27. September 2021, 21:15 Uhr

Rückblick auf Arbeit im Impfzentrum

Es ist ein ernüchterndes Bild, das sich in der Alsfelder Hessenhalle bietet. Zwei Leute stehen an der Anmeldung, drei sitzen im Wartebereich, vor den Impfkabinen ist niemand zu sehen. »Alles sehr überschaubar«, sagt Dr. Erich Wranze-Bielefeld, der auf »sein« Impfzentrum herunterschaut.
27. September 2021, 21:15 Uhr
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Aus der Redaktion
Das Impfzentrum in der Alsfelder Hessenhalle: Am Mittwoch soll hier zum letzten Mal geimpft werden, zuletzt kamen nur noch sehr wenige Menschen, um sich gegen das Coronavirus schützen zu lassen. FOTO: JOL

Im Blick von Wranze-Bielefeld liegt Wehmut - zum einen, weil die Tage des Impfzentrums gezählt sind, zum anderen, weil wieder nur ganz wenige den Weg in die Hessenhalle finden, um sich die Schutzimpfung gegen das Coronavirus abzuholen.

Das war einmal ganz anders. Es gab Phasen, in denen der Impfstoff knapp war. Jeder »Priorisierte« wurde neidisch beäugt, weil er die Spritze bekam. Es gab Phasen, da war richtig etwas los in der Halle, die Menschen saßen Schlange vor den Impfkabinen, Tag für Tag wurden mehrere Hundert Spitzen verimpft. Und es gibt seit Juli die Phase, in der die Impfbereitschaft merklich zurückgeht, obwohl ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht.

Erich Wranze-Bielefeld hat diese Phasen miterlebt. Als ärztlicher Leiter hat er mit seinem Team die größte Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik im Vogelsberg umgesetzt. »Es war eine außergewöhnliche Situation und es war eine außergewöhnliche Zeit«, erinnert er sich.

Von einer »noch nie dagewesenen Marathonaufgabe« hatte Landrat Manfred Görig bereits am Jahresanfang gesprochen. Wobei: Der Ablauf im Zentrum klappte wie am Schnürchen. Es waren die frustrierenden Wochen des Wartens, die an den Nerven zehrten. Erst dauerte es mehr als zwei Monate, bis überhaupt geöffnet werden durfte, dann fehlte der Impfstoff.

Bereits am 10. Dezember des vergangenen Jahres ist die Hessenhalle fix und fertig hergerichtet. Doch die Türen bleiben verschlossen. Mehr als zwei Monate lang. Das Land erlaubt zunächst nur den Betrieb von sechs regionalen Zentren, alle anderen dürfen erst am 9. Februar öffnen.

Das Team der Hessenhalle indes ist nicht untätig, wartet gespannt auf die erste Impfstoff-Lieferung. Ein Sprinter, kein Lastwagen, fährt am zweiten Weihnachtstag vor die Halle und bringt die ersten Dosen des begehrten Impfstoffs. »Es war lächerlich, es war so wenig«, erinnert sich Dr. Erich Wranze-Bielefeld. »Ein Karton, etwa 50 mal 50 Zentimeter groß, mehr wurde nicht ausgeladen. Und darin - umgeben von Trockeneis - ein kleines Häufchen Vakzin.« Auf der anderen Seite: Es war auch ein beeindruckender Moment, erstmals die Glasfläschchen zu sehen. »Das ist das Zeug, das uns retten wird«, so der spontane Gedanke von Waldemar Kuhn, im Impfzentrum in der EDV tätig.

Einen Tag später werden die ersten Vogelsberger geimpft. Im Altenheim. Mobile Teams fahren in den folgenden Wochen in die Pflegeeinrichtungen, um die alten Menschen und die Pflegekräfte zu impfen. Gleichzeitig laufen im Impfzentrum die ersten Sonderimpfungen - beispielsweise für ärztliches Personal und Pflegekräfte aus den Krankenhäusern oder für Mitarbeiter des Rettungsdienstes - an. Man hat Zeit, die Abläufe durchzuspielen und zu optimieren.

Es dauert bis zum 9. Februar, dann öffnen sich die Türen der Hessenhalle. Endlich kann geimpft werden - wenn auch nur in überschaubarer Menge. Der Impfstoff fehlt.

Jeden Monat wird mehr versprochen, jeden Monat gibt es Ankündigungen, dass die Zuteilung aufgestockt wird. »Im April haben wir extra noch einmal das Personal aufgestockt, um das Zentrum unter Volllast laufen zu lassen«, sagt Dr. Wranze-Bielefeld. Doch die von Berlin versprochenen Impfstoffmengen treffen nicht ein. Die 1000 Impfungen, für die das Zentrum ausgelegt sein musste, werden nie erreicht. »Wir hätten im normalen Tagesablauf sogar 1200 Menschen impfen können, wenn wir die Öffnungszeit ein wenig ausgeweitet hätten, sogar 1500 an nur einem Tag«, so Wranze-Bielefeld. Im späten Frühjahr läuft es besser, es gibt mehr Impfstoff, die Priorisierung wird peu à peu aufgehoben, im Impfzentrum ist Betrieb. Der 13. Juni ist der Rekord-Tag mit 844 Impfungen.

»Wir hatten an den entscheidenden Positionen Mitarbeiter, auf die man sich 100-prozentig verlassen konnte«, ergänzt Wranze-Bielefeld.

Das Team des Impfzentrums bot zuletzt eine Reihe von Sonderterminen an, die gut angenommen wurden. Zuletzt gibt es Termine in der Fläche, sogar auf dem Fealler Bauernmarkt wird geimpft.

In der Hessenhalle indes ist kaum noch etwas los. Etwa 100 Impfungen werden dort noch durchgeführt. Die Stimmung ist gedrückt, man hat den Rückbau schon fest im Blick. Bis 15. Oktober muss alles erledigt sein



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