16. April 2021, 21:35 Uhr

»Sicherer als auf der Baustelle«

Nach einem positiven Coronafall sahen sich die Veranstalter des aktuell laufenden Klimacamps am Dannenröder Wald der Kritik ausgesetzt. Halb so wild, sagen sie, und verweisen auf ein umfangreiches Sicherheitskonzept. Das Camp endet an diesem Wochenende. Der Kampf der Klimaaktivisten soll aber weitergehen.
16. April 2021, 21:35 Uhr
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Von Joachim Legatis
Teilnehmer beim aktuell noch laufenden Klimacamp am Dannenröder Wald. FOTO: PM

Sie wollen die großen Fragen zu Klimaschutz und Insektensterben wälzen, sehen sich aber ganz aktuell mit den Herausforderungen der Pandemie konfrontiert. Das gelinge den Organisatoren des noch laufenden Klimacamps in Dannenrod »ganz gut«, hieß es im Pressegespräch vor dem Abschlusswochenende. Vorausgegangen war allerdings ein Coronavirus-Fall. Ein Teilnehmer war dieser Tage nach einem Workshop positiv getestet worden. Er sei danach gleich wieder abgereist und es deute nichts darauf hin, dass er sich im Camp infiziert hat, sagte eine Mitveranstalterin gegenüber dieser Zeitung. »Das mit der Nachverfolgung hat gut geklappt.« Die Workshops seien gut besucht, dabei halte man aber Abstand, treffe sich an der frischen Luft und es herrscht Maskenpflicht, erläuterte Maja Rubisko. Im Klimacamp mit teilweise mehreren Hundert Teilnehmern wird auch eine Teststation unterhalten. Alle Teilnehmer des Camps sind aufgerufen, sich bereits vor der Anreise testen zu lassen oder dies spätestens vor Ort nachzuholen.

Es sei nicht nachvollziehbar, so die Organisatoren, »wenn eine politische Veranstaltung unter Auflagen nicht möglich sein soll, aber das Zusammenarbeiten im Großraumbüro oder in einem Schlachtbetrieb«. Damit spielte Rubisko darauf an, dass die Homberger Stadtverwaltung im Vorfeld erwogen hatte, die Veranstaltung nicht zuzulassen.

Die Stadt hatte an die Verantwortlichen appelliert, ob sie auch angesichts der hohen Inzidenzzahlen im Vogelsberg das Camp nicht freiwillig beenden wollten. Eine Handhabe für einen Abbruch gab es nicht, es wurden keine Verstöße gegen Corona-Vorschriften registriert. Am Donnerstagabend sollte im Plenum beraten werden, dann stand der Entschluss der Klimaaktivisten fest: »Wir machen weiter«.

Die Gruppe der »Anwohner gegen A 49« hatte dagegen ihre für Freitagmorgen geplante Demonstration abgesagt. Barbara Schlemmer vom Aktionsbündnis »Keine A 49« verwies auf die laufenden Autobahn-Bauarbeiten und nannte Zweifel daran, »dass dabei solche Schutzmaßnahmen wie hier eingehalten werden«.

Grüne wollen mehr Druck machen

In den vergangenen Tagen haben gut 400 meist junge Menschen das Klimacamp besucht. Sie übernachten noch bis Sonntag in Zelten, diskutieren und ernähren sich vegan. Es gibt Diskussionsrunden zu Themen wie Mobilität ohne Autos, Neokolonialismus oder Solidarität mit Menschen im globalen Süden.

Die Campbesucher sprechen auch über sogenannte Care-Arbeit, die meist unbezahlte Tätigkeiten im Haushalt wie Kindererziehung, Reinigung oder die Pflege von Angehörigen. Hinzukommen Angebote zur Bewegung wie Klettern.

An diesem Wochenende soll ein Schlusspunkt unter das Klimacamp gesetzt werden. So werde es einen dezentralen Aktionstag geben, wie Mit-Organisatorin Charlee sagte. Zudem wollen Organisationen und Gruppen aus dem Klimaschutz- und Umweltspektrum ausloten, »wie der Einsatz gegen Autobahnprojekte und für mehr Klimaschutz stärker werden kann«. Man wolle zu »David gegen Goliath werden.« Denn der Klimawandel sei in vollem Gange, »wenn wir das jetzt nicht stoppen, dann haben künftige Generationen keine Chance mehr.«

Dabei gehe es auch um Fragen, wie man den Fahrradverkehr stärken kann, was Car- sharing bringt und wie der Öffentliche Nahverkehr gestärkt werden kann. Die Klimaaktivisten setzen darauf, die milliarden-schweren Pläne zum Bau von über 800 Kilometern Autobahn umzuwidmen. Dann gebe es genug Geld, um Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen und auch im ländlichen Raum eine Alternative zum Auto zu haben.

Als Alternative zum Weiterbau der A 49 bieten sich Ortsumgehungen an, das sei deutlich billiger, meint Carsten Nitschke von der Arbeitsgruppe »Danni lebt«. Barbara Schlemmer kündigte an, dass die neue Gruppe der »Wurzelgrünen« bei den Parteifreunden in Wiesbaden Druck für Artenschutz und gegen Autobahnbau machen will.



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