25. November 2022, 21:51 Uhr

»Hat man uns einfach vergessen?«

25. November 2022, 21:51 Uhr
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Aus der Redaktion
Hätten derzeit aus Sicht der Verantwortlichen beim Homberger Stiefelclub wohl einen Grund zur Schelte: »Frau Hom« und »Frau Berg« bei einem Auftritt bei der Sitzung aus der Zeit vor der Corona-Pandemie. ARCHI´VFOTO: NR

Trotz größtem Einsatz in den Wettbewerben hatte Bürgermeisterin Simke Ried dieser Tage keine Chance, dem Sturm des Rathauses durch die Narren des Stiefelclubs zu trotzen. Zebras, Ranger, Krokodile und Leoparden eroberten die Stadtkasse und den goldenen Schlüssel und entführten sie ganz mottogetreu im Safari-Look in die »Cordulabar«. Neu in diesem Jahr wurde die Sessionseröffnung am Abend gemeinsam in der Bar gefeiert, ähnlich erfolgreich wie auch schon am Vorabend des Kalten Marktes. Da es Homberg an den Kneipen fehlt, hatte der HSC schon vor zwei Jahren die Idee, das leerstehende Stockwerk »gecheüwwer vom Krafte Karl-Heinz« umzunutzen.

Der Verein wurde jetzt seit zwei Jahren massiv von der Pandemie ausgebremst. Für das letzte Jahr hatte man bereits fertige Pläne, um das Motto »Schlange, Affe, Fledermaus - alle rein ins Irrenhaus! Hakuna Matata am Schächerbach« in der Corona-Version als »Safari to go« umzusetzen. Kurz vor knapp waren dann aber die Verordnungen derart streng, dass es unmöglich gewesen wäre, ausgelassen zu feiern. Brauchtumspflege und der Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in der Kernstadt prägten die Arbeit des HSC seit Jahrzehnten. Das ehrenamtliche Engagement im Verein von den Jüngsten in der Mini-Garde über zahlreiche andere Tanzgruppen bis hin zum Männerballett reiche weit über die Zeit nach Aschermittwoch hinaus.

Umso schockierter war der Vorstand laut einer Pressemitteilung, »als im Herbst ein Telefonanruf aus dem Rathaus eröffnete, dass es auch in 2023 keinen Fasching geben soll, da die Stadthalle aus Energiespargründen geschlossen werde«.

Ein Austausch mit den Vereinen und die Suche nach Ausweichlösungen und Alternativen hat aus Sicht des HSC nicht stattgefunden. Niemand habe vor der Entscheidung »auch nur ein Wort mit dem Stiefelclub gesprochen. Bei der Hauptversammlung herrschte betretene Ratlosigkeit«.

Aufwand für Fahrten

Vier der größten Termine im Veranstaltungskalender der Stadt sollten sang- und klanglos wieder ausfallen. Dabei hätte es aus Sicht des HSC Lösungen geben können, »höhere Pauschalen für die Nebenkosten an den Veranstaltungstagen, keine Heizung für Trainings- und Aufbauzeiten und so weiter«. Nur leider habe das niemand hören wollen. Man könne ja nach Nieder-Ofleiden in die Sporthalle ausweichen, sei die Antwort gewesen, mit der die Vorsitzenden Maja Metz und Yvonne Fina das Gespräch mit Bürgermeisterin Simke Ried verlassen hätten.

Diese Frage diskutierte nun ein Aktiven-Stammtisch. Die Fakten seien vielschichtig; die Stadthalle sei mit Bühne, Licht und Tontechnik, Umkleiden und der gastronomischen Ausstattung bestens auf solche Veranstaltungen vorbereitet, Sitzungen des HSC seien seit Jahren auf qualitativ immer höherem Niveau. Mehrere Dutzend Aktive waren es zuletzt, »doch sind die nach zwei Jahren Pause bereit, neben dem Einsatz für das Programm noch den höheren logistischen Akt zu stemmen, den eine Verlegung mit sich brächte?«

Die Frage sei auch, wie alle Teilnehmer nach Nieder-Ofleiden kommen und ob das Publikum die Verlegung annimmt. Befürworter hingegen sagen, alles sei besser als wieder ein Jahr ohne Fasching. Sonst würden vermutlich noch mehr Aktive die Lust verlieren, »das wäre irgendwann das Aus für den HSC«. Die Halle sei groß, man könne Programm und das Drumherum ein wenig abspecken, Shuttledienste organisieren und alles mit den Narren aus Nieder-Ofleiden planen.

Energiesparen sei bedacht worden. Doch Strom würden die Veranstaltungen in Nieder-Ofleiden auch verbrauchen, ganz abgesehen von dem Aufwand an Transport und den vielen Fahrten. Und was sei in den umliegenden Gemeinden denn anders? Munter würden überall Prinzenpaare und Termine für die Session verkündet, trudelten Einladungen an den HSC ein. »Gibt es dort die Krise nicht? Oder hat man andere Schwerpunkte gesetzt?«

Nicht das Gespräch gesucht?

Die Gefahr, dass sich der Verein über diesen Fragen entzweit und schlimmstenfalls kaputt geht, liege auf der Hand. Überall werde gefordert, dass die Menschen enger zusammenrücken. Die Vereine hätten eine wichtige Integrations- und Sozialisationsfunktion über Generationen hinweg. Hier gehe es nicht darum, »dass ein Verein seinen Dämmerschoppen nicht wie gewohnt abhalten kann«.

Vielmehr stelle sich die Frage, warum seitens der Politik nicht mit dem Stiefelclub der Austausch gesucht werde. Es dränge sich der Verdacht auf, »dass man es einfach vergessen hat, dass der Magistrat nicht dran gedacht hat, dass man Fasching für überflüssig hält und für überschätzt«. Fußball, Handball, Tischtennis, alles dürfe wie gewohnt weiterlaufen. Und das sei auch gut, so der HSC. Allein die Erklärung dafür, warum das eine Engagement höher bewertet werde als das andere, bleibe unbeantwortet.



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