21. August 2022, 17:42 Uhr

»Hoffentlich kein Vorbote«

21. August 2022, 17:42 Uhr
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Aus der Redaktion
Grüne und Bürgerforum kritisieren die Schließung des Homberger Freibads zum 1. September. FOTO: ARCHIV

Dieses Jahr feiert das Schwimmbad Homberg Jahr 60-jähriges Bestehen. »Aus unserer Sicht ein Grund, diese Tradition entsprechend zu feiern,« schreiben Bürgerforum und Grüne in einer gemeinsamen Pressemitteilung. »Vielleicht mit einer Schwimmbadparty für die seit zwei Jahren durch Corona stark eingeschränkten Kinder und Jugendlichen sowie auch die treuen langjährigen Gäste«.

Stattdessen gebe die neue Bürgermeisterin am 1. August, also genau einen Monat nach ihrem Amtsantritt, auf der Webseite der Stadt Homberg bekannt, dass das Schwimmbad zum 1. September vorzeitig geschlossen werden soll. »Also 18 Tage vor der geplanten Schließung. Einen Magistratsbeschluss dazu gibt es offensichtlich nicht«.

Die letzte Magistratssitzung vor der Sommerpause habe am 26. Juli stattgefunden und »aus keinem Protokoll« des Magistrats im Juli lasse sich ein Beschluss zur Schwimmbadschließung entnehmen. Die Bürgermeisterin habe demnach »ohne wirksamen Gremienbeschluss alleinverantwortlich über die vorzeitige Schließung entschieden«. Dies überschreite ihre Kompetenz. Die A. Schmeh GmbH & Co. KG ist gemäß Betriebsführungsvertrag als externe Betreiberin des Homberger Freibades tätig. Das Unternehmen dürfte »Vorteile« einer vorzeitigen Schließung des Bades gepriesen haben, mutmaßen Barbara Schlemmer (Grüne) und Jutta Stumpf (Bürgerforum). Denselben Versuch habe das Unternehmen auch in Grünberg unternommen. Dort hätten die Verantwortlichen diesen »Wink sofort verstanden und die Maßnahme abgelehnt«. Der Betriebsführungsvertrag mit der A. Schmeh GmbH & Co. KG sei auf ein Jahresentgelt von derzeit 122 000 Euro ausgelegt.

Kein Geld gespart?

Enthalten seien unter anderem die Gestellung eines Betriebsleiters mit 30 Wochenstunden als Badmanager und die Zurverfügungstellung von weiteren Personen in Form von Fachangestellten für Bäderbetriebe und Rettungsschwimmern für die Monate April bis September. Zahlen müsse die Stadt gemäß dem Betriebsführungsvertrag auch aufgrund einer behördlich angeordneten Schließung, dann nämlich 50 Prozent des anteilig für diesen Zeitraum anfallenden Entgelts. »Eine aus freien Stücken von der Bürgermeisterin allein getroffene Entscheidung dürfte aber keine behördlich angeordnete« Schließung sein, sodass das volle Entgelt anfallen dürfte«.

Der von der Stadt vor Beauftragung eines externen Dienstleisters beschäftigte Schwimmmeister werde zwischenzeitlich am Bauhof eingesetzt. Die Stadt bezahle also einen Schwimmmeister, der auf dem Bauhof arbeitet und bezahle gleichzeitig einen externen Dienstleister, der das Schwimmbad aber zeitweise nicht betreibe. Da die Stadtverordnetenversammlung am 24. Februar 2021 die Anpassung zum Betriebsführunsvertrag des Freibades zur endgültigen Entscheidung an den Haupt- und Finanzausschuss überwiesen hatte, »wurde von diesem am 10. März 2021 bei vier Ja-Stimmen, zwei Gegenstimmen und zwei Stimmenthaltungen ein zweiter Nachtrag zum Betriebsführungsvertrag beschlossen, der eine Verdoppelung des Betriebsführungsentgeltes vorsieht«.

Die Forderung einer Volljuristin, den Betriebsführungsvertrag zu überarbeiten und jedenfalls nur für die Zeiten Zahlungen zu leisten, an denen das Schwimmbad auch tatsächlich geöffnet ist, hätten die Stadtverordneten von CDU, SPD und FW abgelehnt. Mit der vorzeitigen Schwimmbadschließung noch während der Sommerferien dürfe kein Geld eingespart werden, sondern die vorzeitige Schließung dürfte die Homberger Bürger mit »Sowieso«-Kosten belasten, ohne hierfür jedoch eine Gegenleistung zu erhalten. »Auch wäre es bei den derzeitigen Temperaturen möglich, das Freibad ohne Beheizung zu betreiben, um die Stromkosten zu minimieren«.

»Statt einer Jubiläumsfeier zum 60-Jährigen ist diese vorzeitige Schwimmbadschließung mit möglicherweise nur vorgeschobenem wirtschaftlichem Grund hoffentlich kein Vorbote dafür, dass dies die letzte Schwimmbadsaison im Homberger Freibad gewesen sein könnte?« mutmaßen die Verfasser der Pressemitteilung.

Bürgermeisterin Simke Ried hatte dieser Tage auf der Homepage der Stadt auf die bevorstehende Freibadschließßung hingewieesen. In Anbetracht der Kostenexplosion bei der Beschaffung von Energie seien alle hessischen Kommunen aufgefordert, Energie sehr effizient einzusetzen - auch im Interesse des Umweltschutzes. Der Betrieb des beheizten Schwimmbades verursache sehr hohe Energiekosten, »so dass wir uns nach Rücksprache mit dem zuständigen Dienstleister gezwungen sehen, diese Mehrkosten durch eine frühere Schließung der Einrichtung zum 1. September (statt zum 11. September) abzufedern«.

Stadt: Müssen Kosten abfedern

Derzeit erarbeite die Verwaltung auf der Grundlage der Empfehlungen des Landes und des Hessischen Städte- und Gemeindebundes vom 28. Juli diesen Jahres einen Katalog »zur weiteren Umsetzung von Energiesparmaßnahmen in unserer Stadt«. Ebenso seien weitere Konzepte für eine Ausweitung des Klima- und Biodiversitätsschutzes in der Ausarbeitung. »Wir freuen uns in diesem Zusammenhang über konstruktive Vorschläge aus der Bevölkerung, die uns helfen, unsere Energiesparmaßnahmen möglichst effektiv, aber auch ausgewogen zu gestalten. Bitte richten Sie entsprechende Eingaben an die Stadtverwaltung«.



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