31. Mai 2021, 21:48 Uhr

Straßenbelag mindert Autoabgase

Die Schellengasse erstrahlt in hellem Grau, das deutet schon darauf hin, dass dies kein gewöhnlicher Straßenbelag ist. Vielmehr wurde bei der Sanierung ein Spezialabstreumittel verwendet, das Stickoxid aus der Luft abscheidet. Nun sind die ersten drei Bauabschnitte wieder frei für den Straßenverkehr.
31. Mai 2021, 21:48 Uhr
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Von Joachim Legatis
Die neue Schellengasse wird durch ein Straßenbau-Pilotprojekt von Hessen Mobil grau: Das helle Granulat auf der Asphaltschicht soll Stickoxid aus der Luft unschädlich machen. FOTO: JOL

Ein wenig Sonnenlicht, mehr braucht die neue Schellengasse nicht, um die Luft zu reinigen. Mit einem neuartigen Granulat auf der Straßenoberfläche sollen zehn bis 15 Prozent der Stickoxide aus der Luft geholt werden. Die Schellengasse in Alsfeld gehört zu den stark belasteten Straßen in Hessen. Ein Großteil des Schadstoffs stammt aus dem Straßenverkehr.

Dem trägt Hessen Mobil Rechnung und hat ein Pilotprojekt bei der Komplettsanierung der Durchgangsstraße umgesetzt. Am Sonntag kam die Feindeckschicht auf die Straße, abgestreut mit einem Granulat, das Titandioxid enthält. »Wir wollen eine saubere Umwelt und eine höhere Lebensqualität erreichen«, sagte Günter Herles von Hessen Mobil beim Ortstermin am Sonntagmorgen. Man habe vorher an der Straße die Stickoxidbelastung der Luft gemessen und will das nach Abschluss der Sanierung überprüfen.

Bernhard Klöppner von der Firma F. C. Nüdling erläuterte das Verfahren. »Das Titandioxid ist ein Katalysator, und das Sonnenlicht spaltet das Stickoxid in Nitrat und Sauerstoff um«, Das Nitrat lagert sich auf der Fahrbahnoberfläche ab und wird mit dem Regenwaser weggespült. Dasselbe geschehe in der Natur, wo Stickoxide ebenfalls durch Sonenlicht aufgespalten werden. »Das geschieht nun wesentlich schneller«, sagte Klöppner.

Teilstrecke ist frei

Das Titandioxid ist vor und nach dem Asphalteinbau fest im Abstreugranulat verbunden. In Deutschland wurde der Spezialbelag bereits bei Straßenbaumaßnahmen in Stuttgart, Darmstadt und Fulda verwendet, und man hat gute Erfahrungen gesammelt.

Noch ein Vorteil des Granulats ist eine Minderung des Straßenlärms, sagte Herles. Mit der Öffnung der Bauabschnitte 1 bis 3 ist die Baumaßnahme noch nicht abgeschlosen. Für Anwohner, Geschäftskunden und den Anliegerverkehr wird der Abschnitt der Schellengasse zwischen Ludwigsplatz und der »Eduard-Becker-Straße« wieder befahrbar. Bis etwa Oktober sollen die letzten beiden Bauabschnitte im unteren Bereich der Ortsdurchfahrt abgearbeitet sein, wie Herles schätzt.

Bürgermeister Stephan Paule freute sich, dass es auf der Baustelle vorangeht. Immerhin ist die Sperrung der Durchgangsstraße eine deutliche Belastung für die Ortsbewohner. Andererseits »muss es gemacht werden, das rechtfertigt die Maßnahme«.

In Hessen gebe es wohl keine andere Stadt dieser Größenordnung, in deren Mitte sich zwei Bundesstraßen treffen. Es sei wichtig, das in absehbarer Zeit zu ändern. Dazu gebe es allerdings noch keine Initiative der Stadtverordnetenversammlung oder des Landes, sagte Paule.

Luftqualität wird weiterhin geprüft

Die Stadt Alsfeld ist in die Erneuerung der Straße insofern eingebunden, als im Zuge der Arbeiten die Leitungen im Untergrund saniert werden. Dadurch erspart man sich das nochmalige Aufreißen der Oberfläche. Die kommunalen Arbeiten betreffen vor allem Kanal und Wasseranschlüsse. Zudem werden Bordsteine und Gehwege erneuert.

Um zu überprüfen, ob der Stickoxidgehalt der Luft an der Schellengasse sinkt, wird die photokatalytische Aktivität nach dem Einbau der Baustoffe über mobile Messeinrichtungen dokumentiert und ausgewertet. Nach der Auswertung der Ergebnisse können dann Festlegungen getroffen werden, inwieweit ein Einsatz bei künftigen Projekten realisierbar wäre.



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