01. September 2009, 18:12 Uhr

Von Küssen, Häschen und Tänzerinnen aus Armut

Ulrichstein (au). Am Samstagnachmittag wurde das erste Lesewochenende im »Museum im Vorwerk« durch Jurita Hohmann eröffnet, Anja Lanz erzählte Räubergeschichten und eine »Lesenacht« gab Kindern viele Anregungen.
01. September 2009, 18:12 Uhr
Lesefest in Ulrichstein: Stücke zum Schmunzeln und Lachen las Lilli Kreßner vor.

Ulrichstein (au). Am Samstagnachmittag wurde das erste Lesewochenende im »Museum im Vorwerk« durch Jurita Hohmann eröffnet, Anja Lanz erzählte Räubergeschichten und eine »Lesenacht« gab Kindern viele Anregungen. Weitere Geschichten mit Rainer Kilian, Lilli Kreßner und Liane Jache waren am Sonntag zu erleben. Extra für die Auftaktlesung hatte die Helpershainerin Hohmann einen Gedichtband für Kinder kreiert. Sie führte elf Besucher im Alter von 3 bis 48 Jahren durch ein Jahr mit Gedichten. Es wurde von Frost und Schnee erzählt, nach Schneemann und Kuckuck kam ein Häschen. Eine Katze auf der Suche nach einem Braten wird durch einen Hund gestört - und Engel bezauberten die Zuhörer.

Als nächstes begeisterte Anja Lanz (Lanzenhain) mit ihren Büchern »Meine kleine Welt«, die inzwischen 18 Zuhörer. Nach einer Räubergeschichte, erzählte Anja Lanz, wie der Vogelsberg zu seinem Namen kam. In der Geschichte von Bonifazius ging es um einen Priester, der vor langer Zeit lebte und auch im Vogelsberg gegen den Aberglauben kämpfte. Während der Pausen beschäftigte Heike Erbes die Kinder, indem sie Bilder aus Ägypten zeigte und kommentierte.

Um 20 Uhr ging es dann weiter mit einer »Lesenacht«. Die Helferinnen Andrea Dirlamm, Doris Christof, Tanja Erbes und Heike Erbes begrüßten 15 Teilnehmerinnen aus Ulrichstein, Mücke und Alsfeld. Nachdem die Kinder ihre Schlafplätze eingerichtet hatten, beschnupperten sie sich bei einem Eistee in der Landwirtschaftsschule. Im großen Raum der Bibliothek, begann im Anschluss das Abenteuer: In der Mitte des Raumes wurden Namensschilder ausgelegt. Mit einem Ball wurden dann die Teilnehmer aufgefordert ihren Namen und etwas was man gerne mag zu nennen. Der Begriff musste mit dem ersten Buchstaben des Namens beginnen: Andrea mag Ananas, Doris Datteln und Tanja Tee. Vor dem Abendessen folgte ein Schattenspiel, dann gab es Nudelsalat, Tortellinisalat, heiße Würstchen, Pommes und ein Buffet mit frischem Obst sowie Gemüse, .

Gegen 22 Uhr erfanden die Teilnehmer mit ihren Betreuerinnenn eine gemeinsame Geschichte. In der Mitte des Kreises wurden 19 Gegenstände ausgelegt. Wieder wurde mit dem Ball der nächste Erzähler ausgewählt, der sich einen Gegenstand schnappte und die Geschichte weiterspann unter Verwendung des ausgesuchten Gegenstandes. Es wurde eine seltsame Kreuz- und Quergeschichte mit Prinzessin, Drachen, Turnschuh, Zahnbürste, Maulwurf und anderen Gegenständen.

Nach dieser Geschichte stellte jeder sein Lieblingsbuch vor. So unterschiedlich Museumsbesucher waren, so unterschiedlich waren auch die mitgebrachten Bücher. Emma erzählte uns von den Räuberkindern, Neele fand die Geschichte von den verschlafenen Ferien besonders gut. Emma - Sophie wusste von einem grünen Gespenst zu berichten. Sophie las am liebsten Mädchengeschichten und Melissa stellte eindrucksvoll eine Passage aus dem Buch »Bis(s) ins Morgengrauen« vor. Andere Mädchen hatten Comics, Bibi Blocksberg oder Gespenstergeschichten dabei. Gegen 1 Uhr waren dann auch die größten Bücherfans eingeschlafen. Um halb sechs am Sonntagmorgen waren die ersten wieder wach. Die Zeit bis zum Frühstück, wurde natürlich mit Lesen angefüllt. Nach dem Frühstück wurde in der Ständerhalle noch die Ausstellung Faszination Buch besucht.

Um 11 Uhr ging es weiter mit dem Lesewochenende. Jurita Hohmann bezauberte die Zuhörer mit ihren wunderschönen Gedichten und anschließend entführte Rainer Kilian (Geisenheim) die Zuhörer nach Griechenland. Seine detailgenauen historischen Fakten, die durch Bilder an der Leinwand anschaulich dargestellt wurden, versetzte das faszinierte Publikum zu dem »Orakel von Delphi«, so auch der Buchtitel.

Lilli Kreßner (Alsfeld) brachte anschließend mit ihren Geschichten zu Zuhörer zum Schmunzeln und sogar zum Lachen. Ob Lilli nun von ihrem ersten, aber zugegebenermaßen unfreiwilligen Kuss oder von dem etwas schwierigen Verhältnis zur Oma erzählte, war egal. Die Zuhörer im Alter von 3 bis 70 waren begeistert.

Zum Schluss, brachte die Autorin von »Rosa Basalt«, Liane Jache aus Wohnfeld, die Besucher mit ihren Kurzgeschichten zu einem historischen Thema zum Nachdenken. Seit 2008 befasst sie sich mit der Recherche der »Hurdy-Gurdy-Girls«, einem »wahren« düsteren Thema der Hessischen Geschichte, der Landgängerei im 19. Jahrhundert, die sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem beinahe bodenständigen Hausiererwesen entwickelte. Bald bemerkte man, dass die Anwesenheit singender und tanzender junger Mädchen gute Geschäfte brachte. Bald zogen »Agenten« in die abgelegenen Gegenden des Vogelsberges und der Wetterau, um kinderreichen, armen Familien die Töchter, oft noch Schülerinnen, unter falschen Versprechungen abzukaufen. Die Mädchen wurden nach Amerika transportiert, wo sie, zur »Hurdy-Gurdy«, der Drehleier, tanzend, unweigerlich auf die schiefe Bahn geraten mussten.

Die Besucherzahlen der einzelnen Lesungen schwankten zwischen 9 und 20 Besucher. Während der Lesungen wurde Kaffee und Kuchen angeboten. Da alle Autoren ohne Gage gelesen hatten, konnte das Kinderbetreuungsteam einen Gewinn zu Gunsten der Aktionen verbuchen.



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