16. August 2021, 21:18 Uhr

Guth gab sein Bestes

16. August 2021, 21:18 Uhr
GKM
Kabarettist Martin Guth (l.) mit musikalischer Begleitung durch Johannes Napp. FOTO: GKM

Jetzt gab es eine weitere Bereicherung des Veranstaltungsangebots des Hotels Villa Raab. Auf seiner Bühne Rotbuche gastierte der Butzbacher Autor und Kabarettist Martin Guth mit seinem Programm »Das Beste vom Guthen«, begleitet von dem Musiker Johannes Napp.

»Best of«, so lautet die Programmüberschrift, wenn ein Künstler seine Fans schon mit diversen Programmen begeistert hat, aus denen er eine Zusammenstellung der Höhepunkte bietet. Unter diesem Motto stellte Guth jetzt seine Alltagsgeschichten vor, die mit lebendiger Wortakrobatik präsentiert werden.

Zur Einstimmung nahm er sein Publikum mit auf eine Zeitreise zu Wörtern, die in den letzten Jahrzehnten aus der Alltagssprache verschwunden sind. Dabei wird wenig Nostalgie aufkommen, wenn es um den verloren gegangenen »Bandsalat« geht, an den sich vermutlich nur noch die Mitglieder der Arbeitsgruppen ab 50 plus erinnern.

Ähnliches wird für Wortschöpfungen gelten, wie die »Schönheitsfarm« oder der »Trimm-Dich-Pfad«. Doch aus der unterstellten Männersicht auf die wichtigen Dinge des Lebens huschte dann doch ein Hauch von Nostalgie über die Rotbuchenbühne: Der Verlust des »Vorstoppers« und des »Mittelläufers« im Geschehen auf dem Fußballplatz waren zu beklagen, begleitet von heftiger Wortwahl im Kommentar: »totgeschwiegen, ausrangiert«. Wie groß die Trauer um den Verlust sein musste, ließ sich nur erahnen. Die aktuellen Lieblingsbegriffe der Fußballexperten in der Sportschau wie an den Stammtischen, beispielsweise »Doppelsechs« und »Raute« blieben unberücksichtigt. Dafür gab es noch einen kleinen Abstecher in die politische Ecke des Stammtischs: Den »Mittelläufer« gelte es nicht zu verwechseln mit dem »Mitläufer«. Findet das Mitlaufen - ganz unpolitisch gemeint - des Mannes an der Seite seiner Gattin statt, so muss es sich um einen Einkaufsbummel handeln.

Die Leiden im »Subway«-Imbiss

Hier ist der neudeutsche Sprachgebrauch angesagt: Shopping. Ganz anders als auf einem Waldweg, wo er stundenlang unterwegs sein kann, befällt den Mann auf der Frankfurter Zeil ein schlimmes Leiden: Shopping-Beine.

Wie sich dieses beim »Hardcore-Shopping« verstärkt, wenn es in die Parfümerie »Douglas« oder den angesagten »hochpreisigen Klamottenladen Hollister« geht, schildert der Chronist im Selbstversuch, begleitet von seinen Töchtern.

Neben der Auseinandersetzung mit deren Bedürfnissen steht dabei das Verkaufsgespräch mit der »offensichtlich magersüchtigen Verkäuferin« im Mittelpunkt. Die »junge Bohnenstange« versucht den Kundenkontakt mit englischen Floskeln, wie »How can I help you?, und beschert ihrem Vaterkunden zu den schweren Beinen auch noch bedenklich steigenden Blutdruck. Als sich »der Hungerhaken« schließlich als »Nadja aus Watzenborn« outet und erläutert, dass sie »Store-Model« sei, verständigt man sich schließlich auf Deutsch.

Die Kombination aus Nahrungsaufnahme und neudeutschem Kauderwelsch durchzog Guths geschilderte Selbstversuche. Als erste Hürde beim Versuch, eine Bestellung im »Subway«-Imbiss aufzugeben, erwies sich die Auswahl der passenden Zutaten zu dem gewählten Brötchen. Die Herausforderungen: Erkennen, dass es sich bei den angebotenen zwölf Varianten des »Finishs« um Soßen handelt und weitere Zutaten »Toppings« genannt werden. Dass es dabei wenig hilfreich ist, die aus dem Dönerkauf gemachte Erfahrung einzusetzen, mit dem Hinweis: »mit allem«, die Auswahl zu treffen, machte Guth seinem Publikum unmissverständlich deutlich. Die, mal mehr, mal weniger ausführlich, beschriebenen Lebens- und Gefühlslagen des modernen Mannes, noch in der Beziehung, nach der Scheidung und erneut auf Partnerinnensuche, durchzog Guth mit Wortspielen und eigenen Wortschöpfungen. Wenn die Kinder mal zwei Wochen bei den Großeltern waren, kämen sie zurück, »auf Werkseinstellung« gestellt. Bei der Partnersuche, wenn eine Zeit nach der Scheidung vergangen ist, müsse man erkennen, dass es einen Unterschied zwischen »Ü-40-Partys« und »Mittelaltermärkten« gebe. Zur Verabredung mit dem Handy bot er an, davon zu sprechen, dass »man sich veräpple«. Statt von »Mobbing« oder »Dissen« zu reden, schlug er die Wortwahl »Hänseln und Greteln« vor.

Was ist mit ihm als Mann passiert?

Neben Redepassagen und Zitaten aus seinen Buchpublikationen trug Guth Gesungenes vor. Begleitet wurde er von Johannes Napp. Nach alledem bleibt die Frage, die Guth sich und seinem Publikum singend mit auf den Weg gab: »Bin ich wirklich so modern oder nur gut dressiert? Was ist mit mir als Mann passiert?

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