04. August 2021, 21:41 Uhr

Millionen Kilowatt Sonnenstrom

Sie sind nicht unumstritten, das zeigen Diskussionen etwa in Gemünden. An der »Struth« in Ulrichstein ist jetzt eine große Fotovoltaik-Freiflächenanlage in Betrieb gegangen. Auf zwei Hektar Fläche sollen so jdes Jahr rund zwei Millionen Kilowatt Sonnenstrom »geerntet« werden.
04. August 2021, 21:41 Uhr
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Von Dieter Graulich
Auch wenn sich die Sonne in diesem Sommer eher rar macht: Auf dieser Fläche bei Ulrichstein soll sie in den nächsten Jahren Strom liefern. FOTO: AU

Genau 4077 Module stehen auf der Fläche nahe des Wahrzeichens Schlossberg, die ab sofort so viel Strom im Jahr liefern, wie für 600 Haushalte benötigt wird. Das sind die Zahlen zur neuen Fotovoltaik-Freiflächenanlage, die die Energiegenossenschaft Vogelsberg (EGV) in Ulrichstein im Beisein von Vertretern der Kommune und Grundstückseigentümern in Betrieb genommen hat.

Günter Mest, geschäftsführender Vorstand der EGV, freute sich, dass auch diese Anlage dazu beitragen werde, »die Klimaziele Deutschlands zu erreichen und in der Region klimaneutral Strom zu produzieren«. Darüber hinaus verbleibe die Wertschöpfungskette vor Ort: »Die 1,1 Millionen Euro, die wir in diese Anlage investiert haben, stammen zu 100 Prozent aus Nachrangdarlehen unserer Mitglieder, die sich über gute Dividenden und Zinsen freuen können«, so Mest weiter.

Er unterstrich darüber hinaus die Bedeutung von erneuerbaren Energien für den Klimaschutz. Wie wichtig und drängend dieser sei, das sehe man auch an den fatalen Folgen vermehrt auftretender und heftiger werdender Unwetter mit Überflutungen.

»Die Stadt Ulrichstein ist seit Beginn im Jahr 2011 Mitglied in der Energiegenossenschaft Vogelsberg. Deshalb sind wir sehr froh, dass die EGV auch in Ulrichstein jetzt schon zwei Freiflächenfotovoltaik-Projekte errichtet hat. Ulrichstein ist somit nicht nur in Sachen Windenergie, sondern auch bei großflächigen Solarstromerzeugungen im Sinne der Energiewende unterwegs«, so sagte es Bürgermeister Edwin Schneider.

Die Stadt habe schon seit rund 20 Jahren Dachflächen für Solaranlagen vermietet. Weiterhin werden auf dem Kindergarten in Ulrichstein und auf dem Dorfgemeinschaftshaus in Unter-Seibertenrod eigene Anlagen für den Eigenstromverbrauch und zur Stromeinspeisung betrieben.

Durch die Energiegenossenschaft wurde auf der ehemaligen Erddeponie in Richtung Helpershain die erste Freiflächen-PV-Anlage errichtet, die im vergangenen Jahr ans Netz ging. Hierzu war zunächst ein Bauleitplanverfahren mit der EGV und der Firma max Solar vorzunehmen.

Auch die Errichtung der Anlage in der »Struth« sei von der Stadt positiv begleitet worden, so der Bürgermeister. Nach dem Bebauungsplan »Struth« aus dem Jahr 1994 war es möglich, dass die PV-Anlage in dem Gewerbegebiet errichtet werden konnte.

Die Flächen, auf der die Anlage errichtet wurde, befinden sich im Privateigentum. Die Eigentümer seien ebenfalls froh, »dass ihre Flächen jetzt für die Erzeugung erneuerbarer Energien genutzt werden, da sich ein Verkauf für Gewerbebetriebe leider bisher nicht realisieren ließ«.

»Froh bin ich als Bürgermeister auch, dass es für beide Solarstromprojekte eine Beteiligung für Ulrichsteiner Bürger und Bürgerinnen gibt«, betonte Schneider. So würden von der EGV Nachrangdarlehen angeboten mit einem gegenüber der aktuellen Bankzinsen recht lukrativen Zinssatz. Dass dies gut angenommen wurde, habe die schnelle Überzeichnung gezeigt. »Mit der Bürgerbeteiligung bleibt die Wertschöpfung der Anlagen in Ulrichstein«.

Die Stadt erhält für die eigenen Flächen ein Pachtentgelt »und wir hoffen natürlich auch noch auf Gewerbesteuereinnahmen für die beiden Anlagen«, so der Bürgermeister abschließend.



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