09. März 2015, 18:03 Uhr

Therme-Sanierung: Gegenwind auch aus der CDU

Bad Nauheim (bk). Die enorme Summe von 15 Millionen Euro soll ausgegeben werden, um eine veraltete Therme zumindest technisch auf den neusten Stand zu bringen. Das schmeckt in der Bad Nauheimer Politik nicht jedem, zumal aus dem 43 Jahre alten Thermalbad dadurch noch lange kein schmucker »Besuchermagnet« wird.
09. März 2015, 18:03 Uhr
Sollte nach Ansicht von 3 B ein wichtiger Pfeiler im Gesamtgebäude »Gesundheitstourismus« sein: die Therme (Foto: Nicole Merz)

Widerstände gibt es einige gegen den von Bürgermeister Armin Häuser (CDU) vorangetriebenen und vom Magistrat kürzlich mit knapper Mehrheit beschlossenen Plan. Wie die WZ erfuhr, konnte der Rathauschef im Magistrat nicht einmal alle Stimmen seiner Parteifreunde hinter sich vereinigen. Ein Unionsvertreter votierte mit Nein, einer enthielt sich. Letztlich ging die Beschlussvorlage mit 5:4-Stimmen durch, wobei ein SPD-Vertreter und somit ein potenzielles Nein fehlte. Eine Chance für die Opposition, noch einmal grundsätzlich über ein Konzept für die »Gesundheitsstadt« Bad Nauheim und die Rolle der Therme zu diskutieren?

»Durch das Scheitern des PPP-Verfahrens ist eines klar: Einen privaten Investor für das Projekt gibt es nicht. Zwei Jahre sind verloren gegangen, viel Geld ist verschwendet worden. Jetzt stehen wir wieder bei null«, ist 3 B-Fraktionschef Jürgen Burdak verärgert, sieht aber gleichzeitig die Chance für einen Neuanfang. Rücksichten auf einen Investor aus der Privatwirtschaft müssten nicht mehr genommen werden, die Stadt könne selbst entscheiden. Nach Ansicht von Burdak müsste als erster Schritt die Ausarbeitung eines Konzepts auf der Agenda stehen, das der Stärkung des Standbeins »Gesundheitstourismus« diene. Die Therme sei zwar unverzichtbar, stelle andererseits aber nur einen wichtigen Pfeiler des Gebäudes dar. Das Gesamtkonzept hätte nach Ansicht des Fraktionsvorsitzenden in den letzten beiden Jahren entwickelt werden können, statt alle Kräfte für das »unsinnige« PPP-Verfahren (Private Public Partnership) zu verausgaben.

Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern sieht Burdak die Stadt nicht unter Zeitdruck. »In den letzten Jahren wurde immer wieder erzählt, die Technik der Therme würde demnächst zusammenbrechen. Sie läuft immer noch.« Wenn die Politik wisse, wohin die Reise beim »Gesundheitstourismus« gehen soll, könne man auf die alten Studien zur Therme-Zukunft zurückgreifen und auch einen neuen Standort in der Talaue ausgiebig prüfen. Der von Bürgermeister Armin Häuser fast im Alleingang beerdigte Neubau mit Ankerlösung (direkter Anschluss an den Sprudelhof) ist aus Sicht von 3 B durchaus eine denkbare Variante. »Die Argumentation Häusers gegen den Anker war damals, ein privater Investor könne mit den Auflagen des Denkmalschutzes nicht leben. Es gibt aber keinen privaten Investor.«

Auch bei der Frage, ob die Finanzierbarkeit eines Neubaus aus Steuermitteln machbar ist, liegt Burdak nicht auf einer Linie mit Häuser, der übrigens früher behauptet habe, eine Sanierung sei unwirtschaftlicher als die Errichtung einer neuen Therme. »Die für eine Instandsetzung veranschlagten 15 Millionen Euro werden nicht ausreichen. Jeder weiß, dass bei der Sanierung eines solchen Altbaus Überraschungen lauern, die den Preis deutlich nach oben treiben können.« Dann liege man nicht mehr weit entfernt von den 20 Millionen, die der Bürgermeister für einen Neubau veranschlage.

»Schwierige Abwägung«

Johannes Krautwurst (SPD) spricht von einer »absolut verfahrenen Lage«, für die er die schwarz-grüne Koalition und die Magistratsspitze verantwortlich macht. Aus seiner privaten Sicht bleibt jetzt vermutlich nur noch die Sanierung. Ein Neubau am selben Standort mache wenig Sinn, weil dort nicht genügend Platz vorhanden sei. »Der große Wurf wäre nur in der Talaue möglich. Dort sind aber so viele Interessen und Grundstücksbesitzer im Spiel, dass ein Scheitern absehbar wäre.« Eine Planungsphase von drei, vier Jahren sei erforderlich – mit unsicherem Ende. So viel Zeit habe die Stadt wohl nicht.

Mit enormen Risiken behaftet sei allerdings auch der Magistratbeschluss. Wie Burdak sieht auch der Sozialdemokrat die Investitionssumme von 15 Millionen Euro nach oben offen. Unrealistisch sei die Annahme von Bürgermeister Häuser, nach der über zweijährigen Schließungszeit könne schnell wieder die jetzigen Besucherzahl von 200 000 im Jahr erreicht werden. Somit werde auch die Prognose nicht zutreffen, dass die Therme nach 2018 ohne städtischen Betriebskostenzuschuss auskomme.

Das sieht Häuser anders. Er hält es durchaus für möglich, dass die Stadt nach Wiedereröffnung nur für Tilgung und Zinsen zahlen muss. »Unter anderem werden die nagelneue Technik und die Dämmung für eine deutliche Reduzierung der Energiekosten sorgen«, sagt der Bürgermeister.

Er räumt eine schwierige Abwägung von Vor- und Nachteilen der beiden Varianten Sanierung oder Neubau ein. »Letztlich bleibt die Frage, was wir für die Mehrausgaben von rund 5 Millionen Euro bekommen würden. Meiner Meinung nach nicht genug, um für eine neue Therme am alten Standort zu plädieren. « Das »tollste Bad zwischen Konstanz und Flensburg« werde bei der Instandsetzung sicher nicht entstehen, zumal fraglich sei, wie viele »Schönheitsreparaturen« im 15-Millionen-Kostenrahmen zu verwirklichen seien.

Wie Häuser bestätigt, soll das alte Therapiebecken im Thermalbad nicht auf Vordermann gebracht werden. Dieser Bereich soll in den Sprudelhof ausgelagert werden. Ein Problem bleibe die Parkplatzsituation. Direkt am Thermalbad sei keine Lösung machbar, eine Tiefgarage sei durch den Heilquellenschutz ausgeschlossen. Denkbar wäre eine Erweiterung des großen Parkplatzes an der Frankfurter Straße oder des Parkdecks am Sprudelhof.

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