Vogelsbergkreis

Linke: Heime in öffentliche Hand

Zehn Gesellschaften der Cura-Sana-Gruppe haben Insolvenz angemeldet, betroffen sind auch zwei Altenpflegeeinrichtungen im Vogelsberg, in Grebenau und Freiensteinau. Das sei bedenklich und werfe ein Schlaglicht auf den Zustand der privaten Senioreneinrichtungen, heißt es in einer Pressemitteilung der Linken.
03. Februar 2021, 22:03 Uhr
Redaktion

Zehn Gesellschaften der Cura-Sana-Gruppe haben Insolvenz angemeldet, betroffen sind auch zwei Altenpflegeeinrichtungen im Vogelsberg, in Grebenau und Freiensteinau. Das sei bedenklich und werfe ein Schlaglicht auf den Zustand der privaten Senioreneinrichtungen, heißt es in einer Pressemitteilung der Linken.

»Schon wegen der Verantwortung gegenüber den Senioren und Pflegebedürftigen dürften solche Einrichtungen nicht insolvent gehen. Wie auch Krankenhäuser gehörten sie in die öffentliche Hand«, meint Michael Riese.

In den vergangenen 20 Jahren sei das Gesundheitswesen von einem öffentlichen Gemeingut in ein Geschäftsfeld für Investoren verwandelt worden. In der Altenpflege dominierten inzwischen private Anbieter, die für ihre Investitionen eine entsprechende Rendite erwarten, so Dietmar Schnell. Überschüsse bei den Alten- und Pflegeheimen seien fast nur auf Kosten der Beschäftigten möglich, durch niedrige Bezahlung und hohe Arbeitsbelastung und Einsparungen beim Material zur Versorgung der Pflegebedürftigen.

Tatsächlich verdienten Altenpflegerinnen laut dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung fast ein Fünftel weniger als ihre Kollegen in Kliniken. In den letzten Jahren kündigten Zehntausende Pflegerinnen und Pfleger wegen Überlastung, laut Gewerkschaft Ver.di fehlen über 100 000 Pflegekräfte. So werde als mit ein Grund für die Insolvenz der Cura-Sana-Gruppe der Fachkräftemangel genannt. Wenn darüber hinaus die Gruppe in die Insolvenz gerate, weil, wie es hieß, die Kosten für die Corona-Testungen nicht zu tragen wären, werde deutlich, auf welch dünnem finanziellen Eis sich oftmals Geschäftsmodelle in der privaten Altenpflege bewegten, meint Riese.

»Die Übernahme der insolventen Heime durch andere private Träger mag zunächst den Weiterbetrieb sichern, ein beruhigendes Gefühl für die Pflegebedürftigen und die Beschäftigten, eine generelle Lösung ist aber nur eine öffentliche Trägerschaft.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/linke-heime-in-oeffentliche-hand;art74,722638

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