17. Februar 2021, 22:02 Uhr

Pessimismus macht sich breit

17. Februar 2021, 22:02 Uhr
An leere Tische und Stühle vor einer Gaststätte hat man sich bereits gewöhnt. FOTO: DPA

»Für viele Unternehmen im Kreis Gießen, in der Wetterau und im Vogelsberg ist die Lage ernst«, schreibt die Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg. Laut der jüngsten Konjunkturumfrage erwarten demnach knapp vier von zehn Betrieben schlechtere Geschäfte. Von einer aktuell guten Lage berichten rund ein Viertel.

Seit über zehn Jahren sei die wirtschaftliche Lage nicht so schwach gewesen, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Leder die Ergebnisse der Umfrage, an der sich von Mitte Dezember bis Mitte Januar 375 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den drei mittelhessischen Landkreisen beteiligten. Viele Unternehmen hätten immense Probleme. Wenn sich dieser Trend nicht bald umkehre, werde es zu einer Reihe von Insolvenzen kommen.

Der regionale Konjunktur- klimaindex - er bildet Lagebeurteilung und Erwartungen ab - stürzte zum Jahresbeginn auf einen Wert von 87,3 ab. Damit erreichte der Index einen Negativrekord nach seinem absoluten Tiefpunkt im Frühjahr 2009. Damals lag er bei 71,6 Punkten. Auch im Vergleich zum Vorjahr ist ein deutlicher Einbruch zu verzeichnen. Anfang 2020 betrug der regionale Konjunkturklimaindex noch 107,9.

Lage in Gaststätten besonders schwierig

Besonders dramatisch ist die Situation in den Gaststätten. Fast alle Befragten berichten von Liquiditätsengpässen, jeder vierte Befragte gab an, vor einer drohenden Insolvenz zu stehen. Finanzielle Mittel für notwendige Einkäufe, um Betriebe nach einer Öffnung wieder ins Laufen zu bringen, fehlten. Hinzu komme, dass durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht eine Bugwelle zu befürchten sei, die schließlich zu vielen Geschäftsschließungen führen wird. Der Lockdown belaste diese Betriebe immens. »Bei der Auszahlung der Hilfen hapert es«, kritisiert Matthias Leder. Einzelhändler seien ebenfalls frustriert. Mehr als jeder zweite (53 Prozent) geht von einem künftigen Negativverlauf seiner Geschäfte aus, die Zahl der Beschäftigten dürfte fallen (31 Prozent), Investitionen ebenfalls (52 Prozent). Etwas aufgehellt ist die Stimmung in der Industrie außerhalb von Automobil. Viele Unternehmen haben sich auf die Produktion unter Corona-Bedingungen eingestellt. Sieben von zehn bewerten die Lage als gut oder befriedigend.

Ein anderes Bild zeichnet sich unter den Zulieferern ab. In manchen regionalen Betrieben sind die Einbrüche aufgrund einer ausbleibenden Nachfrage, beispielsweise nach Produkten für Verbrennermotoren, gravierend, und eine Umstellung auf andere Produkte kann nur mittelfristig erfolgen.

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