09. Juli 2021, 21:15 Uhr

Nordfrost mindert Beleuchtung

Es ist ein Leuchtturmprojekt in doppeltem Sinne: Die Ansiedlung der Firma Nordfrost hat Arbeitsplätze geschaffen, und das mächtige Gebäude ist schon vom Weitem zu sehen. Und auch nachts konnte man den riesigen Komplex lokalisieren, weil die Beleuchtung stark nach oben abstrahlte. Aber das war einmal - Kommunalpolitiker haben den Sinn hinterfragt, und die Firma hat prompt reagiert.
09. Juli 2021, 21:15 Uhr
schwickert_rs
Von Rolf Schwickert
Die Firma Nordfrost ist bemüht, die grelle Beleuchtung auf ein Mindestmaß zu begrenzen. FOTO: KS

Die Grünen in der Gemeindevertreteung Mücke haben schweres Geschütz aufgefahren. Auf der Basis des Bundesbaugesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes sollte der Gemeindevorstand eine Vereinbarung mit der Firma Nordfrost treffen, um auf die »Einhaltung der generellen Vermeidungs- und Minimierungspflicht von schädlichen Auswirkungen von Lichtimmissionen auf Vegetation, Habitate, Individuen« hinzuwirken. Denn künstliches Licht soll nur dort eingesetzte werden, wo es begründet notwendig ist, zum Beispiel zur Sicherung eines Arbeitsplatzes oder zur Vorbeugung vor Gefahren. Künstliches Licht dürfe nur dorthin strahlen, wo es unbedingt nötig sei. Zur Vermeidung ungerichteter Abstrahlung seien vollabgeschirmte Leuchten einzusetzen.

Vor dem Hintergrund dieser Aufzählung aus Gesetzestexten hatte Bürgermeister Andreas Sommer geprüft, inwieweit denn beim Bebauungsplan Vorgaben zur Beleuchtung gemacht wurden. Das sei nicht der Fall. Die Firma habe aber gleichwohl zugesagt, den kritisierten Sachverhalt zeitnah zu prüfen, und in einer Ausschussitzung waren dieser Tage zwei Vertreter von Nordfrost anwesend.

Niederlassungsleiter Andreas Behne berichtete, die Anlage sei seit November 2020 in Betrieb, Die Außenbeleuchtung diene der Feuerwehrumfahrt und für Arbeitsbetrieb im Hof, Ausgerichtet sei sie darauf, die Sicherheit des Verkehrs auf dem Gelände in der Dunkelheit zu gewährleisten. Behne räumte ein, von dem Firmengelände gehe nachts eine deutliche Lichtemission aus, die insbesondere bei starken Wolkendecken weithin im Vogelsbergkreis zu sehen sei. »Wir nehmen das sehr ernst und möchten signalisieren, im Sinne einer guten Nachbarschaft, dass wir die Beleuchtung auf das mindeste erforderliche Maß mindern. Das bedeutet auch Energieersparnis.«

Nach Angaben des Niederlassungsleiters wurde mittlerweile die Neigung der Spots verändert. Jetzt werde der Lichtkegel deutlich eingeschränkt. Wünschenswert sei nun eine Rückmeldung derjenigen, die Anstoß an der seitherigen Beleuchtungsform genommen hätten. Gegebenenfalls könne man später noch einzelne Spots abschalten.

Abstrahlung nach oben ist gemindert

Bürgermeister Sommer stellte fest, dass man inzwischen schon eine deutliche Besserung wahrnehmen kann, die Abstrahlung nach oben sei deutlich gemindert worden. Man solle aber objektiv einmal messen. Denn sein Eindruck sei subjektiv und resultiere aus dem Vorbeifahren. Gemeindevertretungsvorsitzender Dr. Hans Heuser fragte nach, wo der Strom herkommt und inwieweit das Licht aus Sicherheitsgründen nötig ist. Nach Angaben von Behne wird der Strom selbst mit Erdgas erzeugt, die Niederlassung sei da autark. Was die Sicherheit betreffe, so gehe es weniger um Einbruch oder Vandalismus, sondern um die Sicherheit der Ladevorgänge.

Sascha Gockenbach, Technischer Leiter in der Niederlassung, wies darauf hin, dass man bei der Beleuchtung die »allermodernste LED-Technik« habe, es sei das derzeit energieeffizienteste und mit den Straßenlampen in Mücke vergleichbar.

Niederlassungsleiter Behne ergänzte, derzeit werde geprüft, ob man mit der Lichtanlage mehr machen könne als nur aus- und einschalten. Dabei gehe es um das Abschalten einzelner Lampen, ohne dass die nötige Helligkeit für den Arbeitsablauf unterschritten werden dürfe.

Nach diesen Informationen resümierte Bürgermeister Sommer, er halte es für problematisch, dem Vorschlag in dem Grünenantrag zu folgen, mit der Firma eine Vereinbarung zu treffen. Denn der Bau sei ohne Auflagen genehmigt worden, »und man kann sich als Kommune nicht über die Genehmigungsbehörde stellen«, betonte er. Bei einer Enthaltung wurde einstimmig festgestellt, dass der Antrag abgearbeitet wurde.

Ob das auch die Grünen so sehen, blieb offen, sie waren an diesem Abend im Ausschuss nicht vertreten.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos