26. November 2020, 06:41 Uhr

Autobahn

Vom Protest im Wald soll etwas bleiben

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schwindet die Hoffnung, dass der Teil des für die Autobahn vorgesehenen Dannenröder Waldes noch zu retten ist.
26. November 2020, 06:41 Uhr
Polizisten sichern am Mittwoch die Arbeiten an der Rodungsschneise im Dannenröder Wald. Die Baumbesetzer wollen nicht aufgeben, sagten Vertreter vor der Presse. FOTOS: DPA/KS

Auch am Mittwoch rollte wieder eine Karawane an Polizeimannschaftsbussen in Richtung Homberg, um die schnell fortschreitenden Rodungsarbeiten im Dannenröder Wald abzusichern.

Das passte zum Eindruck, den die Vertreter des BUND von der Aktivität vor Ort haben: Es gehe darum, das betroffene Waldstück »möglichst schnell platt zu machen«. Dem stellen sich bekanntlich die Baumbesetzer entgegen. Sie verkündeten am Morgen in einer eilig anberaumten Pressekonferenz erneut, sich mit aller Kraft schützend vor die Bäume stellen zu wollen. »Wir hören nicht auf. Soll Al-Wazir doch erst mal zurücktreten,« forderte eine junge Frau.

Leider würden die Proteste der jungen Aktivisten skandalisiert, meinten etwas später die Naturschützer vom BUND. Der eigentliche Skandal sei aber das Handeln der Politiker, die ständig die EU-Klimaziele missachten würden. »Die Zuspitzung und die zunehmende Gewalt erfüllt uns mit großer Sorge. Sie belastet auch die Debatte um den Klimaschutz«, meinte Olaf Bandt, BUND-Bundesvorsitzender. Er forderte einen sofortigen Rodungsstopp im Wald. Dann solle das bisherige Vorgehen bewertet und ein unabhängiger Mediator eingesetzt werden.

Bandt ließ kein gutes Haar an der schwarz-grünen Landesregierung, ein Modell, das auch bundesweit angestrebt werde: »Die Politiker tun in einem maximal polarisierten Konflikt nichts anderes, als die Proteste von der Polizei niederknüppeln zu lassen.«

BUND-Landesvorsitzender Jörg Nitsch sagte, das Bundesverwaltungsgericht habe einen Rechtsfehler in der Baugenehmigung der A 49 festgestellt. Deshalb sei jetzt der Zeitpunkt, diesen Rechtsfehler auszuräumen, »statt die Eskalation der Gewalt weiter laufen zu lassen«. Es müsse ein neues Verfahren geben, um den Planungsfehler hinsichlich der EU-Wasserrahmenrichtliniezu bereinigen.

Ein entsprechendes Gutachten der Autobahn-Planungsgesellschaft Deges reiche nicht. »Das Planergänzungsverfahren muss durchgezogen und die Rodung dafür gestoppt werden,« forderte er.

Wolfgang Dennhöfer, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe, sagte, »durch fahrlässiges Handeln von Polizeikräften und Waldarbeitern« seien wiederholt Menschenleben gefährdet worden. Auch werde immer wieder in unmittelbarer Nähe von Menschen gerodet und der Sicherheitsabstand missachtet. Für alle Beteiligten verursache »die politisch erzwungene Rodung enormen Stress«.

Dennhöfer wurde ganz persönlich, als er sagte, er habe schon mehrfach im »Wald gestanden und geheult.« Es sei völlig unverständlich, dass ein Staat gegen jede wissenschaftliche Vernunft »das Ding hier durchziehen will. Einer der tollsten Wälder in Hessen wird zum Abriss freigegeben.« Es bleibe die Hoffnung, dass die Akteure im Widerstand dabei bleiben, »damit vielleicht trotz des Desasters noch etwas Gutes herauskommen kann.«

Höchst emotional schilderte auch BUND-Jugendvertreterin Lilian ihre Empfindungen. »Der Danni steht symbolisch für die Natur, die wir schützen sollen. Doch was hier an Grausamkeit gegenüber der Natur stattfindet, ist ohne Worte.« Die Teilnehmer der Pressekonferenz kündigten an, es werde »keine Ruhe geben, auch wenn der Wald weg sein sollte.« So könnte die Haltung von Parteien bei den im nächsten Jahr anstehenden Wahlen zu einem Problem werden.

Die BUND-Jugend erkläre sich solidarisch mit den Aktivisten und verurteilte das Vorgehen der Polizei scharf, hieß es weiter.

Die Aktivisten selbst wollen an den Protesten festhalten, auch wenn sich die Lage weiter zuspitze. Um das eigene Leben zu schützen, sei man auch bereit, »Pläne, Aufzeichnungen und Funktionsweisen unserer Strukturen zu veröffentlichen.«

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