19. April 2021, 21:24 Uhr

Gemeinsamkeit in Corona-Zeiten

19. April 2021, 21:24 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Gemeinsames Essen ist fester Bestandteil der Gemeinschaft im Ramadan. FOTO: PM

Alsfeld (pm). Am 13. April hat für die Muslime der Fastenmonat Ramadan begonnen. Ab da wird 30 Tage lang gefastet. Es gibt allein in Alsfeld zehn verschiedene muslimische Nationalitäten. Alle treffen sich in der Moschee in der Steinborngasse 23. Was für Muslime in Alsfeld der Fastenmonat bedeutet und wie Corona das Fasten beeinflusst, davon berichtet Adem Maden, Vorsitzender der muslimischen Gemeinde.

Corona macht auch vor der Moschee nicht Halt. Überall sind Hinweise, man muss sich registrieren, und wenn die Maske nicht richtig sitzt, wird man darauf aufmerksam gemacht. Jeder Gläubige muss auf dem vorgeschriebenen Platz seinen von zu Hause mitgebrachten Teppich auslegen. Die Eintragung in die Anwesenheitsliste ist auch Pflicht. Und natürlich muss sich jeder beim Eingang die Hände desinfizieren, auch beim Verlassen der Moschee wird noch einmal Desinfektionsmittel aufgesprüht. So bleibt die Wärme, die von der Moschee sonst ausgeht, auf der Strecke, auch die herzliche Umarmung nach dem Gebet ist Geschichte seit Corona.

Tatsächlich ist die Moschee viel kühler als sonst, weil die Fenster immer weit geöffnet sind, damit der Raum gut gelüftet ist. Außerdem gibt es nur noch einen Gottesdienst, der auch nur noch halb so lang dauert wie gewohnt.

Der Ramadan ist auch ein Monat spiritueller Disziplin und Reinigung. Darum bildet die Lektüre und Rezitation des Korans einen seiner zentralen Bestandteile. Nach muslimischer Lehre wurde der Koran dem Propheten Mohammed offenbart. In Alsfeld rezitieren die Gläubigen jeden Nachmittag eine Stunde aus dem Koran, die Besucher der Moschee folgen der Lesung und frischen somit ihr Wissen auf. Zu den festen Ritualen, die im Islam für den Fastenmonat vorgesehen sind, gesellen sich zahlreiche lokale Traditionen. In Sarajevo etwa verkündet ein Kanonenschuss am Abend das Ende der täglichen Fastenzeit, wie Bruder Samir Fejzij aus Bosnien berichtet. Diesen Brauch kennt auch Bruder Muhammed aus Syrien. Der zwölfjährige Hamza aus der Schwarzmeerstadt Amasya (Türkei) erinnert sich, dass in seiner Stadt jeden Abend vor dem Essen eine Musikband auf dem Schloss für die Bewohner spielt - Tag für Tag bis zum Fest.

Brauchtum an der Schwarzmeerküste

Ebenfalls aus der Türkei erzählt Bruder Dursun, dass täglich nachts um 4 Uhr zum Sahur-Essen (dem Frühstück vor dem täglichen Fastenbeginn) zwei Trommler durch das Dorf laufen und die Menschen zum Fastenbeginn aufwecken. Vor Häusern, in denen Kranke wohnen oder in denen es einen Trauerfall gab, steht als Zeichen dafür eine gelbe Tonne vor der Tür, damit auf sie Rücksicht genommen wird. Solche Trommler gibt es auch in Afghanistan, wirft Bruder Habibullah ein. Dort bekommen sie am Ende des Monats von den Bewohnern Geldgeschenke für ihr Bemühen.

Eine ältere Türkin, Frau Keskin aus Adana, berichtet, dass in ihrem Ort die Kinder für das erstmalige Fasten Geschenke bekommen, und Meryem Hotaman aus der türkischen Stadt Trabzon an der Schwarzmeerküste erzählt davon, dass bei ihr zu Hause das Essen des Fastenbrechens auch an die Nachbarn weitergegeben wird, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Aus Bursa in der Türkei kommt der Jugendverantwortliche Hakan. Er weiß, dass bei ihm im Dorf alle das gleiche Essen machen, um den Fastenmonat auf diese Weise zu teilen. Zu einem Fastentisch gehören Datteln, Früchtecocktail und Fladenbrot, das extra für den Ramadan gemacht wird. »Außerdem sind ein grüner Salat, Reis und Suppe Hauptbestandteile eines Fastenessens«, ergänzt Mediha Maden, die Frau des Vorsitzenden Adem Maden. Von einem Brauch aus seinem Ort Yozgat berichtet der Gelehrte Hasan Erden: Dort werden mehrere Häuser benannt. In jedem davon bewirtet ein Gastgeber zehn Gäste; diese wechseln sich danach von Haus zu Haus ab und besuchen gemeinsam die älteren Gastgeber.

Auch in Alsfeld haben sich in der islamischen Gemeinde viele schöne Bräuche entwickelt: Hatice Sarigül, die Frauen-Vorstandsvorsitzende, berichtet davon, dass sich etwa fünf bis sechs Familien darauf einigen, an bestimmten Tagen das Fastenmahl vorzubereiten. Dazu laden sie dann ihre Freunde und Bekannte in die Moschee zu einem gemeinsamen Essen und Gebet ein. Alle hoffen, dass es nach der Pandemie wieder so sein kann, wie sie es kennen. Denn auch der kleine Hamza erzählt, dass für ihn das Schönste am Ramadan ist, wenn beim Ramadanfest die Kinder gemeinsam die Familien in Alsfeld besuchen und sie zum Fest beglückwünschen. Dann bekommen sie Geldgeschenke, und damit wird dann für alle Kinder das Festmahl in der Moschee vorbereitet.

Deutsche Freunde können mit feiern

»Doch was können wir in diesen schwierigen Pandemiezeiten machen, um gemeinsam mit unseren deutschen Freunden und allen Muslimen den Ramadan zu feiern?«, fragt Adem Maden in die Runde. Seine Frage geht an alle, die gute Ideen haben, Gemeinsamkeit trotz der Pandemie zu erleben.

»Wer einen guten Vorschlag hat, kann sich direkt bei uns melden«, appelliert Maden, und er fügt hinzu: »Möge der Ramadan-Monat der Menschheit Gutes bringen!« Und so erreicht man die islamische Gemeinde: Ditib-Türkisch islamische Gemeinde, Steinborngasse 23, Mobil unter 01705564524 oder aber per E-Mail an ditibalsfeldcamii@ hotmail.com.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos