16. September 2022, 21:48 Uhr

Über Stärken des Dorfs beraten

16. September 2022, 21:48 Uhr
GKM

Wie sie sich die Entwicklung von Hombergs Stadtteilen vorstellen, dazu können jetzt alle Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen einbringen. Beim Ersten Forum zum IKEK (Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept) stellten jetzt die Fachplaner das Verfahren und die Beteiligungsmöglichkeiten vor. Gleichzeitig hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, erste Ideen zu Protokoll zu geben.

Etwa 50 Personen begrüßte Bürgermeisterin Simke Ried (CDU) im Dorfgemeinschaftshaus Maulbach. Ihnen erläuterte Stadtplaner Ingo Quaas die Vorgehensweise zur Erarbeitung des Entwicklungskonzepts. Zusammen mit der Kooperative Infrastruktur und Umwelt aus Kassel betreut sein Planungsbüro das Verfahren. Nach einer ersten Phase, in der die Stadt in das IKEK-Programm des Landes Hessen aufgenommen wurde, habe man bereits im vergangenen Jahr mit der Konzepterstellung begonnen.

Um sich ein erstes Bild vom Zustand der Gebäude, der Infrastruktur sowie Natur und Landschaft in und um die einzelnen zur Stadt Homberg gehörenden Dörfer zu machen, hatten die Planerinnen und Planer schon Ortsrundgänge mit den Ortsbeiräten und interessierten Bewohnern gemacht. Mit Planungswerkstätten sollen diese weitere Gelegenheiten bekommen, ihre Ideen zur Dorfentwicklung einzubringen. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung und die Entwicklung eines Leitbilds für die Entwicklung Hombergs im Sinn von Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit werden Themen des nächsten Forums sein.

Ein drittes wird zum Abschluss der Konzeptphase Anfang 2023 durchgeführt. Dann werden Fördergebiete festgelegt und die Stadtverordnetenversammlung beschließt einen Maßnahmenkatalog, für den ein Umsetzungszeitraum bis 2028 vorgesehen ist.

Ortsbild erhalten

Für die Konzepterstellung werde es jedoch nicht um die isolierte Betrachtung der einzelnen Dörfer gehen, sondern um das Herausarbeiten von Schnittstellen und Entwicklungsperspektiven. Sie können gemeinsam mit Nachbarorten angegangen werden, um Homberg insgesamt als Kommune zu stärken. Wie Fachplaner Quaas mehrfach betonte, gehe es beim IKEK um die Binnenentwicklung der einzelnen Dörfer, um die Bausubstanz und die Erhaltung des Ortsbilds.

Die in den Baumärkten überall gleich erhältlichen Baustoffe und -materialien hätten sich in einer Angleichung der Bau- und Sanierungsmaßnahmen ausgewirkt, denen die Besonderheiten des einzelnen Orts oft zum Opfer gefallen seien. Als besondere »Verheerungen im Ortsbild« sprach er die seit den 1970er Jahren vielerorts verbauten Glasbausteine an.

»Dörfer sollen als Dörfer erkennbar bleiben und die Qualität liegt in der Homogenität des Ortsbilds«, lautete das Credo des Stadtplaners. Er betonte, dass die Voraussetzungen für dessen Umsetzung in Homberg sehr gut seien. Die ersten Ortsbegehungen hätten gezeigt, dass es relativ wenig leerstehende Gebäude gebe. Sie zusammen mit den bestehenden Baulücken zu kartieren, bietet den Ausgangspunkt dafür, die Potenziale für die Binnenentwicklung zu benennen und zu erschließen.

Wo Homberg mit Blick auf die ländlichen Ortsteile Schwächen hat und welche Stärken für die weitere Entwicklung gesehen werden, diskutierten die Teilnehmenden anschließend in Arbeitsgruppen. Die Ergebnisse wurden auf Pinnwänden zusammengefasst.

Als Themenbereiche für Handlungsfelder hatten die Planer diese vorgegeben: Städtebauliche Entwicklung und Wohnen, technische Infrastruktur, Energie und Klima, Verkehr, Mobilität und Barrierefreiheit, Kultur, Freizeit, Brauchtum und Engagement, Landschaft, Natur und Tourismus. Unter den weiteren Themen wurden insbesondere Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung und Arbeitsplätzen eingeordnet.

Im Ergebnis füllten sich die Tafeln zur städtebaulichen Entwicklung und der technischen Infrastruktur deutlich schwächer als die übrigen Handlungsbereiche. Dass die Menschen in Homberg, wie in anderen Vogelsberger Kommunen, der Ausbau des Glasfasernetzes besonders beschäftigt, wird nicht verwundern. Bemerkenswert hingegen ist, dass der Stand der Dinge hierbei sowohl als Stärke als auch als Schwäche eingeordnet wurde.

A 49 als Stärke

Zum Bereich der Mobilität fiel ins Auge, wie sehr der Autobahnbau nach wie vor die Gemüter bewegt. Mit einer Karte wurde er als einzige Stärke für Homberg in diesem Bereich eingestuft. Die Liste der Schwächen hingegen erreichte eine beachtliche Länge. Neben Mängeln im ÖPNV wurden fehlende Radwege und der schlechte Zustand von Straßen bemängelt. Mit einer Karte wurde sogar die Ohmtalbahn als fehlende Bahnverbindung thematisiert.

Als Themenbereich von erheblichem Interesse zeigte sich außerdem das Kultur- und Vereinsgeschehen. Während es als Stärke angesehen wurde, welche Schul- und Kinderbetreuungsangebote es gibt und die Bedeutung des Schlosses herausgestellt wurde, wurden einige Aspekte des Vereinslebens kritisch gesehen, beispielsweise das Fehlen eines Jugendtreffpunkts. Auffällig war auch hier, dass ein Thema sowohl als Stärke gesehen wird als auch die Mängel angemerkt wurden.

Offensichtlich wirkt die vorzeitige Schließung des Homberger Freibads vor Saisonende noch nach. Denn einerseits wurde es als Errungenschaft aufgenommen andererseits als Schwäche angemerkt, dass »die Stadt das Schwimmbad vernachlässigt«.

Um zu Verbesserungen im Hinblick auf die dörfliche Entwicklung zu kommen, stellt das Land Hessen über die WI Bank Fördermittel für Maßnahmen der öffentlichen Hand als auch für Privatleute bereit. Wer in einem Fördergebiet eine bauliche Verbesserung »in ortsüblicher Bauweise« vornehmen will, kann mit einem Zuschuss von derzeit 35 Prozent zu seiner Nettoinvestition rechnen, erläuterte Mohammad Reza Marvi vom Amt für Wirtschaft des Vogelsbergkreises. Für öffentliche Maßnahmen beträgt der Zuschuss 65 bis 80 Prozent. Genaue Informationen wird demnächst die Internetseite der Stadt Homberg bieten.



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