05. Dezember 2021, 18:37 Uhr

Gemeinsame Aktion für Gefrierhaus

05. Dezember 2021, 18:37 Uhr
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Von Herbert Schott
Die Gefriergemeinschaft Groß-Felda setzt auf ein neues Kühlaggregat im Gefrierhaus und Strom von der Phoptovoltaikanalge auf der Feldahalle. Das ist ein Ergebnis von Gesprächen mit Bürgermeister Leopold Bach und Spenden von Vereinen sowie Unternehmen. FOTO: HSO

In den 1950er und 1960er Jahren waren sie für die Landbevölkerung eine wichtige Errungenschaft, die Gemeinschafts-Gefrieranlagen. In vielen Dörfern wurrden sie errichtet. Inzwischen sind sie aus der Mode gekommen, aber die Gefriergemeinschaft Groß-Felda investiert in die Zukunft.

Nach dem 2. Weltkrieg konnten sich die wenigsten Privathaushalte in Deutschland eine eigene Tiefkühltruhe leisten. Deshalb gründete Menschen vor Ort »Gefriergemeinschaften«, die gemeinsame Anlagen betrieben. Diese boten viele einzelne Tiefkühlfächer und wurden, manchmal nach anfänglicher Skepsis, von den Haushalten rege benutzt. Auf den Dörfern hatte man in der Regel einen großen Gemüsegarten, es wurde Brot in den Backhäusern gebacken und oft wurde jedes Jahr ein Schwein geschlachtet. Die Produkte wurden in der Regel eingekocht und auf andere Art konserviert. In Groß-Felda gründete sich 1962 eine Gefriergemeinschaft, ein freistehendes Gebäude wurde auf dem Gelände des alten Backhauses in der Schulstraße errichtet. Im Januar 1963 erfolgte die Schlüsselübergabe der über 60 Gefrierfächer an die Mitglieder.

Als in den 1970er und 1980er Jahren die Heimkühltruhen erschwinglicher wurden, standen immer mehr Gefriergemeinschaften vor dem Aus. Geänderte Ernährungsgewohnheiten, weniger Hausschlachtungen und die Aufgabe der eigenen Gärten führten dazu, dass nur noch geringere Mengen Gefriergut anfiel. Hinzu kam, dass viele ältere Anlagen, wegen ihrer Klimaschädlichkeit (FCKW-haltige Kühlmittel) nicht mehr hergestellt wurden und Ersatzteile nicht zu bekommen waren. In einigen Feldataler Ortsteilen wurde der Betrieb eingestellt,

Ganz anders in Groß-Felda. Zwar gab es in den fast 60 Jahren des Betriebs mal mehr, mal weniger Nutzer, aber die Anlage wurde weiter betrieben. Nach Reparaturen am Aggregat (1984), an den Dichtungen und Scharnieren der Kühlfächer nutzen die Mitglieder das »Gefrierhaus« weiter. Bei letzteren Arbeiten hat sich besonders Mitglied Andreas Wahl verdient gemacht. Er nutzt als Ersatzteil-Fundus still gelegte Gefrieranlagen.

Inzwischen wollten einige Eigentümer ihre Fächer abgeben, was aber wegen fehlender Nachfrage nicht klappte. Immer mehr machte man sich mit dem Gedanken der Auflösung der Gefriergemeinschaft vertraut. Nun stand eine größere Reparatur an. Der Kostenvoranschlag für ein neues Kühlaggregat liegt bei rund 9.000 Euro.

Die Mitglieder der Gefriergemeinschaft Groß-Felda trafen sich deshalb Anfang des Jahres 2021, um über eine Auflösung oder Weiterführung abzustimmen. Ein Thema waren die steigenden Stromkosten. Bürgermeister Leopold Bach informierte dabei über die geplante Photovoltaikanlage auf der Feldahalle, wobei die Eigenverbrauchsquote bei 70 Prozent liegen sollte. Eingeplant dabei sind das Rathaus, die Feldahalle und das Gefrierhaus. Dadurch werden auf jeden Fall die Stromkosten für die Gefrieranlage sinken. Nach einer regen Diskussion haben sich die Mitglieder mit klarer Mehrheit für eine Weiterführung der Gemeinschaft ausgesprochen und der Erneuerung des Kühlaggregats zugestimmt.

Je Fach soll einmalig 100 Euro als Kostenbeteiligung bezahlt werden und zudem steigt der Strombeitrag für zwei Jahre auf 90 Euro pro Jahr. Danach soll geprüft werden, ob durch das neue Kühlaggregat und die Photovoltaikanlage der Preis wieder reduziert werden kann. Zur Finanzierung der neuen Anlage tragen die Gemeinde, die Volksbank Feldatal, die Jagdgenossenschaft, die LVM und der KHC bei. Der TV/VFR Groß-Felda hat ein Fach gekauft.

Bach ist froh, dass die Anlage erhalten bleibt. Er regt an, das Gebäude neu zu streichen. Im Herbst hatten sich Mitglieder und Helfer bereits der Bruchsteinmauer des Gefrierhauses angekommen und diese teilweise repariert und neu ausgefugt. Mit diesem Einsatz ysei der Fortbestand der Gefriergemeinschaft gesichert, hieß es.



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