22. Januar 2021, 22:16 Uhr

Kartenzahlung boomt

22. Januar 2021, 22:16 Uhr
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Von Joachim Legatis
Neben dem Drogeriemarkt an der Ohmstraße will die VR Bank HessenLand bis 2023 ihre neue Homberger Geschäftsstelle errichten. FOTO: JOL

Alsfeld/Homberg (jol). Die Lage ist schwierig, aber die VR Bank HessenLand präsentiert gute Geschäftszahlen für das vergangene Jahr. Trend: Immer mehr Kunden wollen in Aktien investieren. Das Interesse an der entsprechenden Beratung stieg deutlich, wie Vorstandssprecher Helmut Euler sagte. Flexibel musste sich die Bank auch durch Folgewirkungen der Corona-Pandemie zeigen. So nutzen weniger Kunden die Geldautomaten, dafür boomen Kartenzahlung und die Beratung per Video-Chat. Im Aufwind ist das Immobiliengeschäft, das inzwischen Gewinne abwerfe.

In diesem Jahr geht das Finanzinstitut die Planungen für eine neue Geschäftsstelle in Homberg an. Bis 2023 will man die gemieteten Räume in der Kernstadt verlassen und in einen Neubau an der Ohmstraße ziehen. Dort besitzt die VR Bank das Grundstück mit dem Drogeriemarkt, daneben soll gebaut werden, wie Euler erläuterte. Die Geschäftsstelle in Alsfeld wird bereits seit Monaten saniert.

»In diesen außergewöhnlichen Zeiten ist es uns gelungen, die Vertrauensbeziehungen zu den Kunden zu intensivieren und in allen wichtigen Geschäftsfeldern besser als erwartet zu wachsen«, erklärte Euler bei der Vorlage der Bilanz 2020. Der Erfolg steht nach Überzeugung der Vorstände Euler und Ralph Kehl in engem Zusammenhang mit der unternehmerischen Anpassungsfähigkeit.

Das betreute Kundenvolumen überschritt erstmals die Marke von drei Milliarden Euro. Dabei erreichten das Kreditneugeschäft sowie das Anlage- und Vorsorgegeschäft historische Bestmarken. Dank der Unterstützung für Unternehmen blieb die Bank bisher von Auswirkungen von Insolvenzen verschont. Eine Pleitewelle erwarten die Bankvertreter nicht, allerdings werde es in einigen Fällen schwierig, »das wird aber auf die lange Zeitachse hin geschehen«.

Im Gespräch mit Nachbarbanken

Die Entscheidung vor zwei Jahren, die Beratung via VR@home einzuführen, habe sich als Erfolgsfaktor erwiesen. Durch technische und organisatorische Veränderungen sei es gelungen, dass 70 Prozent der Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz völlig flexibel wählen können.

»Die Ertragslage zeichnet sich wie in den Vorjahren durch eine überdurchschnittliche Wirtschaftlichkeit aus. Das Eigenkapital erhöhte sich unter anderem durch die Zeichnung weiterer Geschäftsanteile der Mitglieder um 13 Prozent auf 210 Millionen Euro, sodass man gegen Unwägbarkeiten im weiteren Verlauf der Pandemie gut gerüstet sei, erklärte Euler.

Ein wichtiger Faktor sei die effektive Struktur. Auf Ganztagsstellen umgerechnet, arbeiten 190 Personen für die Bank, wie Kehl sagt. Um einen Euro zu verdienen, werden 53 Cent aufgewendet, das sei ein Spitzenwert unter Genossenschaftsbanken. Der Durchschnitt liege bei 67 Cent pro verdientem Euro. Deshalb rechnet Helmut Euler damit, dass in den nächsten Jahren etwa die Hälfte der über 800 Genossenschaftsbanken durch Fusionen verschwinden werden. Auch die VR Bank HessenLand ist im Gespräch mit Nachbarinstituten. Die VR Bank baut die Geschäftsstelle Treysa neu, und in Stadtallendorf-Neustadt will man neue Räume beziehen.

Die 40 721 Mitglieder werden traditionell beteiligt und sollen eine Dividende von drei Prozent erhalten.

Die positive Bilanz erstreckt sich auch auf die sechs Tochtergesellschaften. Darunter ist Raiffeisen Waren die größte. Mit 138 Mitarbeitern habe man von einem »Boom im Bereich Bau« profitiert, sagte Kehl. Pandemiebedingt sind viele Menschen zu Hause geblieben und haben fleißig gehämmert und gesägt, sodass die Baumärkte für den Nachschub gut ausgelastet waren. Weitere Gesellschaften der VR Bank HessenLand sind eine Hausverwaltung und ein IT-Dienstleister.



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