08. Dezember 2011, 16:53 Uhr

Im dunklen Kämmerlein auch Kinderpornos angeschaut

Alsfeld/Mücke (jol). Erst klickte er nur zum Entspannen im Internet herum, dann suchte er Pornos sowie sexuelle Darstellungen von Kindern zusammen. Nun wurde ein Mücker zu sechs Monaten mit Bewährung verurteilt.
08. Dezember 2011, 16:53 Uhr

Alsfeld/Mücke (jol). Eigentlich hat er »nur so im Internet herumgeklickt«, kam erst auf Sexseiten, von dort aus auf Anbieter von kinderpornografischen Filmen. Nun wurde der Mann aus Mücke zu sechs Monaten Bewährungsstrafe und einer sexualtherapeutischen Therapie verurteilt. Die Richterin am Amtsgericht Alsfeld ahndete damit den Besitz von acht Bilder und 28 Filmen auf einer Computer-Festplatte und einem Laptop, die den Missbrauch teilweise nur siebenjähriger Kinder zeigen. »Es tut mir wahnsinnig leid«, meinte der Angeklagte zerknirscht, er wisse nicht, weshalb er in so große Tiefen gesunken sei. Die Richterin arbeitete im Gespräch mit ihm heraus, dass er im Alltag moralisch und zuverlässig handelt, aber des nachts seine dunklen Seiten offenbart, wenn er sich unbeobachtet fühlt.

Auf die Schliche gekommen waren dem Mücker Computerfreund Fahnder des Bundeskriminalamts. Bei einer Razzia im März diesen Jahres hatten sie den Computer und die externe Festplatte beschlagnahmt und neben anderen Pornos die Bilder wie auch Filme mit Kindern gefunden. Die Dateien sind in vielen Nachtsitzungen am heimischen PC zusammengekommen, so der Angeklagte.

Er habe lange Arbeitszeiten von bis zu
14 Stunden absolviert und zum Abschalten habe er sich an den Computer zurückgezogen. Dabei habe er erst normale Sexseiten besucht, später reizte es ihn, herauszufinden, »welche Möglichkeiten habe ich, an illegale Filme zu kommen«. Er hat es geschafft, kann aber nicht so recht erklären, was ihn daran gereizt hat. Auf die Nachfrage der Richterin, ob ihn die Darstellung von Kindern erregt hat, meinte er nach längerem Zögern »Nein«. Auf Nachhaken der Richterin, die ihn darauf hinwies, dass er dafür aber ziemlich viele einschlägige Dateien auf den PC geladen hat, meinte er, es könne schon sein, dass es ihn etwas erregt hat. »Ich habe die ganze Sache weggeschoben«. Inzwischen finde er das Ganze »nur noch ekelhaft«. Er könne es heute nicht fassen, dass er so etwas getan hat. Er habe sich in den vergangenen Monaten selbst beobachtet, wie er auf Kinder und Frauen auf der Straße reagiert – »da ist nichts«.

Die Richterin meinte, das sei typisch für Pädophile. Im Tageslicht kämen solche Neigungen nicht hoch, »da hüllen wir uns in den Mantel der Zivilisation«. Aber nachts im stillen Kämmerlein kämen die dunklen Seiten hervor. Der Staatsanwalt forderte sechs Monate Haft mit Bewährung. Er glaube dem Angeklagten nicht so recht, dass er die Taten so vehement ablehnt. Immerhin war es eine ganze Reihe an Dateien, die Beweislage sei erdrückend. Die Bewährungsstrafe biete die Chance, einen speziell geschulten Bewährungshelfer für eine enge Überwachung einzusetzen. Die Verteidigerin bat um eine milde Bestrafung, damit der Angeklagte nicht den Arbeitsplatz verliert. Sie befürwortete die Kontrolle durch den Bewährungshelfer, weil ihr Mandant »wohl einen solchen Druck braucht«.

Dieser Einschätzung schloss sich die Richterin in der Urteilsbegründung an. Die Haftstrafe von sechs Monaten wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In dieser Zeit wird der Mann im Rahmen des Sicherheitsmanagements von einem extra geschulten Bewährungshelfer regelmäßig betreut. Zudem muss er eine Sexualtherapie machen und 2000 E Geldstrafe zahlen. Es sei typisch für Männer mit pädophilen Neigungen, dass sie an der Oberfläche unauffällig sind.

Der Angeklagte müsse die Abspaltung überwinden und tiefer in sich blicken, um sich die dunkle Seite bewusst zu machen. Das habe sich in ähnlichen Fällen bewährt. Einen ersten Schritt hat der Mücker getan: Er hat privat keinen Internetzugang mehr, um nicht in Versuchung zu kommen.



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