24. März 2021, 21:47 Uhr

Mehr Pornografie - weniger Einbruch

Mord und Totschlag in Alsfeld sind spektakulär, sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kriminalitätsrate im Vogelsbergkreis um fast 200 Fälle abgenommen hat. In Osthessen gab es eine leichte Zunahme, was die Kriminalitätsstatistik belegt, die das Polizeipräsidium Osthessen nun vorlegt.
24. März 2021, 21:47 Uhr
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Von Joachim Legatis
Bei der Vorlage des Kriminalitätsberichts Osthessen wird auf gute Präventionsberatung gegen Wohnungseinbrüche verwiesen, so scheiterte fast jeder zweite Einbruchsversuch. FOT:O DPA

Mehr Mord und Totschlag, mehr sexuelle Taten und Bedrohungen, dafür weniger Einbrüche und Straßenkriminalität. Die Kriminalität im Vogelsberg hat viele Gesichter, wie die aktuelle Statistik des Polizeipräsidiums Osthessen ausweist. In den drei Landkreisen des PP gab es im Vorjahr 18 671 Straftaten, 3,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mit 4154 Straftaten pro 100 000 Einwohner (2019: 4019) liegt die Kriminalitätsbelastung jedoch weiterhin deutlich unter der Zahl des gesamten Bundeslandes Hessen von 5446, wie Polizeipräsident Günther Voß bilanziert.

Die Zahlen für den Vogelsberg belaufen sich auf 3944 Taten (2019: 4123) bei einer Aufklärungsquote von 68,1 Prozent. Der ländliche Raum ist sicherer als andere Teile des eh schon ganovenarmen Osthessen. Denn im Vogelsbergkreis zählte man lediglich 3733 Fälle pro 100 000 Einwohner. Ein Teil der guten Bilanz ist der Pandemie geschuldet, worauf Voß hinweist.

Spürbar waren in Osthessen die Rückgänge bei den Straftaten im öffentlichen Raum, wie Körperverletzung, Straßenraub oder Laden- und Taschendiebstahl. Hingegen ist insbesondere im Bereich der Betrugs- und Internetkriminalität ein Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen. Der Vogelsberg weist allerdings weniger Betrugsdelikte auf. Subventionsbetrug wegen Corona-Soforthilfen oder abgewandelte Formen der bekannten Betrugsmaschen wurden entgegen allgemeiner Prognosen nur vereinzelt festgestellt. Insgesamt 633 Fälle von häuslicher Gewalt wurden im Jahr 2020 in Osthessen registriert, was einer Zunahme um 3,1 Prozent entspricht, 2019 waren es noch 614 Fälle.

Einen Ausreißer bildet der Vogelsbergkreis bei den Tötungsdelikten. Ein Mord und fünfmal Totschlag schlagen für 2020 zu Buche, 2019 waren es mit einem Mord und zweimal Totschlag deutlich weniger. Zwei Taten aus 2020 sind breiter in die Öffentlichkeit gelangt. Kürzlich wurde ein Mann wegen Mordes in einem Kleingartengelände verurteilt. Ein Gerichtsverfahren gegen einen Syrer wegen der Tötung seiner Ehefrau, ebenfalls in Alsfeld, läuft noch. Weitere Tatorte lagen in Grebenhain, Schwalmtal und Kirtorf.

Mehr Sex-Delikte

Dabei bildet die Kriminalitätsstatistik nur die Ermittlungsergebnisse der Polizisten ab. Wie sie für ein Gerichtsverfahren umgesetzt werden, entscheidet die Staatsanwaltschaft, bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens gilt der mutmaßliche Täter als Verdächtiger. Ein ermittelter Tatverdächtiger kann auch freigesprochen werden.

Signifikant angestiegen sind die Straftaten gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von 124 (2019) auf 183 (2020). Dabei gab es 51 Fälle sexuellen Missbrauchs, acht mehr als 2019. Beim Missbrauch von Kindern ging es von 26 auf 39 hoch. Unter der Verbreitung pornografischer Schriften sind nun 76 Taten gelistet, 2019 waren es nur 43. Fast drei viertel der Tatverdächtigen gehören in diesem Bereich der Altersgruppe bis 21 Jahren an, mehr als jeder Zweite ist zwischen 14 und 17 Jahren. Wie Voß erläuterte, resultiert die Steigerung vor allem aus neuen Meldeverpflichtungen US-amerikanischer Internet-Provider. Sie müssen strafbares Verhalten von Nutzern automatisiert an die Polizei melden.

Einen leichten Rückgang gab es beim Raub von 20 (2019) auf 18 im Vorjahr. Fünfmal wurden Geschäfte überfallen, der klassische Handtaschenraub lag bei Null. Positiv ist auch die Entwicklung bei Körperverletzungen, da wurde die Polizei nur 496-mal gerufen, das sind acht Fälle weniger als im Jahr 2019.

Dafür wird das Verhalten am Steuer eines Fahrzeugs ruppiger, so stieg die Zahl der Nötigungen im Straßenverkehr von 39 auf 55, das ist ein Plus von 41 Prozent. Deutlich rückläufig sind Diebstähle im Kreis, von 977 ging diese Zahl auf 840 zurück. Besonders stolz zeigt sich Voß über die gute Prävention gegen Wohnungseinbrüche. In Osthessen wurden 127 Einbruchsversuche abgebrochen, damit scheiterte fast jeder zweite Einbruch. Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten gab es ebenfalls einen Rückgang. Im Vorjahr waren es 687, im Jahr zuvor zählte man noch 827. In diesen Bereich fallen Delikte wie Betrug, Warenkreditbetrug und Unterschlagung.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Rauschgiftdelikte in ganz Osthessen um 158 auf 1518 Fälle. Das ist insbesondere auf den Anstieg der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (plus 159 Fälle) zurückzuführen. Zunahmen sind insbesondere bei Verstößen mit Cannabis (+119 Fälle) und Amphetamin (+32 Fälle) feststellbar. Im Vogelsberg stieg die Zahl der Delikte von 340 (2019) auf 345.

Eventuell im Zusammenhang mit Protesten gegen den Bau der A 49 steht das Plus beim Widerstand gegen die öffentliche Ordnung auf 141, 2019 waren es 124 Taten.



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