30. Juli 2021, 21:36 Uhr

»Wasserlauf« erst 2022

30. Juli 2021, 21:36 Uhr
Der Vorstand mit Schriftführer Heiko Stock, Vorsitzender Cécile Hahn, Rechner Peter Weiß und stellvertretendem Vorsitzenden Sascha Spielberger (v. l.) vor dem neuen Banner. FOTO: AU

Es war wegen Corona ein anderes Jahr, doch wir waren nicht untätig, meinte Vorsitzende Cécile Hahn zu Beginn der Jahresmitgliederversammlung der Schutzgemeinschaft Vogelsberg. Sie wies zunächst auf die Planung für ein sogenanntes Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM) Rhein-Main hin.

Dadurch sollen die Frankfurter zum sparsameren Umgang mit Wasser und zur vermehrten Nutzung von Brauchwasser angehalten werden. Zudem sollen Wasserwerke im Rhein-Main-Gebiet erhalten und optimiert werden, um den Bedarf auch aus ortsnahen Wasservorkommen zu decken. Der wasserwirtschaftliche Fachplan soll vom Umweltministerium als verbindlicher Erlass an die Behörden gehen, damit er in Genehmigungsverfahren berücksichtigt wird. Der Plan wird derzeit erarbeitet. Er soll nun laut Umweltministerin Ende 2021 vorliegen.

Quellen trocken

Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen wie Vorgabe an Kommunen oder Anpassung der Wasserrechte sollen von 2022 bis 2024 erfolgen. Anfang März ging ein Brief an den Frankfurter Magistrat, in dem den Verantwortlichen hinsichtlich der Wasserpolitik Untätigkeit vorgeworfen sowie direktes Handeln zu den Fernwasser-Liefergebieten gefordert wurde. Parallel ging ein Schreiben an die Frankfurter Grünen zur Aufnahme der Forderungen in den Koalitionsvertrag. Darin stehen zumindest einige Forderungen wie etwa der Einbau von Brauchwassersystemen bei Neubauten oder Aufbereitung von Mainwasser zur Bewässerung von Bäumen und Grünanlagen. Der dritte Trockensommer in Folge habe dazu geführt, dass im Vogelsberg zahlreiche Bäche und Quellen trockengefallen sind. Ein Aufruf zur Gewässer- und Quellbeobachtung an die Mitglieder habe eine große Resonanz gehabt. »Selbst ohne Grundwasserentnahme ist die Situation gravierend«, so Hahn. Der zunächst für Anfang Juli geplante Staffellauf wurde auf kommendes Jahr verschoben. Der »Wasserlauf« soll auf einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource aufmerksam machen. Weitere Informationen unter www.wasserlauf-2022.de.

Die Weiterentwicklung und hessenweite Umsetzung einer umweltschonenden Grundwassergewinnung inklusive Überprüfung der aktuellen Schutzkriterien, das Vorantreiben der Betriebswassernutzung sowie Öffentlichkeitsarbeit vorrangig in den Verbrauchsgebieten stehen ebenfalls auf dem Programm.

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung machte sich ein Teil der anwesenden Mitglieder auf eine Exkursion auf den neu angelegten Wanderweg der Gemeinde Freiensteinau, den »Wasserrebellweg«. In den Bruchwiesen bei Salz wollte die Stadt Frankfurt jährlich rund 140 Millionen Kubikmeter Wasser fördern. Aktuell werden aus dem Vogelsberg insgesamt rund 40 Millionen Kubikmeter in den Ballungsraum geliefert.

Die entsprechenden Grundstücke waren damals bereits im Eigentum der Stadt. Es fehlten nur noch die Wegerechte, um das Wasser über Leitungen abtransportieren zu können. Doch die Stadt Frankfurt hatte nicht mit der Beharrlichkeit des »Rebell vom Vogelsberg«, Heinrich Muth aus Salz, auch »Speckemüller« genannt, gerechnet. Er führte mit der Bundschuhfahne in der Hand die Proteste an. Der Bundschuh war früher das Symbol des Bauernaufstandes und kam bereits 1493 - 1517 im süddeutschen Raum zum Einsatz. Bundschuhe waren die damals üblichen Schnürschuhe der Bauern. Als Zeichen des gemeinsamen Aufbruchs gegen die Grundherren trugen die Fahnen dieses Symbol. Die Bauernkriege wurden zwar verloren aber dem »Speckemüller« gelang es durch die Proteste, dass die »Bruchwiesen bei Salz« als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurden.

Aus diesem Grund ist der von der Gemeinde Freiensteinau geschaffene neue Wanderweg nun »Wasserrebellweg« genannt worden. Auf der Wanderstrecke berichteten Mitglieder über interessante Begebenheiten aus dieser Zeit.

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