28. Dezember 2020, 21:57 Uhr

Motoröl auf unsicherer Fahrt

28. Dezember 2020, 21:57 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Mangelhaft gesichert ist diese Ladung mit Motoröl auf einem Anhänger. FOTO: PM

Dieser Tage stellte eine Streife der Autobahnpolizei auf der A 5 zwischen Homberg und Alsfeld einen Sattelzug mit Planenaufbau fest, der sich während der Fahrt deutlich erkennbar nach rechts neigte und sich zudem in einem augenscheinlich schlechten technischen Zustand befand. Die Ursache des Schrägstandes wurde bei einer Kontrolle auf dem Parkplatz Krachgarten bei Gemünden schnell gefunden.

Bereits beim Herantreten an die Fahrzeugkombination war den Beamten aufgefallen, dass auf der rechten Seite des Anhängers ein deutlich zu kleines Rad montiert war. Nach Öffnung der seitlichen Schiebeplanen des Aufliegers bot sich den Beamten ein erschreckendes Bild.

Ladung schlecht gesichert

Die Ladung bestand aus etwa 22 000 Litern Motoröl in unterschiedlichen Gebinden, die nach Serbien befördert werden sollten. Aufgrund der Beladeart, der Ladungssicherung und des technischen Zustandes der Aufbauten erschien es nahezu unmöglich, dass dieser Transport sein Ziel jemals erreicht hätte.

Ein größerer Teil der Ladung war wegen mangelhafter Sicherung auf dem Anhänger bereits verrutscht und hatte damit die Schieflage des Sattelzuges zumindest mitverursacht. Das Motoröl befand sich überwiegend in Metallfässern, die auf mehreren Einweg-Paletten standen und unsachgemäß mit einer Folie umwickelt waren. Die restlichen Schmierstoffe waren in Kunststofftanks mit Rohrrahmen und in Kunststoffkanistern abgefüllt, die in Pappkartons verpackt waren. Alle diese Ölbehälter waren nicht ordentlich gesichert. Der in die Jahre gekommene Auflieger war an mehreren Stellen beschädigt, verbogen und stark verrostet. Verschärfend wirkte sich die Beladeart aus. Die zur Ladungssicherung verwendeten Spanngurte waren fast vollständig beschädigt und damit nicht mehr einsatzfähig.

Schon bei einem plötzlichen Ausweichmanöver oder bei einer Vollbremsung des Sattelzuges hätte es zum Ladungsverlust kommen können. Bei der beförderten Ladung, handelsübliches Motoröl, handelte es sich zunächst nicht um Gefahrgut.

Konfrontiert mit der Gefährlichkeit seines Handelns, zeigte sich der 41-jährige Fahrer des Gespanns aus Serbien unbeeindruckt. Für ihn waren »Ladung und Technik ok«. Den rechts am Sattelauflieger auf der mittleren Achse montierten, völlig unterdimensionierten und überalterten Reifen, erklärte der Fahrer damit, dass er bewusst auf die Montage des Ersatzreifens verzichtet hätte, da dieser ja völlig abgefahren und verkehrsunsicher gewesen sei.

Bußgeldverfahren eingeleitet

Der Transportunternehmer habe ihm keinen vernünftigen Ersatzreifen für den Anhänger bereitgestellt. Das montierte Rad sei an sich zwar für die Sattelzugmaschine bestimmt gewesen, passe aber doch auch gut auf den Anhänger. Schließlich schleife die Felge nicht einmal am Bremssattel. Die Weiterfahrt wurde untersagt, eine vollständige Entladung und eine technische Instandsetzung angeordnet.

Gegen den Fahrer wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Gegen den Halter aus Serbien wurde darüber hinaus bei der Bußgeldstelle in Kassel ein Verfahren zur Vermögensabschöpfung durch Bußgeldanpassung angeregt.

Gegen den Transportunternehmer kann ein Bußgeld von bis zu 3500 Euro verhängt werden. Die Kosten für die Umladung und das Ersatzfahrzeug sind darin noch nicht enthalten.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos