14. Oktober 2021, 21:15 Uhr

Von Kuh- und Pferdebauern

Auf dieses Werk ist der Maulbacher Autor Dr. Wolfgang Seim besonders stolz. Über 750 historische Aufnahmen aus dem Homberger Stadtteil hat er zusammengetragen und fast alle der Abgebildeten mit Namen genannt. So legt er mit dem Bildband Maulbach ein Kompendium der alten Maulbacher Familien vor.
14. Oktober 2021, 21:15 Uhr
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Von Joachim Legatis
Bilder aus dem bäuerlichen Arbeitsleben wie dieses bei der Heuernte von einst sind in dem Bildband Maulbach von Dr. Wolfgang Seim zu finden. REPRO: SEIM

Es gibt sicher nur wenige Dörfer in der Umgebung, die so detailliert durchleuchtet worden sind wie Maulbach. Nach einer Reihe Bücher zu Flurnamen, Familien und Gebäuden hat Dr. Wolfgang Seim nun mit dem »Bildband Maulbach« eine eindrucksvolle Übersicht über Menschen und Traditionen erstellt.

Der besondere Reiz liegt darin, dass sehr viele Personen auf den alten Aufnahmen benannt werden. Das ist gerade bei den Klassenfotos der Dorfschule sinnvoll. Aber auch Freunde alten Kulturguts kommen auf ihre Kosten bei Aufnahmen mit Bauern auf dem Pferdegespann oder bei der Waldarbeit.

Bei seiner Namenssuche konnte Seim auf Gespräche mit Zeitzeugen zurückgreifen, die schon beim Erstellen eines Dorfbuchs 1988 geführt wurden. »Da haben wir fast alle Menschen auf den Bildern ermittelt, das ist ein großes Glück.« Die Aufzeichnungen halfen nun auch bei der Verortung von Häusern und Menschen.

Inzwischen ist die Zahl der Zeitzeugen stark zurückgegangen, wie Seim bedauert. Über 750 Fotos sind in dem Buch versammelt, mit denen die Entwicklung des Dorfs ab etwa 1900 sichtbar wird.

»Maulbach war ein Bauerndorf bis in die 1960er Jahre hinein«, sagt Seim. Die allermeisten Bewohner waren Landwirte, dazu kamen Handwerker wie Schmiede. In Bildern aus der 1930er Jahren sind die »Pferdebauern« und die »Kuhbauern« festgehalten, wobei erstere diejenigen mit größeren Betrieben darstellen. Die wohlhabenderen konnten sich Mägde und Knechte leisten.

Das Landwirtschaftliche hat auch Seim geprägt. »Ich musste als Kind in der Landwirtschaft meiner Eltern mitmachen. Das war eine wertvolle Erfahrung, die mich auch heute noch erdet.« Es ist etwas anderes, jeden Quadratmeter eines Feldes von Hand bearbeitet zu haben als den Bereich nur bei einer Wandertour zu erkunden.

Bei den Straßenszenen stellte Seim fest, dass offenbar reisende Fotografen in den Jahren 1912 und 1928 im Ort unterwegs waren. So hat er viele gestochen scharfe Bilder aus jenen Jahren, die Straßen, Plätze und Häuser mit den darin lebenden Familien zeigen. Oft sind dabei Pferde im Hof zu erkennen, als Zeichen des relativen Wohlstands.

Auf einigen Bildern sitzt der Bauer stolz auf der »Chaise«, der Pferdekutsche für die Familie in den 1930er Jahren. »Das war der Mercedes des kleinen Mannes«, umschreibt es der Autor.

Vier Generationen von Frauen

Der Kontakt zu einem Nachfahren von Auswanderern brachte zwei Fotos ein, die um 1900 und 1905 entstanden sind. Das eine zeigt ein Haus in der Obergasse, das andere entstand bei Waldarbeiten. Abgedruckt sind auch historische Postkarten. Andere Bilder halten das Gänsetreiben auf einer Dorfstraße und die Handwerker in der Dorfschmiede fest. »Leider habe ich keine Bilder von anderen Handwerksberufen wie Schreiner, Wagner und Schneider bekommen«, bedauert Seim.

Manche Bilder sind ihm länger im Gedächtnis geblieben, darunter das Foto von vier Generationen Frauen einer Familie aus dem Jahre 1944. Ein anderes Foto gehörte zu einem Brief, den die Eltern Lang an ihren Sohn in einem Kriegsgefangenenlager des 1. Weltkriegs in Cherbourg geschrieben haben.

Wolfgang Seim hat das Buch konzipiert, die Namen der Abgebildeten zusammengetragen und den Satz erledigt. Manche Aufnahmen hat er mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachgeschärft, um Details herauszuarbeiten, die zuvor nicht erkennbar waren. Beim Druck hat der Maulbacher Autor dann besonders auf eine gute Qualität der Bildwiedergabe geachtet.



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