13. Januar 2009, 19:54 Uhr

50-Jährige hörte Stimmen und legte einen Brand

Gießen/Homberg (hin). Im Zustand der Schuldunfähigkeit hatte die 50-jährige Angeklagte einen Brand gelegt. Die unter Schizophrenie leidende Frau hatte Stimmen gehört und so starke Schmerzen verspürt, dass sie sich zu der Tat veranlasst sah.
13. Januar 2009, 19:54 Uhr

Gießen/Homberg (hin). Im Zustand der Schuldunfähigkeit hatte die 50-jährige Angeklagte einen Brand gelegt. Die unter Schizophrenie leidende Frau hatte Stimmen gehört und so starke Schmerzen verspürt, dass sie sich zu der Tat veranlasst sah. Nur dadurch, so ihre Hoffnung, würden die Schmerzen verschwinden. Am Dienstag nun musste sich die Frau vor der Zweiten großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Dabei ging es jedoch nicht, wie der Vorsitzende Richter, Dr. Johannes Nink, hervorhob, um eine Bestrafung, sondern vielmehr darum, die Allgemeinheit vor einer weiteren Tat mit möglicherweise gravierenden Folgen zu schützen. Die Kammer entschied, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik als einzig geeignete Maßnahme in Frage komme.

Offenbar lange vor der Tat hatte die Frau, die 1993 mit ihrem Ehemann und den zwei Söhnen von Kasachstan nach Deutschland gekommen war, unter ihrer Krankheit gelitten und immer stärker werdende Beeinträchtigungen verspürt. Als eine der Ursachen erkannte sie vermeintliche Computer- und Laserstrahlen, die aus einer Nachbarwohnung zu ihr drangen.

Die 50-Jährige wohnte in einem Mehrfamilienhaus in der Homberger Goethestraße. Am Abend des 14. Juli 2008 verschüttete sie Spiritus, den ihr Mann in einem russischen Geschäft gekauft hatte (sie sprach von »Wodka«) vor der Tür des Nachbarn und zündete die Flüssigkeit an. Nur durch äußerst glückliche Umstände breitete sich das Feuer nicht aus.

Der Nachbar kam rechtzeitig genug heim, um das Feuer zu löschen. Zwar entstand ein Sachschaden von etwa 4000 Euro, Personen kamen nicht zu Schaden. Ein Beamter der Kriminalpolizei aus Alsfeld berichtete, zunächst eher ungläubig auf die Aussage der Frau, sie habe das Feuer gelegt, reagiert zu haben. Nachdem sich herausstellte, dass ihre Angaben stimmten - die Frau sei äußerst erregt gewesen - war die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus erwogen worden. Allerdings wurde die Frau bis zur Regelung der Einzelheiten in der Obhut ihrer Familie belassen. Dies stellte sich im Nachhinein, so der Polizeibeamte, als Fehler heraus.

Die Frau verschwand und wurde erst nach einer Suchaktion in der nahen Feldgemarkung gefunden. Die psychiatrische Sachverständige, Dr. Silke Kielisch (Klinik für forensische Psychiatrie, Haina), erklärte, dass bei der Frau gegenwärtig noch keine volle Einsicht in das Unrecht ihrer Tat bestehe und dass, trotz Behandlung, eine Restsymptomatik der Krankheitserscheinungen vorhanden sei. Insofern lägen die Voraussetzungen für eine Unterbringung vor. Auch sei außerhalb des Maßregelvollzugs kein Lebensumfeld vorhanden, das eine erneute Tat ausschließen würde, so die Gutachterin.

Sowohl Staatsanwalt Mike Hahn als auch Verteidiger Dirk Nagel (Homberg/Ohm) teilten die Einschätzung der Sachverständigen und beantragten die Unterbringung der Frau in einer psychiatrischen Einrichtung. Aus den vor Gericht gemachten Angaben ging hervor, dass bei der Frau eine familiäre Veranlagung zu psychischen Erkankungen vorliegt. Auch die Schwester und der jüngere Sohn leiden unter seelischen Beeinträchtigungen, hieß es am Dienstag.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos