31. Juli 2009, 19:50 Uhr

Leiche im Wald: Bis heute ist sie namenlos

Wetteraukreis/Rosbach v. d. H. (ihm). Ein Jagdgast stapfte im Frühsommer 1988 durch den Vorderwald bei Rodheim, als ihm ein übler Geruch auffiel. »Das muss ein verendetes Tier sein«, dachte er. Er beschloss, den Revierförster zu informieren, der zwei Waldarbeiter schickte. Zwei Tage darauf, am Nachmittag des 21. Juni, machten die Männer eine furchtbare Entdeckung. Statt des toten Tiers fanden sie eine fast schon skelettierte menschliche Leiche.
31. Juli 2009, 19:50 Uhr
So könnte der namenlose Tote ausgesehen haben.
In gehockter Stellung lag der Körper in einem Wassergraben, der zu diesem Zeitpunkt trocken war, teilweise mit Ästen bedeckt. Die Friedberger Kriminalpolizei war kurze Zeit später am Fundort und nahm die Ermittlungen auf. In einer mehr als vierstündigen Aktion bargen die Beamten zusammen mit einer Spurensicherungsgruppe des Landeskriminalamts aus Wiesbaden und einem Gerichtsmediziner aus Gießen den Toten unbekannten Geschlechts. Aufgrund der geringen Körpergröße, des kleinen Schädels und der Gebissstellung wurde vermutet, dass es sich um eine asiatische Frau handelt. Grund: Diese Art der Gebissstellung kommt verstärkt im asiatischen Raum vor, allerdings auch bei jedem dritten Europäer.

Das Alter wurde auf 25 bis 35 Jahre geschätzt. Die Leiche war unbekleidet, weder Schmuck noch sonstige Gegenstände hatten sich gefunden. Auch die Todesursache war unklar. Es gab weder Schlagverletzungen noch Brüche. Ob die Person gewürgt worden war, konnte aufgrund des Verwesungszustands nicht gesagt werden. Die Stellung hatte sich vermutlich ergeben, weil der Körper in einem Kofferraum transportiert worden war und dabei die Leichenstarre einsetzte.

Spur führt ins Leere

Wer war der Mensch - eine Frau, wie man also dachte -, der ein bis mehrere Monate zuvor nahe dem Waldweg abgelegt worden war, der vom Köpperner Kreuz in Richtung Autobahn führt? Die bundesweite Überprüfung weiblicher Vermisstenfälle brachte kein Resultat. Auch Hinweise aus der Bevölkerung hatten zu keinem Ergebnis geführt. Im September wandte sich die Polizei erneut an die Öffentlichkeit. Gesucht wurde eine Osterspaziergängerin mit Hund. Eine Zeugin hatte sich erinnert, sie habe einige Tage vor den Feiertagen eine dunkelhaarige Frau mit einem jungen Vierbeiner gesehen. Sie war ihr in der Feldgemarkung von Rosbach und später auch in Ober-Rosbach aufgefallen. Die Dame war schätzungsweise 20 bis 23 Jahre alt, 160 bis 163 Zentimeter groß und trug Wanderstiefel. Sie hatte einen verstörten Eindruck gemacht und wollte angeblich mit Bekannten zum Hoherodskopf wandern. Handelte es sich um die unbekannte Tote? Hatte man doch am Ostersonntag nahe vom Fundort einen herrenlosen jungen Schäferhund aufgegriffen. Die Spur führte jedoch ins Leere.

Ende der achtziger Jahre war die Zeit der beginnenden DNA-Analyse. Die Friedberger Ermittler wollten die neue Methode nutzen und schickten Gewebeproben nach Berlin. Ein molekularbiologisches Gutachten wurde erstellt, und eine Überraschung ergab sich: Es handele sich eindeutig um die sterblichen Überreste eines Manns, so das Ergebnis des Gutachtens. Ein Kieler Wissenschaftler fertigte daraufhin eine Gesichtsrekonstruktion an. Doch auch das half nicht weiter - der unbekannte Tote aus dem Vorderwald hat bis heute keinen Namen.

Hohe Aufklärungsquote

Wetteraukreis. Die Aufklärung von Mord, Totschlag und fahrlässiger Tötung ist bei der Friedberger Kriminalpolizei Sache des Kommissariats K 10 für Kapitaldelikte. Im letzten Jahr beispielsweise wies die Statistik der Wetterauer Ordnungshüter zwölf Straftaten gegen das Leben auf, die Hälfte davon war versucht. Die Fahndungserfolge waren auch 2008 sehr groß: Außer einer fahrlässigen Tötung wurden alle Fälle geklärt. Unsere Reihe »Ermittlungsakte Wetterau« befasst sich mit Verbrechen, die sich seit den achtziger Jahren zutrugen und die für großes Aufsehen sorgten. Neben gelösten Fällen stellen wir einige der rund zehn ungeklärten Fälle vor, mit ihnen machen wir den Anfang. Grundlage unserer Serie sind alte Zeitungsartikel und Gespräche mit Erstem Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Leß. Teil 3 dreht sich um einen unbekannten Toten, der 1988 im Vorderwald bei Rodheim gefunden wurde. Nach wie vor ist seine Identität nicht geklärt. (ihm)



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