01. Juli 2021, 21:26 Uhr

Gebrauchte Kollektionsstücke recyceln

01. Juli 2021, 21:26 Uhr
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Aus der Redaktion
In präziser und gekonnter Handarbeit stellten Schneidermeisterin Antonia Klitsch (l.) und Schneiderin Shella Assum die Kollektion der geschwisterGALFE zusammen. FOTO: PM

Alsfeld (pm). Es nennt sich REdUSE, Upcycling oder »From Cradle to Cradle«. Gemeint damit ist die nachhaltige, verantwortungsbewusste Verwertung von Gebrauchsgegenständen - im Fall des Alsfelder Designer- und Geschwisterpaares Galfe sind dies hochwertige Kleidungsstücke. Bei Frank und Juliane Galfe werden all diese Begriffe mit Leben gefüllt. Denn nicht nur, dass sie ihre Kollektion im Vogelsberg entwerfen und fertigen lassen, auch die Stoffe werden hier gewebt - und damit unterscheiden sie sich von beinahe allen anderen Modeunternehmen.

Notwendige Zukaufware wird aus nachhaltigen Quellen bezogen, beispielsweise aus recycelten Ocean Bottles hergestellt. Mit einer Produktionskette, die ausschließlich vor Ort stattfindet, und nur wenigen Zukaufprodukten minimiert sich der Transportweg von der Herstellung bis auf die Verkaufsflächen ganz erheblich und somit auch die durch Produktion und Transport hervorgerufene CO2-Belastung.

»In der Regel wird Kleidung für den europäischen Markt in Fernost produziert, nach Deutschland geschifft und einer Endbearbeitung unterzogen, damit noch irgendwo ein ›Made in Germany‹ drauf kann. Wir möchten dem etwas mehr Ehrlichkeit und Innovation entgegensetzen«, sagt Frank Galfe. »Für uns ist es daher ein integraler Bestandteil unserer Philosophie, unsere Kollektion nicht um den halben Erdball transportieren zu lassen.« In der Produktion in Alsfeld herrscht ein familiäres Klima, die Schneiderinnen und Näherinnen werden fair bezahlt.

Rücknahme alter Ware für 20 Prozent

All das ist in der Kleidungsbranche nicht üblich, wie man weiß, doch all das ist Frank Galfe und seiner Schwester Juliane noch nicht genug. Sie möchten mehr möglich machen: Mehr Verantwortung übernehmen, mehr Bewusstsein schaffen, mehr für Nachhaltigkeit tun und selbst Teil der dafür nötigen Veränderung sein. »Wir nennen unsere Philosophie ›We are - wir sind‹, führen Juliane und Frank Galfe aus. »Wir sind nicht nur die Menschen, die sich so oder so kleiden, auf diese oder eine andere Weise wahrgenommen werden, sondern wir sind auch verantwortlich für unser Handeln, für das, was von uns wirkt und bleibt, und wir sind verantwortlich für die Menschen um uns herum. Als Modemacher und -händler ganz besonders natürlich für unsere Kunden.«

Um zu vermeiden, dass Stücke aus ihrer Kollektion, die vielleicht nicht mehr getragen werden, ein ungenutztes Dasein in den Kleiderschränken führen oder irgendwann einfach geschreddert werden, nehmen die beiden ab sofort alle Artikel aus ihren geschwisterGALFE-Kollektionen bei einem Neukauf eines geschwisterGALFE-Artikels zurück - ganz gleich, in welchem Zustand. »Dafür rechnen wir bei einem Neukauf 20 Prozent des ursprünglichen Verkaufspreises an«, gibt das Geschwisterpaar bekannt.

Die zurückgegebene Ware wird dann später von einem hauseigenen Wertstoffteam geprüft und alle Komponenten, die noch verwertbar sind, fließen in die neue Produktion ein. »Insbesondere sind dies Knöpfe und Reißverschlüsse, aber auch wenig getragene Stoffe«, informiert Frank Galfe, der Modekreative, der hofft, dass diese Idee auch bei anderen Herstellern Bahn bricht.



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