26. August 2021, 21:49 Uhr

In freudiger Erwartung

Nächste Woche geht die Schule wieder los. Während viele sorgenvoll schauen, wie sich die Corona-Infektionszahlen entwickeln werden, startet die Gesamtschule Mücke weiter mit Volldampf in Sachen Digitalisierung durch. Und auch der heißersehnte Glasfaseranschluss soll endlich kommen.
26. August 2021, 21:49 Uhr
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Von Kerstin Schneider
Florian Albert, iPad-Beauftragter an der Gesamtschule in Mücke, zeigt die Anwendungsmöglichkeiten der digitalen Tafel. Alle Klassenräume sind mittlerweile damit ausgestattet. FOTO: KS

Viel ist in der Corona-Pandemie von Digitalisierung und vor allem den Mängeln die Rede gewesen. An der Gesamtschule Mücke ist man schon einen Schritt weiter. Dort gibt es schon seit zwei Jahren digitale Tafeln in allen Klassenräumen und iPad-Klassen. Zuletzt hat der Vogelsbergkreis die meisten Fachräume kürzlich zusätzlich zu den digitalen Tafeln mit Apple-TV ausgestattet. »Wir haben uns bewusst für iPad-Klassen ab Jahrgang 7 entschieden,« berichtet Schulleiterin Esther Becker im Gespräch kurz vor dem Auftakt des neuen Schuljahres.

Die Eltern sehen das ähnlich und haben zu 95 Prozent ihr Kind in einer solchen Klasse angemeldet. Inzwischen haben 224 von insgesamt rund 510 Schülern ein eigenes iPad. Schulen im benachbarten Kreis Gießen träumten davon, in Sachen Digitalisierung so weit zu sein wie der Vogelsbergkreis, ergänzt Konrektor Boris Heinrich. »Das gilt sogar hessenweit, wie ich bei Tagungen erfahren habe.«

Dank der Tablets habe man etwas leichter durch Home-schooling und Lockdown kommen können, erzählen Esther Becker und Stellvertreter Heinrich. Laut einer Umfrage der Schule sind die Erfahrungen damit gut.

Auch wenn es natürlich hin und wieder hapert oder es nötig wird, auf den sinnvollen Umgang mit dem kleinen technischen Alleskönner hinzuweisen, »damit nicht nur Spiele installiert werden.«

Während einige Wissenschaftler in einer Studie das Homeschooling eher kritisch sahen, hätten einige der Mücker Gesamtschüler zu berichten gewusst, dass sie zu Hause mehr Ruhe haben. »Da lerne ich mehr als in der Schule«, so eine Stimme. Das größte Problem für die jungen Menschen seien in Zeiten von Lockdown während der Pandemie dagegen eher die fehlenden sozialen Kontakte gewesen.

Aussagen wie etwa »Homeschooling ist in etwa so effektiv wie Sommerferien« täten »den Lehrkräften weh«, beklagt Schulleiterin Esther Becker. Die Pädagogen hätten sich viel Mühe gegeben, an Fortbildungen teilgenommen, um auf den neuesten technischen Stand zu kommen. Florian Albert hat unter anderem Lehrvideos gedreht, und auch das digitale Klassenbuch sei nun Standard. Rektorin Becker: »Das geht nicht ohne Eigeninitiative und Engagement.«

Jetzt wünscht sich die Schule, dass auch die Eltern die digitalen Medien künftig fleißig nutzen, um bei Fragen oder Problemen den Kontakt zu suchen, etwa über den Elternchat oder über »Iserv.« Das werde bisher leider noch nicht so gut angenommen. Die Mütter und Väter greifen lieber ganz traditionell zum Telefonhörer. Auf Elternabenden soll demnächst noch verstärkt das Thema Digitalisierung auf der Tagesordnung stehen. Man habe festgestellt, dass bei den Tablets Eigentumsgeräte am sinnvollsten sind, denn sie können von den Schülern auch außerhalb der Schulzeit genutzt werden. »Es läuft zwar nicht alles völlig reibungslos, aber ordentlich«, sagt Florian Albert, iPad-Beauftragter der Schule.

Bis Ende des Monats will die Telekom dann auch den langersehnten Glasfaseranschluss schalten. Beim Anschluss ans schnelle Internet gab es Stolpersteine, räumt Berthold Habermehl vom Vogelsbergkreis ein: »Aber bis Ende dieses Jahres haben alle Schulen Glasfaser bis ins Haus.«

Das wird man an der Gesamtschule gern hören, denn: »In Mücke hatten wir bisher die langsamste Verbindung.« Habermehl verspricht: »Pünktlich zum Schulbeginn werden wir die absolute Geschwindigkeit haben.« Also alles bestens? Nein, denn bei all den technischen Fortschritten hakt es bei der Finanzierung, beklagt Schulleiterin Becker. Vom Land erfahre man wenig Unterstützung oder Entlastung, obwohl die Digitalisierung einen hohen Zeitaufwand und ein hohes persönliches Engagement bedeute. Für die Anschaffung digitaler Lehrwerke gebe es kein Geld, obwohl die Kosten rasant steigen. Becker: »Wir müssen ständig kämpfen und beißen oft auf Granit.« Trotzdem sei man jetzt in »freudiger Erwartung auf den Schulbeginn.«



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