06. August 2021, 21:17 Uhr

Kleintierhaltung

Hahn als Störfaktor

06. August 2021, 21:17 Uhr
Nicht alle mögen einen Hahn in ihrer Nachbarschaft, immer öfter kommt es zu Beschwerden. FOTO: GECK

Zu dem Artikel »Wo der Hahn den letzten Nerv tötet«, GAZ vom 28. Juli.

In dem Artikel wurde das Vorhandensein eines Hahnes einseitig als genereller Störfaktor beschrieben. In einer Zeit, in der auf Tierschutz besonderer Wert gelegt wird und das Töten von Millionen männlicher Eintagsküken verboten wird, soll diesen Tieren praktisch kein Lebensraum zur Verfügung gestellt werden, denn sie machen nun einmal das, was natürlich ist, sie krähen gelegentlich.

Wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher die Tötung der Küken nicht mehr wünschen, sollten sie auch beantworten können, wo die Hähne leben sollen. Wer kategorisch gegen einen Hahn in seiner Nachbarschaft ist, sollte sich dieses Widerspruchs bewusst sein. Als Hühnerhalter kann ich versichern, dass über viele Stunden des Tages meine Hähne nicht zu hören sind, weil sie ruhen und sich etwa der Gefiederpflege hingeben. Die Behauptung, zwischen 3.30 Uhr und 23.00 Uhr sei ständiges Krähen zu vernehmen, ist biologisch unhaltbar.

Vor Jahren haben Behörden und Gerichte die Bienenhaltung in Wohngebieten generell verboten. Die Folgen dieser Entscheidung erleben wir heute. In wenigen Jahren werden wir feststellen, dass das Verbot von Hähnen in Wohngebieten dazu führen wird, dass die biologische Vielfalt im Bereich seltener Haustierrassen verschwinden wird. Artikel wie dieser veranlassen Nachbarn, mit allen rechtlichen Mitteln gegen Hahnenhaltung vorzugehen, halten Menschen davon ab, einen Beitrag zum Erhalt alter Geflügelrassen zu leisten. Dabei ist der Hahn dafür unerlässlich.

Soweit Hühner und Hähne während der Nacht in einem Stall eingesperrt werden, ist gegen die Haltung nichts zu sagen. So ist auch die juristische Darstellung des Landkreises unzutreffend. In jedem baurechtlichen Gebiet besteht ein Anspruch auf einen Stall als untergeordnete Nebenanlage.

Dies ist die Regel und nicht die Ausnahme, denn die Haltung von Kleintieren, wozu auch Hühner zählen, ist Ausdruck des Wohnens. Wenn eine Gemeinde dies nicht wünscht, muss sie dies in einem Bebauungsplan untersagen. Im Gegensatz zur Rechtsauffassung des Kreises ist sogar in Wohngebieten die Haltung von zumindest einem Hahn zulässig.

Mit dem Schutz der biologischen Vielfalt, zuletzt massiv von der Bundeskanzlerin angemahnt, ist auch die private Rassegeflügelhaltung gemeint. Gerade für Familien ist dies ein wunderbares Betätigungsfeld, das den Kindern zeigt, woher unsere Lebensmittel kommen und wie neues Leben entsteht.

Thomas Müller , Verband der Zwerghuhnzüchter-Vereine, Hamm. Jörg Christ , Kleintierzüchterverein Heuchelheim



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