19. August 2015, 18:33 Uhr

Schadenersatz-Klage gegen Kerckhoff-Klinik gescheitert

Bad Nauheim/Gießen (en). Abgewiesen hat das Gießener Landgericht die Klage einer Frau aus dem südhessischen Obertshausen auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Sie hatte der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik vorgeworfen, ihre Gesundheit durch unterlassene Untersuchungen und Behandlungen geschädigt zu haben.
19. August 2015, 18:33 Uhr
Das Team der Kerckhoff-Klinik hat sich nichts vorzuwerfen – so die Entscheidung des Landgerichts. (Foto: Nicole Merz)

Eigentlich war Susanne T.s (Name geändert, d. Red.) Herzoperation vor vier Jahren in der Klinik erfolgreich verlaufen. Doch dann stürzte die damals 78-Jährige zweimal im Krankenzimmer. Geröntgt habe man sie danach – soweit waren sich die Klägerin auf der einen sowie die Klinik-Geschäftsführer Prof. Christian Hamm und Ulrich Jung auf der anderen Seite einig. Doch ob die (ebenfalls von keiner Seite angezweifelte) Tatsache, dass das Brustbein der Patientin nach dem Öffnen und Wiederverschließen im Zuge der Herzoperation nicht richtig zusammenwachsen wollte, eine Folge der Stürze war – daran schieden sich die Geister. Weitere Untersuchungen über das Röntgen hinaus hätten vorgenommen werden müssen, argumentierte die Klägerin. Das sei aber nicht geschehen.

Zweimal traf man sich vor der Leitenden Richterin Beate Bremer, weil die Seniorin 50 000 Euro Schmerzensgeld, 30 000 Euro Schadensersatz und dazu noch eine Rente gefordert hatte. Somit lag der Streitwert weit über 5000 Euro – das Landgericht war zuständig. Das im Herbst 2014 in Auftrag gegebene fachmedizinische Gutachten gab den Ausschlag. Darin wurde zugunsten der Kerckhoff-Klinik betont, für die mangelnde Heilung des Brustbeins könne es viele andere Gründe geben. Bei der Patientin kämen gleich mehrere Risikofaktoren zusammen, vor allem Alter, Diabetes-Krankheit, häufig auftretender Hustenreiz sowie bestimmte Medikamente, die sie einnehme.

Nachdem die Anwälte beider Parteien Ende Juli Gelegenheit gehabt hatten, den Autor des Gutachtens zu befragen und zudem ein Arzt als Zeuge ausgesagt hatte, fassten die Leitende Richterin und ihre beiden Kollegen ihre 17-seitige Urteilsbegründung gestern in vier Worten zusammen: »Die Klage wird abgewiesen.« Gegen das Urteil kann die mittlerweile 82-jährige Patientin in den nächsten vier Wochen Berufung einlegen, dann würde der Streit vor dem Oberlandesgericht Frankfurt landen.

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