16. Dezember 2010, 19:46 Uhr

Kinderporno verbreitet: fünf Monate auf Bewährung

Ulrichstein/Lauterbach (jol). Vielleicht wurde er noch frühzeitig erwischt, vielleicht ist es nur die Spitze des Eisbergs - ein Mittzwanziger aus Ulrichstein hat Kinderpornografie ins Internet gestellt und wurde nun von der Amtsrichterin in Lauterbach zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
16. Dezember 2010, 19:46 Uhr

Ulrichstein/Lauterbach (jol). Vielleicht wurde er noch frühzeitig erwischt, vielleicht ist es nur die Spitze des Eisbergs - ein Mittzwanziger aus Ulrichstein hat Kinderpornografie ins Internet gestellt und wurde nun von der Amtsrichterin in Lauterbach zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der voll geständige junge Mann erhielt allerdings eine eindringliche Warnung mit auf den Weg: »Beim nächsten Mal gehen Sie in Haft«. Er hat vor Kurzem eine Psychotherapie gegen seine sexuellen Neigungen begonnen. Richterin und Staatsanwältin waren bemüht, das Gerichtsverfahren zu dem sensiblen Thema emotionsfrei zu gestalten. Da der Angeklagte voll geständig war, saß man nur eine halbe Stunde beisammen.

Wie die Richterin in der Urteilsbegründung knapp andeutete, ist unklar, wie der junge Mann zu der pädophilen Neigung gekommen ist. Der Sachverhalt wurde auch in der Verhandlung nicht detaillierter dargestellt.

Klarer sind die Taten: Laut Anklage hat der Ulrichsteiner Mitte Februar diesen Jahres an vier Tagen seinen Computer dafür genutzt, kinderpornografische Bilder im File-Sharing-Verfahren anderen Nutzern des Internets zur Verfügung zu stellen. Beim File-Sharing wird der Computer eines privaten Anwenders über Zusatzprogramme für andere Nutzer geöffnet, wie in einem Netzwerk können andere Menschen beliebige Dateien herunterladen.

Im Februar soll der Ulrichsteiner so anderen Menschen Bilder eines vier- bis fünfjährigen Mädchens zugänglich gemacht haben, auf dessen Gesicht ein erwachsener Mann ejakulierte. Kurz darauf durchsuchte die Kriminalpolizei dann die Wohnung des jungen Mannes und beschlagnahmte den Computer. Auf der Festplatte fanden sie 72 Bilder und 13 Filmdateien, die wiederum kleine Mädchen bei sexuellen Handlungen zeigten. Zum Teil seien die Kinder deutlich unter 14 Jahren gewesen, so die Anklage.

»Das ist alles korrekt«, sagte der Angeklagte unumwunden. Er habe sich zügig um eine Therapie bemüht, »um dagegen etwas zu tun«. Vor Kurzem haben die Sitzungen bei einer Therapeutin begonnen.

Er geht davon aus, dass er zwei Jahre lang bei der Spezialistin behandelt wird. Als ihn die Richterin fragte, ob er den beschlagnahmten PC zurück bekommen möchte, wehrte er schnell ab. »Nee, den möchte ich nicht wieder haben«, meinte er spontan. Und weil er die Taten einräumte, brauchten ein Sachverständiger und ein Kripo-Beamter als Zeugen nicht auszusagen.

Die Staatsanwältin forderte eine Gesamtstrafe von fünf Monaten Haft, die auf Bewährung ausgesetzt werden können. Er habe vier Taten zur Verbreitung kinderpornografischer Schriften und einen Fall des Besitzes von solchem Material begangen.

Für die Verbreitung von Kinderpornografie sind Strafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren vorgeschrieben, weil er Ersttäter ist und voll geständig, sei eine niedrige Bewährungsstrafe ausreichend. Sie forderte zudem eine Geldauflage von 750 Euro.

Die Richterin folgte im Strafmaß weitgehend der Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Die fünf Monate Gefängnis könnten zur Bewährung ausgesetzt werden, unter der Bedingung, dass er die begonnene Therapie fortführt. Zudem soll er 500 Euro zahlen. Es sei ihr unklar, wie es bei dem jungen Mann zu den Taten kommen konnte, aber wichtiger sei, die Gesellschaft in Zukunft zu schützen. Sie betonte, dass er bei einer erneuten Straftat unweigerlich in Haft kommt.

Der junge Ulrichsteiner fand die Strafe angemessen. Er nahm das Urteil an.



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