19. Juli 2016, 18:53 Uhr

Bad Nauheim Süd: Keltensiedlung auf der Spur

Bad Nauheim (bk). Mehrfach hat die WZ über das geplante neue Wohngebiet Bad Nauheim Süd berichtet. Die Bezeichnung neu ist allerdings nicht ganz richtig, denn auf dem Gelände zwischen Homburger und Friedberger Straße haben bereits vor etwa 2300 Jahren Menschen gelebt. Wie die keltische Siedlung genau ausgesehen hat und ob sich die Alemannen dort ebenfalls niedergelassen haben, werden Archäologen bald erforschen.
19. Juli 2016, 18:53 Uhr
So dürfte ein Salzsiedeofen vor etwa 2300 Jahren ausgesehen haben. Über die Besiedlung des heutigen Bad Nauheim in der Eisenzeit wird im Keltenpavillon am Gradierbau I informiert. (Fotos: Nici Merz)

In Bad Nauheim hat es eine größere keltische Siedlung gegeben, die nicht zuletzt der Salzgewinnung gedient hat. Das ist durch etliche Grabungen längst bekannt (siehe weiteren Bericht). Nur den Archäologie-Experten ist dagegen geläufig, dass sich die Kelten auch außerhalb des heutigen Stadtgebiets ausgebreitet hatten. »In Abstimmung mit der Stadt wird das 15 Hektar große künftige Baugebiet südlich des Friedhofs untersucht. Durch Funde von Keramikscherben und Probegrabungen wissen wir schon seit den 90er Jahren von der Keltensiedlung«, sagt Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal. Für die Erforschung der Latènezeit (Eisenzeit) sei Bad Nauheim nicht zuletzt durch die Saline von europaweiter Bedeutung.

Die Landesarchäologie muss sich jetzt beeilen, das Areal zu erforschen, weil die Stadt bereits 2018 mit der Erschließung des neuen Baugebiets beginnen möchte. Lindenthal: »Eigentlich darf auf Gelände mit bedeutenden Bodendenkmälern gar nicht gebaut werden. Aber das lässt sich im Ballungsraum nicht durchsetzen. Mir tut das Herz weh, wenn ich an die bevorstehende endgültige Zerstörung der Siedlungsüberreste denke. Zuvor müssen wir wenigstens alles genau dokumentieren.«

Auftraggeber der Forschungsarbeiten ist die Stadt, die auch die Mittel bereitstellen muss. Nach Auskunft des zuständigen Fachbereichsleiters Jürgen Patscha werden die Arbeiten von einer auf Archäologie spezialisierten Firma in Kooperation mit dem hessischen Landesamt für Archäologie ausgeführt. Die Grabungskampagne wird zwölf Monate andauern, das Budget beträgt eine Million Euro. Die Aufträge werden in Kürze vergeben, möglicherweise soll noch 2016 begonnen werden. »Das ist eine große finanzielle Last für die Stadt, die Grundstückspreise werden dadurch um 20 Euro pro Quadratmeter steigen«, sagt Patscha.

Nach Aussage des Kreisarchäologen handelt es sich um eine große Grabung in einem Riesenareal. Eine Million Euro sei für ein Projekt dieses Umfangs eine relativ kleine Summe. »Zum größten Teil handelt es sich um Handarbeit, die sehr zeitaufwendig ist. Nur am Anfang können Bagger zum Einsatz kommen, um die vorkeltischen Erdschichten abzutragen.« Die Vorarbeiten seien längst erledigt. So hätten Fachleute das keltische Siedlungsgebiet mit geomagnetischen Messungen in etwa eingegrenzt. Dabei könnten die Experten unter anderem erkennen, wo vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden Wege, Gruben oder Gebäude existiert hätten.

Klare Hinweise auf Alemannen

Bei Sondierungsgrabungen sind Archäologen in Bad Nauheim Süd bereits auf interessante Spuren aus der Eisenzeit gestoßen. Lindenthal: »Wir haben Reste von Silogruben gefunden, die von Kelten zur Lagerung von Lebensmitteln benutzt wurden. Zudem gibt es Hinweise auf Grubenhäuser für handwerkliche Arbeiten.« Der Kreisarchäologe geht von einer recht großen ländlichen Siedlung aus, über die jetzt nähere Informationen zutage gefördert werden sollen.

Für Historiker ist das Gebiet am südlichen Stadtrand aus einem weiteren Grund von Interesse: Nach Angaben des Kreisarchäologen gibt es klare Hinweise auf eine alemannische Besiedlung dieses Geländes. Wenn es Budget und Zeitrahmen hergeben, soll auch diesbezüglich geforscht werden. Die Alemannen drangen ab dem 3. Jahrhundert nach Christus immer wieder in die von den Römern beherrschte Wetterau vor. Um das Jahr 260 fiel schließlich der Limes. »Die nachrömische Zeit der sogenannten Spätantike ist eine spannende Epoche, über die wir einiges erfahren könnten«, betont Lindenthal.

In der Römerzeit war Bad Nauheim Süd offenbar nicht besiedelt. Zumindest liegen den Archäologen bislang keine entsprechenden Erkenntnisse vor.

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