01. Oktober 2021, 21:33 Uhr

Tragende Elemente schweben ein

01. Oktober 2021, 21:33 Uhr
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Aus der Redaktion
Schwerstarbeit in luftiger Höhe, die hohe Sicherheitsvorkehrungen erforderten: Sechs 15 Tonnen schwere Betonbinder werden von der Dachunterkonstruktion des Hallenbaddaches demontiert und per Tieflader abtransportiert. FOTO: PM

Es ist vollbracht: Die Decke des Hallenbades ist demontiert. Drei Tage arbeiteten drei Firmen Hand in Hand an der Großbaustelle in den Erlen, um nach Abtragen der Deckenplatten die Deckenunterkonstruktion aus Betonbindern zurückzubauen. Dies bedeutete: Sechs 15 Tonnen schwere Betonbinder und knapp zwei Dutzend bis zu sieben Tonnen schweren Fassadenplatten unter großen Sicherheitsvorkehrungen freibohren, mit einem speziellen Schwerlastkran sichern und anheben, über das Freibad, die Sauna und das Foyer schwenken, um sie dann auf einen Tieflader abzusetzen, der die Bauelemente nach Herbstein in einen Bauschuttrecyclinghof fährt.

Wochenlang hatte man gewartet, dass der 300-Tonnen-Schwerlastkran kommen und die Demontage bewerkstelligen kann. Durch Materialengpässe an anderen Baustellen, die zu Verzögerungen geführt haben, war der gebuchte Spezialkran gebunden und konnte vorher nicht für den Rückbau des Hallenbaddaches zum Einsatz kommen. Doch nun war es so weit. Die Unterkonstruktion, die notwendig war, um den mobilen Sechsachser stabil aufstellen zu können, war fertig, und der Kran bezog Stellung - gesichert mit zig Tonnen Gegengewicht, um ein Umstürzen des Spezialgerätes zu verhindern.

Unter Leitung der Firma Michel-Bau (Alsfeld) und der Firma Schrimpf Basaltwerke (Neuhof) wurden mithilfe von Mitarbeiter der Bohrfirma Diatop zunächst die ersten Fassadenplatten gelöst und dann die Betonbinder freigebohrt. Diese sind auf Stahlstützen befestigt, die mit Dollen - ähnlich wie Dübel bei Holzkonstruktionen - verbunden und mit Beton ausgegossen sind. Um die Verbindung zu lösen, wurden Kernbohrungen durchgeführt.

Jedes Mal war es wieder von neuem spannend, als die Bohrungen abgeschlossen waren und der Kranführer mit 15 Tonnen Kraft die Binder langsam von den Stützen anhob - weit ausgelagert, was eine zusätzliche Herausforderung bedeutete. Zentimeter um Zentimeter, immer höher, möglichst wenig schwankend, um nicht an das Baugerüst, den Rutschen-Turm oder den Schornstein zu stoßen.

Zunächst im Alsfelder Himmel schwebend, steuerte der Kranfahrer souverän den Tieflader an. Auch dort war es wieder ein Balanceakt, die Binder und Fassendplatten so zu lenken und abzuladen, dass weder Mensch noch Gerät Schaden nahmen. Dank umsichtiger und erfahrener Handwerker und einem guten Zusammenspiel aller Beteiligten gelang dies ohne Zwischenfälle, sodass der Abtransport der Bauelemente, die 1968 die wesentlichen Bestandteile des ersten Hallenbadbaues in Alsfeld waren, auch reibungslos vonstatten gehen konnte.

Es gibt immer wieder Überraschungen

»Die Herausforderung bei dieser Baustelle ist, dass die Konstruktion nicht komplett bekannt ist und man immer wieder auf Überraschungen gefasst sein und vorausschauend handeln muss«, zieht Daniel Eick, leitender Mitarbeiter der Neuhofer Basaltwerke ein Fazit. »Außerdem muss die Logistik passen, und alle Gewerke müssen Hand in Hand arbeiten, auch wenn man sich vorher noch nicht gekannt hat, es muss alles reibungslos und in einem Rutsch durchgehen.« Jede Stunde dieser besonderen Baustellenfahrzeuge ist teuer, sodass sich kein Leerlauf erlaubt werden darf. Dass dieser Austausch der kompletten Dachunterkonstruktion notwendig wurde - was man erst während der begonnen Dachsanierung festgestellt hat - läge an der zu geringen Betonüberdeckung des Bewehrungsstahls bei dem damaligen Bau des Hallenbades. Dadurch sei es zu Abplatzungen und damit verbundenen Korrosionsschäden an den Stahl- und Bewehrungseisen der Stahlbetonteile gekommen, erläutert Lars Ruhl vor Ort, Bauleiter des Büros Schmidt & Strack Architekten Alsfeld, der die Baustelle federführend mit betreut.

Neuer Ringanker

Die Detail- und Auflagerpunkte der Stahlbeton-Binder werden in den nächsten Tagen detailliert untersucht. Je nach Zustand müssen diese gegebenenfalls ausgetauscht oder saniert werden. Anschließend werden Ringanker betoniert, die Zwischenräume zwischen den Bindern geschlossen, um dann wieder Deckenplatten auf die Binder zu legen und zu vergießen. Sei dies bis zum Jahresende erfolgt, beginnt die Ausgestaltung der Konstruktion mit dem Verlegen der Lüftungs- und Elektroleitungen, Beleuchtungen, Installation der abgehängten Akustikdecke, Innenputzarbeiten, Schutzanstriche und vieles mehr.



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