04. März 2021, 21:47 Uhr

Mehr Schutz für Wildkatzen

Neue Schilder am Wegesrand kündigen es an, das Naturschutzgebiet Feldatal wird erweitert. Noch ist das Verfahren nicht abgeschlossen, aber höchstwahrscheinlich werden bald 529 Hektar Bachaue und Wald bei Schellnhausen unter Schutz stehen. Spazieren gehen ist ausdrücklich erwünscht.
04. März 2021, 21:47 Uhr
Umgestürzte Bäume bleiben liegen: Franz Baier und Klaus Pfarrer (mit Hund) im Naturschutzgebiet Feldatal, das die Bachaue im Hintergrund sowie größere Waldgebiete an beiden Ufern umfasst. FOTO: JOL

Mehr Platz für Schwarzstörche, Wildkatzen und Bechsteinfledermäuse soll das Naturschutzgebiet (NSG) Feldatal zwischen Schellnhausen und Ehringshausen bieten. Mit Feuchtflächen und erlenbestandenen Ufern, einem Mischwald voller alter Bäume, mit Totholz und extensiv bewirtschafteten Wiesen bietet es ein Mosaik an wertvollen Biotopen. Deshalb soll das Naturschutzgebiet deutlich erweitert werden, von bislang 411 auf 529 Hektar Fläche.

Zugeschlagen werden Kernflächen für Naturschutz des Forstamts Romrod, wie Franz Baier von der Oberen Naturschutzbehörde beim RP Gießen erläutert. Das sind Waldstücke mit altem Baumbestand, in denen Hessen Forst die Natur sich selbst überlässt. Nur Bäume an Wegen werden gelegentlich gefällt, damit es zu keinen Unfällen mit Spaziergängern kommt. Die Ausweisung ist noch nicht abgeschlossen.

Das NSG kann weiterhin von Naturfreunden erwandert werden, auch die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesenflächen bleibt bestehen. Neu ist nur, dass nun ein größeres Waldstück auf Jahre geschützt ist. »Das gibt die künftigen Urwälder, da kommt dann keine Axt mehr hinein«, strahlt Klaus Pfarrer, beim Forstamt Schotten für Naturschutz zuständig. Allerdings ist das NSG in drei Bereiche (Schutzzonen) eingeteilt, stellenweise können doch noch Bäume eingeschlagen werden. Aber ein Anfang ist gemacht.

Feldatal ist das größte mittelhessische Naturschutzgebiet, unter Schutz gestellt waren bislang die Feldaaue zwischen Schellnhausen und Ehringshausen mit den angrenzenden Waldstücken. Erweitert wird das Gebiet nun in Richtung Romrod. Wie Baier erläutert, ist ein Naturschutzgebiet die höchste Schutzkategorie und damit stärker geschützt als ein Landschaftsschutzgebiet wie der Auenverbund Lahn-Ohm. Das Feldatal ist aber nicht nur ein nationales Schutzgebiet, sondern auch als Teil des größten hessischen Vogelschutzgebietes »Vogelsberg« und des FFH-Gebietes »Feldatal, Kahlofen und Ohmaue« ein europäisches Schutzgebiet, das nach Vogelschutzrichtlinie und der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union in einem guten Erhaltungszustand bleiben soll. Planungen oder Projekte wie zum Beispiel Windparks unterliegen dort sehr strengen Prüfkriterien.

Mit Wanderwegen

Das NSG Feldatal soll Lebensraum für Tiere wie die Wildkatze, seltene Fledermäuse und Schwarzstörche bieten, erläutert Baier. Der schwarz gefiederte Vetter des Weißstorchs zum Beispiel benötigt ruhige Waldstücke zum Brüten und wasserreiche Reviere zur Futtersuche. Deshalb sollen Spaziergänger in Kernbereichen des NSG an den Hängen des Feldatals die Waldwege nicht verlassen. Erklärtes Ziel des Landes ist es, den Zugang zu den Naturwäldern offenzuhalten, damit die Bürgerinnen und Bürger erleben, welchen Schatz ein gesunder Wald darstellt. Das hat Kompromisse bei der Anlage des Premium-Wanderwegs »Heinzemanntour« erleichtert, wobei die Wegführung naturschutzgerecht angelegt wurde.

Wichtig ist Pfarrer, dass Landwirte weiterhin die Wiesen mähen. Auch dadurch werden Lebensräume wie die sogenannten Mageren Flachlandmähwiesen erhalten. Aber sie müssen später gemäht und dürfen nicht gedüngt werden.

Im Unterschied zu einem Wirtschaftswald soll sich der Baumbestand weitgehend selbst entwickeln. »Da stehen viele Buchen drin, es gibt Bäume aller Altersstufen und viel Totholz«, erläutert Pfarrer. Bäume einer Altersstufe jenseits der 100 Jahre bieten Lebensraum für Spechte, Fledermäuse, Käfer, Pilze und Moose. In umgestürzten Stämmen finden Hirschkäfer und Pilze ideale Bedingungen. Der Vorstellung, dass man so Brutstätten für den Borkenkäfer schafft, treten Baier und Pfarrer entschieden entgegen. Borkenkäfer sind auf bestimmte Baumarten programmiert, aktuell leidet besonders die Fichte. »Der Käfer springt nicht von der Fichte auf Laubbäume über«, betont Pfarrer.

Die naturnahen Wälder sind auch Labore für wissenschaftliche Beobachtungen und werden regelmäßig von Wissenschaftlern erkundet. »Wir wollen auch sehen, wie sich ein natürlicher Wald entwickelt und mit Faktoren wie Dürre und der Klimaerwärmung umgeht«, sagt Baier. Erfolge sind schon sichtbar, nach der Wildkatze ist der Wolf in die Region zurückgekehrt. »Es wird nicht lange dauern, bis der Biber hier an der Felda einwandert«, prognostiziert Baier.

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