19. Januar 2022, 22:03 Uhr

Wege zu einem erfolgreichen Leben

19. Januar 2022, 22:03 Uhr
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Aus der Redaktion
Günther Hoegg beim Vortrag an der Alexander-von-Humboldt-Schule. FOTO: PM

Die Frage, ob man einen Vortrag von Dr. Günther Hoegg verpassen darf, beantwortet Joachim Gerking, stellvertretender Schulleiter und Pädagogischer Leiter der Alexander-von-Humboldt-Schule mit einem »Natürlich nicht«, denn wie Hoegg später ausführen würde, ist ein einfaches »Nein« zu schwach, wenn man eine klare Antwort geben möchte. Das Lauterbacher Gymnasium hatte zum wiederholten Mal mit Hoegg einen Experten in Sachen Lern- und Hirnforschung an die Schule geholt und neben den Lehrkräften auch die Eltern an dessen Erkenntnissen teilhaben lassen.

»Unsere Schule arbeitet intensiv daran, ein lernwirksames Unterrichtsklima herzustellen«, führte Gerking aus, der im Schulleitungsteam für die Unterrichtsentwicklung zuständig ist. »Besonders wirksam können unsere Bestrebungen sein, wenn Eltern und Schule an einem Strang ziehen«, so Gerking.

Hoegg, der von sich selbst sagt, ein schwieriger Schüler gewesen zu sein, versprach nicht weniger als einen tiefen Einblick in die Denkweise von Kindern und Tipps, wie man Kinder trotz ihrer Widerstände zu einem - schulisch und beruflich - erfolgreichen Leben führen kann.

Kinder wollten, so die erste Feststellung, der viele Eltern zustimmen konnten, möglichst viele Freiheiten haben und möglichst wenig arbeiten. Eltern hätten die Aufgabe, dies zu steuern, so Hoeggs Ansatz. Er führte das Marshmallow-Experiment von Walter Mischel an, nach dem Menschen, die bereits als Kinder bereit waren, sich zu disziplinieren und auf ein besseres Ergebnis hinzuarbeiten, auch als Erwachsene im Beruf erfolgreicher waren als diejenigen, die der schnellen Belohnung den Vorzug gaben.

Zeit sei ohnedies für Kinder ein anderer Wert als für Erwachsene. Da sie ihr ganzes Leben noch vor sich haben und jeden Tag viele neue Einflüsse sammeln und verarbeiten müssten, erscheine ihnen - im Gegensatz zu den Erwachsenen - die Zeit ewig: Eine Woche wie ein Monat, ein Monat wie ein Jahr. Eine anstehende Prüfung, eine in einem halben Jahr gefährdete Versetzung erschrecke sie nicht und führe in der Konsequenz zu Last-Minute-Learning, das nicht effektiv sei. »Nur häufige Wiederholung führt zum Erfolg«, so Hoegg, der erklärte, dass sich das über Nacht festige, was man als Letztes vor dem Schlaf getan habe: Lernen sei da deutlich besser als fernsehen oder Computer spielen.

Auch das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern beleuchtete der Experte. Kinder würden ihren Eltern häufig nicht die Wahrheit sagen, wenn es um unangenehme Dinge gehe. Dies sei keine Boshaftigkeit, sondern beruhe darauf, dass sie einfach gemocht werden und ihre Eltern nicht enttäuschen wollten. Grundsätzlich hätten Eltern aber die Aufgabe, aus ihrem Erfahrungsschatz heraus zu beurteilen, was besser für ihre Kinder ist: Lernen mit Musik gehe nicht, Multitasking gehe nicht - hier gehe es darum, klare Führung zu zeigen, damit Kinder wüssten, dass sie nicht zum wiederholten Mal nachfragen brauchen, ob das Gesagte auch wirklich gilt.

Das höre sich streng an, könne aber wirksam sein, wenn das Kind wisse, dass man es mag, dass man sich freut, wenn es heimkommt, dass man es wertschätzt. »Kinder wollen Emotionen spüren«; so eine Erkenntnis Hoeggs, »und sie spiegeln diese Emotionen.« Schlechtgelaunte, gestresste Eltern treffen demnach auch auf schlechtgelaunte, gestresste Kinder. Was außerdem hilfreich sei im Familienalltag, seien Rituale: Ein gemeinsames Essen am Tag biete eine sichere Anlaufstelle und Anlass zum Gespräch.

Dass Kinder ständig versuchten, auszuloten, wie weit sie gehen könnten, sei eine weitere Herausforderung. Sowohl Eltern als auch Lehrkräfte müssten diesen Versuchen klare Ansagen mit einem disziplinarischen Ablauf entgegensetzen. Ständiges Ermahnen ohne Konsequenz sei wirkungslos. Reaktionen und Sanktionen auf Störungen müssten außerdem schnell erfolgen, denn die Wirkung lasse pro Sekunde um fünf Prozent nach. Hoegg: »Eltern ärgern ist nicht das erklärte Tagesziel von Kindern. Nehmen Sie es nicht persönlich.«



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