahre als Leiter der Zentralen Betriebsabteilung Prokurist bei der Gail AG, einer Ton verarbeitenden Fliesen-Manufaktur. Gleichzeitig war er Geschäftsführer der Gießener Tonbergbaugesellschaft sowie der GRG-Grundstücksverwertungs-Gesellschaft. Von dieser wurden Grundstücke aus ehemaligen Ton-Tagebaubetrieben baureif verkauft: Tagebau 1 an die Stadtwerke, unter anderem für die TREA II, Tagebau 2 und 3 an OBI und Sommerlad für deren Firmengebäude. Dreier verantwortete dabei auch die Abdichtungsmaßnahmen, »die die Baugruben bis zu zwölf und 16 Meter Tiefe vor Wassereintritt dauerhaft schützten«. Diese Expertise hat Dreier offenbar dazu genutzt, eine - wie er sagt - »optimale Lösung« für den Schwanenteich erarbeitet zu haben.

Optimierung bisheriger Variante

Dreier sieht seinen Vorschlag als »Optimierung« der im Rathaus vorgestellten Vorschüttungsvariante 1a. Im Geotechnischen Kurzbericht 02 heißt es dazu: »Bei dieser Variante wird der vorhandene Damm nur geringfügig angegriffen (Entfernung Bewuchs und Herstellung einer »Verzahnung«) und ein Dichtungskörper vor dem vorhandenen Damm errichtet. Bei dieser Variante werden die Undichtigkeiten beseitigt und ggf. mögliche Umläufigkeiten nicht behoben. Die vorhandenen Hohlräume im bestehenden Damm und die daraus folgenden Nachteile (zum Beispiel Setzungen), wie in Variante 1, sind weiterhin vorhanden. Entleerung des Schwanenteichs und das Bergen der Fische und Muscheln sowie das Hältern ist ebenso erforderlich. Das Volumen des Schwanenteichs wird etwas reduziert, die Dammkrone wird um ca. ein bis zwei Meter verbreitert.«

Bei Dreiers Plan soll ein Bagger auf ausgelegten Betonplatten in dem entleerten Teich auf parallel zum Uferweg ausgelegten Betonplatten fahren und eine trapezförmige Grube mit einer einen Meter breiten Grundsohle und einer Wandneigung unterhalb 45 Grad entlang des Ufers ausheben. Diese soll mit Geotextil ausgekleidet, mit einem wasserundurchdringlichen TonBentonit-Gemisch verfüllt und dabei lagenweise verdichtet werden. Die Dichtungsmasse überragt mit 2,50 Meter Höhe 40 Zentimeter die Oberkante der Wasserfläche des Schwanenteiches und ragt tiefer als das Flussbett der Wieseck nach unten. Laut Dreiers Plan wird die Dammkrone um 1,6 Meter verbreitert und mit dem Erdaushub anschließend eine 15-Grad-Uferböschung geschaffen. Auch für das Beheben der Hohlräume im Uferweg hat Dreier eine Idee. Insgesamt glaubt er, Schwanenteich, Uferweg und Vegetation damit wesentlich kostengünstiger und schneller retten zu können, als alle anderen bisher vorgelegten Pläne dazu.

Im Rahmen der Bürgerinformation wurde seitens der Verantwortlichen nicht näher auf Dreiers Vorschlag eingegangen.

Bereits am Dienstag im Rahmen des Ausschusses für Klima-, Umwelt-, und Naturschutz, Stadtentwicklung, Energie und Verkehr steht das Thema »Umsetzung des Pilotprojekts Bitterling« auf der Tagesordnung. Am 6. Oktober müssen die Stadtverordneten darüber entscheiden. Im Rahmen der Bürgerinformation hatte Weigel-Greilich bereits betont, dass sie keinen »neuen Erkenntnisgewinn« erhalten habe. Stadtverordneter Fabian Mirold-Stroh (B90/G) hatte die Anwesenden gebeten, keine Wunschlösungen »herbei zu fantasieren«. Was aber, wenn Dreiers Vorschlag Hand und Fuß hat und kostengünstiger umzusetzen wäre?



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