28. Juli 2016, 09:33 Uhr

Kurtaxe auch für Besuch im Bad Nauheimer Kurpark

Bad Nauheim (bk). Bad Nauheim hat wieder mal eine Spitzenposition inne – mit der sich die Verantwortlichen allerdings nicht rühmen können. Laut Stiftung Warentest verlangt die Stadt deutschlandweit den siebthöchsten Kurtaxe-Satz. Manche Hotelgäste reagieren sauer, wenn sie zur Kasse gebeten werden.
28. Juli 2016, 09:33 Uhr
Wohnt dieser Mann nicht in Bad Nauheim, kostet das Biertrinken auf der Liegewiese des Kurparks 3,30 Euro. Die Kurtaxe gilt nämlich auch für alle Tagesgäste – theoretisch. (Foto: Red)

Kurtaxe müssen Gäste in rund 350 deutschen Kur- und Urlaubsorten bezahlen, die 111 mit den höchsten Übernachtungszahlen hat die Stiftung Warentest für ihre Gegenüberstellung herausgepickt. Mit einem Kurbeitrag – so wird die Taxe hier genannt – von 3,30 Euro pro Tag landet Bad Nauheim auf dem siebten Platz. 20 oder 10 Cent mehr werden nach Angaben der Verbraucherschützer nur in den Seebädern Borkum, Juist, Langeoog und Norderney sowie in Baden-Baden und Bad Kissingen verlangt. Solche Vergleiche haben ihre Schwächen. So sind nur sieben hessische Kommunen aufgeführt, wobei Bad Nauheim die Spitzenposition einnimmt. Tatsächlich gibt es allein in diesem Bundesland aber zwei nicht erwähnte Kurorte, in denen eine deutlich höhere Kurtaxe als in Bad Nauheim anfällt, nämlich Bad Soden am Taunus (4,25 Euro) und Bad Soden-Salmünster (4,50). Auch Ermäßigungen wie Familienkarten oder eine niedrigere Kurtaxe für einen Begleiter finden keinen Eingang in die Berechnung der Stiftung Warentest.

Gleichwohl liegt Bad Nauheim mit seinem Kurbeitrag in der Spitzengruppe, was Hoteliers zu spüren bekommen. »Einige Gäste schimpfen wegen der sehr hohen Kurtaxe. Sie fragen, was sie mit der Kurkarten eigentlich anfangen können, zumal die Therme geschlossen ist«, berichtet Edith Siegesmund vom Hotel Spöttel. In anderen Städten gebe es eine Ermäßigung im öffentlichen Nahverkehr, das sei in Bad Nauheim nicht der Fall. »Ich argumentiere dann vor allem mit den schönen Parkanlagen, meist beruhigen sich die Leute schnell wieder«, sagt Siegesmund.

Jahreseinnahme: 1,4 Millionen Euro

Kritischer sieht Dirk Neuhöfer (Stadt-gut-Hotel Neuhöfer) die Höhe der Kurtaxe, weil diesem Betrag keine entsprechende Leistung gegenüberstehe. So seien Grünanlagen und Gradierbauten oft schlecht gepflegt. »Zumindest in Zeiten ohne Therme sollte die Stadt den Kurbeitrag auf 2,50 Euro reduzieren«, sagt Neuhöfer. Seine Gäste reagierten manchmal verärgert, zahlten aber. Ebenso wie seine Kollegin aus dem Hotel Spöttel klagt Neuhöfer nicht über den Verwaltungsaufwand, der zu vernachlässigen sei. Während die Gäste im Hotel Neuhöfer noch den guten alten Meldezettel ausfüllen, reicht Edith Siegesmund die Daten ihrer Gäste online an die Kurverwaltung weiter.

Die Stadt sieht den Vergleich der Stiftung Warentest skeptisch und hält die Höhe des Kurbeitrags für gerechtfertigt. Die Kosten, die für den Erhalt der Kuranlagen anfielen, seien von Ort zu Ort völlig unterschiedlich. In Bad Nauheim sei der Aufwand erheblich. Die Stadt nennt einige Zahlen, um dieses Argument zu untermauern: 200 Hektar Grünanlagen, 650 Meter Gradierbauten, 1,5 Kilometer Badewasserkanal. Hinzukämen etliche Brunnen, fünf genutzte Quellen mit ihren Rohrsystemen, Wasserräder und die denkmalgeschützte Trinkkuranlage.

Besucher leisten einen nennenswerten finanziellen Beitrag zum Erhalt all dieser Anlagen. So gab es in Bad Nauheim im letzten Jahr 716 000 Übernachtungen, für 600 000 fiel der Kurbeitrag an. Nach Auskunft des Kur- und Servicebetriebs verbuchte die Stadt Einnahmen von 1,4 Millionen Euro.

Eigentlich müsste viel mehr Geld in die Stadtkasse fließen, denn theoretisch fällt die Kurtaxe in Bad Nauheim – im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen – ab dem ersten Tag an. Zehntausende von Besuchern aus der Region, die sonntags im Kurpark spazieren gehen, müssten eigentlich eine Tageskarte erwerben. »Bei Kureinrichtungen wie den Parks, die nicht eingefriedet sind, wurde bislang auf Kontrollen verzichtet. Hier gilt es, Ertrag und Aufwand abzuwägen«, erklärt Bürgermeister Armin Häuser. Gleichwohl möchte er nicht ganz auf die Kurtaxe von Tagesgästen verzichten. Der Grund: Im Inhalatorium (Gradierbau I) werden durchaus Tageskurkarten verkauft, 2015 waren es 7300. Häuser: »Schon allein deshalb macht eine Abschaffung der Kurbeitragspflicht für Tagesgäste keinen Sinn.« (Foto: WZ-Archiv)

Kein Pils im Park Kurparkwiese als verbotenes Terrain

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