20. September 2021, 21:27 Uhr

Spaß bei »Grimms Märchen off Platt«

20. September 2021, 21:27 Uhr
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Von Hannelore Diegel
»Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land« - Anja Zimmer und Frank Glabian bei der Lesung »Schneewittche ean die siwwe Zwerche«. FOTOS: EVA

Gemünden-Burg-Gemünden (eva). Ein Wolf aus »Rupperteroad« (Ruppertenrod), der zwischen »Grimmich« (Grünberg) und »dm Leahnemer Kreuz ean Flensinge« (dem Lehnheimer Kreuz und Flensungen) umherstreicht und einem kleinen Mädchen mit rotem Käppchen auflauert? Was war da los? Die Lösung: Märchenfiguren der Brüder Grimm aus dem Buch »Grimms Märchen off Platt« von Autor Herbert Loch wurden bei der gleichnamigen Lesung kürzlich im Dorfgemeinschaftshaus i zum Leben erweckt. Darunter war auch das in Herbert Lochs Buch aus »Grimmich« stammende »Ruutkäppche« und seine im Wald lebende »Äller« (Großmutter), die schließlich durch einen »Jäjer« (Jäger) gerettet wurden, der als Soldat bis nach Paris gekommen war und deshalb auch »de Franzusejäjer« genannt wurde.

Eingeladen zu der besonderen und sehr unterhaltsamen Märchenstunde, die Besucher aus Nah und Fern ins Dorfgemeinschaftshaus nach Burg-Gemünden lockte, hatte die Fördergemeinschaft 750 Jahre Burg-Gemünden. »Ean alleweil git’s luus met owerhessisch Platt«, so eröffnete Anja Zimmer, nach ihrer kurzen Erläuterung in Hochdeutsch, dass nicht nur in Friesland, sondern auch im »schönen Oberhessen« die Mundart »Platt« heißt. »Herbert Loch kennt sie alle noch, die alten Ausdrücke, mit denen in Oberhessen verschrobene Charaktere bedacht wurden, und lässt sie einfließen in seine Nacherzählungen der Grimmschen Märchen«, ist in der Buchbeschreibung zu »Grimms Märchen off Platt« zu lesen. Ebenso, dass in seinem Buch die liebenswerten Märchenfiguren »oberhessisch Platt«, die finsteren Gesellen wie der böse Wolf frankfurterisch »babbeln« und böse Menschen, wie beispielsweise die Stiefmutter vom Schneewittchen, »gestochenes Hochdeutsch« sprechen.

Und genau davon konnten sich die Gäste anschließend überzeugen, bei den köstlich im Wechsel von Anja und Stefan Zimmer vorgetragenen Märchen »Schneewittche ean die siwwe Zwerche«, »Ds Ruutkäppche«, oder »De Hoas ean de Iil« (»Der Hase und der Igel«). Begleitet wurden die Märchenerzählungen mit Gesang und Gitarrenmusik von Frank Glabian, der die Pausen mit altbekannten Volksliedern wie »Im schönsten Wiesengrunde« oder auch »Das Lieben bringt groß Freud« füllte und zum Mitsingen animierte.

Ebenso köstlich wie die Märchenlesungen war, natürlich dargebracht in owerhessisch Platt, ein Blick von Herbert Loch in sein Buch »Voo Ääre bis Zwulch - Wai die Aale noch schwassde«, beschrieben als »ein Wörterbuch und mehr, aber einmal anders«.

Er habe den Auftrag und die Ehre, das neue Buch nun in Burg-Gemünden selber vorzustellen, berichtete Loch. Über den Winter und das Frühjahr habe er dieses Wörterbuch »gemacht«, für das er über viele Jahre Wörter gesammelt habe. Entstanden sei nicht so ein Nachschlagbuch, wie man es vom Lexikon her kenne. Nein, er habe mal ein anderes Wörterbuch machen wollen. Eines, in dem es darum geht, die alten Ausdrücke in »owwerhessischem Platt«, die langsam in den Dörfern verschwinden, in Erinnerung zu rufen, sie zu erklären und sowohl im Dialekt als auch in hochdeutscher Übersetzung passende Geschichten dazu zu schreiben, wie es früher so hergegangen sei »bei de Leut« in den Dörfern. Keine Frage, dass es lustig zuging, als Herbert Loch zudem anhand von Begriffen aus seinem Buch erprobte, inwieweit die Gäste des Abends im »Platt schwätze« bewandert waren. Unter anderem kamen natürlich auch die Titelbegriffe »Ääre« und »Zwulch« zur Sprache, wobei auch gleich geklärt wurde, dass ein »Ääre« von dem Wort »Eidam« kommt und ein Schwiegersohn damit gemeint ist und mit »Zwulch« ein kleiner quirliger Junge beschrieben wird.

Auch kamen die Gäste in den Genuss der Geschichte »Besuch voo de Wääs« (Wääs nannte man früher die Großtante, also Schwester von Oma oder Opa), die Herbert Loch, wie es auch im Buch aufgebaut ist, zunächst in Platt und danach zur besseren Verständigung unter dem Titel »Mutters Großtante kommt zu Besuch«, in perfektem Hochdeutsch vorlas.

Lesung mit Autor eine Premiere

Die Lesung in Burg-Gemünden mit Herbert Loch als Autor der Bücher sowie Anja und Stefan Zimmer und Frank Glabian, die sonst seine Bücher bei Lesungen vorstellen, war somit eine gelungene Premiere, von der das Publikum in Burg-Gemünden besonders profitierte. Mit dabei war am Samstag auch die Ehefrau von Herbert Loch, die gemeinsam mit Anja Zimmer die Illustration für das Buch »Voo Ääre bis Zwulch« gemacht hat.

Zum Abschluss hatte Herbert Loch noch eine Aufgabe für die Gäste: »Lest schön in meinem Wörterbuch, und wenn ich wiederkomme, höre ich euch ab.«



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