11. September 2022, 19:21 Uhr

Mitschwingende Tanzsätze

11. September 2022, 19:21 Uhr
BUL
Zum Abschluss von Ohm sweet Ohm mit dem Duo Palatino und Prof. Wolfgang Schmid gab es auch Applaus für die Organisatorinnen Beate Goßfelder-Michel, Sylke-Bösking-Rieß, Anne Weißhuhn und Zahra Famarin. FOTO: BUL

?Gefühlt« war die Eröffnung der diesjährigen Ohm-Sweet-Ohm-Kultur-Staffel für das vierköpfige OSO-Team Beate Goßfelder-Michel, Sylke-Bösking-Rieß, Anne Weißhuhn und Zahra Famarini in Homberg erst vergangene Woche. In Wahrheit aber sind schon wieder sieben Wochen vergangen und am Samstagabend stand in der Stadtkirche der finale Abschluss der vielfältigen Kulturreihe an. Mit dem Kunsthistoriker Prof. Wolfgang Schmid gastierte das renommierte Pfälzer »Duo Palatino«. Die Drei präsentierten in einer überragenden Komposition von historischer Kirchen-, Zeit- und Musikgeschichte mit feinster Musikalität kammermusikalische Kleinodien unter dem Motto »magische Orte - mystische Klänge«,

»Abschlüsse haben oftmals etwas von Abschied - sind ruhiger und besonnener - klingen aus. So haben wir in den vergangenen 15 Jahren sehr, sehr oft unsere Homberger Stadtkirche als Präsentationsort ausgewählt und die Kooperation mit unserer evangelischen Kirchengemeinde gefunden«, eröffnete Goßfelder-Michel in der dreischiffigen, ehemals romanischen, später zur Stufenhalle umgebauten Basilika mit gotischem Chor das Konzert. Gedämpftes Licht und Kerzenschein im Bank- und Eingangsbereich des Kirchenschiffs sowie akzentuierte Lichtimpulse im Altarraum wandelten das Gotteshaus zu einem Konzertraum mit besonderer Note.

»Historische Orte sind magisch, sind geheimnisvoll und mancher spürt förmlich die Schwingungen, die »Good Vibrations« und den Atem der Geschichte, wenn man sich denn darauf einlassen möchte«, baute die Sprecherin für alle Komponenten eine weitere Brücke. Die Liaison von Christiane Meiningers Flöte und Volker Höhs Gitarre in Korrespondenz mit Schmids fundierter Historie begann.

Spitzenmusiker

Mit Souveränität, Virtuosität, Spieltechnik, Brillanz und Bühnenpräsenz verstand das kongeniale Musik-Duo zu gefallen. Gebannt lauschte das Publikum dem kontrastreichen Programm mit Stücken von der Renaissance bis zur Romantik, in der leise Töne aufhorchen und kompositorische Bögen die Emotionen der Zuhörerschaft nur so dahinschmelzen ließen. Die punktgenauen Tempiwechsel und das vielschichtige Gesamtklangbild gingen an gewieften Ohren nicht spurlos vorüber.

Zu hören gab es schöne Kompositionen als Evergreens der Kammermusik oder gar spanische Verrücktheiten wie das Werk »Les Folies d´Espagne« von Marin Marais. Zu den bekanntesten Stücken zählten Franz Schuberts »Ave Maria«, Johann Sebastian Bachs »Air - Badinerie«, die Fuge aus Wolfgang A. Mozarts Sonate A Dur KV 331 sowie Frederic Chopins »Non piú mesta für Flöte solo aus Rossinis La Cenerentola«.

Sebastiàn de Yradiers »La Paloma« - das sehnsuchtsvolle Lied ganzer Generationen - rundete den Reigen der mitschwingenden Tanzsätze in den Sitzreihen und setzte dem instrumentalen Wirken der Spitzenmusiker ein bezauberndes Finale. Alles, was die Flötistin und der Gitarrist ihren Instrumenten entlockten, wurde eindrucksvoll geboten.

Kunsthistoriker Schmid untermalte die Auswahl der Kompositionen mit abgestimmten Einsichten in die jeweiligen Epochen mit relevanten Fragmenten. So erinnerte er an den Ursprung der Homberger Stadtkirche, die um 1220 als Chorquadrat mit Apsis erbaut wurde zu Ehren der Mutter Gottes. Erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde jene durch einen wesentlich größeren Chorraum im gotischen Stil ersetzt.

Mit Martin Luthers Reformation vor mehr als 500 Jahren und der daraus resultierenden Revolution in Bildung, Politik und Wirtschaft veränderte jener nicht nur das Glaubensbekenntnis im Christentum, sondern ebenso einen Großteil der fortwährenden Zeit- und Musikgeschichte. Der Tanz wurde an hessischen Höfen zu einem sozialen Medium. Protestant Bach hielt als größter Kirchenmusiker aller Zeiten Einzug in die reformierten Kirchen, auch in Homberg.

Mit großem Applaus und viel Dank für den historisch-musischen Spaziergang an magischer Stätte bedankte sich die Zuhörerschaft bei den Künstlern. Ausdrücklich mit eingeschlossen wurden ein letztes Mal in diesem Jahr die Kulturschaffenden von Ohm Sweet Ohm. »Das war einmalig schön - vielen lieben Dank für all eure Mühen«, brachte eine Dame beim Verlassen der Kirche ihre Anerkennung beim OSO-Team zum Ausdruck.



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