Vogelsbergkreis

Sänger hoffen weiter

Am Wochenende feiert der Männergesangverein (MGV) seinen 100. Geburtstag mit einer Feierstunde und einem Festgottesdienst. Aus diesem Anlass ein Blick in die Chronik. Über die Gründung sind keine schriftlichen Unterlagen mehr vorhanden. Als Gründungsjahr gilt 1921. Laut Aussagen bestanden schon vor 1921 ein Männer- sowie ein gemischter Chor, die sich nach einiger Zeit wieder auflösten.
14. Oktober 2021, 21:18 Uhr
Jutta Schuett-Frank
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Am Wochenende begeht der Männergesangverein 1921 Bobenhausen seinen 100. Geburtstag, im Bild ein Großteil der Sänger. FOTO: SF

Am Wochenende feiert der Männergesangverein (MGV) seinen 100. Geburtstag mit einer Feierstunde und einem Festgottesdienst. Aus diesem Anlass ein Blick in die Chronik. Über die Gründung sind keine schriftlichen Unterlagen mehr vorhanden. Als Gründungsjahr gilt 1921. Laut Aussagen bestanden schon vor 1921 ein Männer- sowie ein gemischter Chor, die sich nach einiger Zeit wieder auflösten.

Bereits 1925 hatte der Männerchor eine Satzung erstellt. Jedes Mitglied musste, als Eintrittsgeld eine Reichsmark sowie monatlich einen Beitrag von 20 Reichspfennigen zahlen. Ferner verpflichtete sich jedes Mitglied, die zweimal wöchentlich angesetzten Singstunden von 20 bis 22 Uhr in der alten Schule pünktlich und regelmäßig zu besuchen. Die Schule wird noch heute als Übungslokal genutzt. Der Chor bestand damals aus 30 Sängern und beteiligte sich schon damals regelmäßig an den Wertungssingen des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes.

Beim groß ausgerichteten Sängerfest 1929 wurde auch die Fahnenweihe vollzogen. Fortan brachte der Chor seine Darbietungen zu den verschiedensten Anlässen. So erstand man 1930 das erste Klavier und Wilhelm Daupert übernahm 1933 den Stab des Dirigenten. Es musste im Gemeindewald Brennholz gesteigert werden, um den Übungsraum in der alten Schule erst einmal zu heizen.

Dort fanden auch die Proben für die an Weihnachten aufgeführten Theaterstücke statt. Wegen des Krieges wurden im Februar 1937 die letzten schriftlichen Eintragungen in das Vereinsbuch getätigt. Die Vereinstätigkeit kam über zehn Jahre völlig zum Erliegen. 1948 erfolgte die Neugründung mit 38 Sängern nach Genehmigung der damaligen Militärregierung.

Unter Dirigent Wilhelm Daupert, sang der Chor Ostern 1951 zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit. 1953 fand die feierliche Einweihung des Gemeindesaales statt, der dem Chor für seine Veranstaltungen zur Verfügung stand.

1963 übernahm der erst 20- jährige Otto Peter aus Groß-Eichen die musikalische Leitung. Da das alte Klavier inzwischen unbrauchbar war, musste der Verein 1964 ein gut erhaltenes Klavier anschaffen, das bisweilen auch heute noch genutzt wird. Otto Peter ist noch heute der Chorleiter und blickte 2020 auf eine 57-jährige Dirigententätigkeit zurück.

Mit einem großen Volksfest feierte man 1971 das 50-jährige Bestehen. Erstmals wurde eine Frau in den Vorstand gewählt. Das war aus heutiger Betrachtung ein guter Schachzug, denn Ursula Fassbach war bis zu ihrem Ausscheiden 1994 jahrelang eine unverzichtbare Hilfe in vielen Funktionen.

Eine Anregung 1974 einige sangesfreudige Damen im Chor zu integrieren, wurde von den Aktiven strikt abgelehnt. Schon zu dieser Zeit ließ der Zuspruch an Sängern allmählich nach.

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens zeigte sich der Chor in einheitlicher Vereinskleidung. Weitere wichtige Abschnitte waren in den folgenden Jahren die Restaurierung der Vereinsfahne und das Abhalten von Liederabenden.

1990 wurde der Übungsaal von den Sängern in Eigenleistung renoviert. Die weitere Renovierung erfolgte 1994 ebenfalls in Eigenleistung. 1990 baute der MGV mit dem Gesangverein Sömmerda aus Thüringen, einem ehemaligen Werkschor, eine freundschaftliche Beziehung auf. Auch das 75-jährige Bestehen wurde gebührend gefeiert.

Es wurden in der Folgezeit Kritiksingen und die anstehenden Jubiläen bei den Nachbarvereinen wahrgenommen und Ausflugsfahrten organisiert. Ein herausragendes Ereignis war 2003 ein Liederabend des MGV zur Ehren von Otto Peter. Der Liederabend aus Anlass des 90-jährigen Bestehens wurde gebührend begangen. Wie sieht es für die Zukunft aus? Die allgemeinen Vorzeichen seien in der heutigen Zeit eher negativ als positiv zu bewerten, »denn die vielfältigen Freizeitbetätigungen stehen höher im allgemeinen Interesse als der Chorgesang«. Bisher gab es trotz ständiger abnehmender Sängerzahl und einhergehender Überalterung immer noch eine feste und singfähige Struktur im Verein, um die alljährlichen Anforderungen abwickeln zu können.

Doch alle Bestrebungen, auch Nachwuchs zu generieren, waren nicht von Erfolg gekrönt »und bleibt für unseren Verein eine überlebenswichtige Aufgabe«. Die Situation der nicht ausreichend zu besetzenden Bass- und Tenorstimmen, habe leider dazu geführt, dass vermehrt die Kritiksingen nicht mehr besucht werden konnten.

Der MGV hat in der Folge auch gemeinsame Singstunden mit den Vereinen in der Nachbarschaft abgehalten, die dem Ziel dienen sollen, nicht nur die Freundschaft zu vertiefen, sondern die auch gegenseitige Unterstützung bei Veranstaltungen und Auftritten zu ermöglichen.

2019 wurde ein Liederabend als Vorprobe für das anstehende große Fest zum 100-jährigen Jubiläum abgehalten. Im Jahr 2020 fanden bedingt durch die Corona-Pandemie keine Veranstaltungen statt. Das Vereinsgeschehen stehe noch bis auf Weiteres still.

Fazit: »Wir können mit der Situation des fehlenden Nachwuchses nicht nur hadern, sondern sollten nach vorne schauen«. Bezogen auf die Festlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen wird der MGV eine Wiederholung der Feste aus früheren Jahren nicht anstreben, sondern einzelne Termine anbieten. Von ehemals 125 Mitgliedern sind 87 noch dabei, darunter sind noch 20 Aktive.

Den Vorstand bilden: 1. Vorsitzender Albert Seim, Stellvertreter Armin Kraft, Schriftführer Dieter Kraft, Rechner Kai Ridder, Beisitzer: Edgar Götz, Reinhold Müller, Matthias Rahn, Manfred Zulauf.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/saenger-hoffen-weiter;art74,757891

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