29. Dezember 2016, 09:23 Uhr

An Silvester pausenlos im Einsatz

Bad Nauheim (bk). Das »Tatütata« ist in Silvesternächten oft zu hören. Seltener rücken Feuerwehren aus, häufiger Rettungsdienste. Auch wenn das Flammeninferno in der Schulstraße zur Jahreswende 2012/13 in Bad Nauheim noch gut in Erinnerung ist, sind schlimme Brände eher die Ausnahme.
29. Dezember 2016, 09:23 Uhr
Auf die CE-Kennzeichnung sollte sich ein Käufer von Feuerwerkskörpern nicht verlassen, sie beruht auf Herstellerangaben. Wichtiger ist, dass der Böller mit einer BAM-Nummer versehen ist, die für Qualitätsprüfung durch unabhängige Gutachter steht. (Foto: DPA Deutsche Presseagentur)

Für Sanitäter und Notärzte dürfte die bevorstehende Silvesterschicht dagegen wieder arbeitsintensiv werden.

In kaum einer Nacht hantieren die Leute so viel mit Feuer wie an Silvester. Größere Brände, bei denen Menschen zu Schaden kommen, hat das in der Wetterau glücklicherweise nur ganz selten zur Folge. Der Bad Nauheimer Stadtbrandinspektor Ronald Neumann muss es wissen, er und seine Kollegen löschen nämlich nicht nur Feuer in der Kurstadt, sie beliefern bei Großeinsätzen auch die gesamte Wetterau mit zusätzlichen Atemschutzgeräten. Deshalb hat Neumann den Überblick.

»Soweit ich zurückdenken kann, gab es nur den Großbrand in der Bad Nauheimer Schulstraße. Damals musste ich meinen Urlaub unterbrechen, löste am Neujahrstag einen erschöpften Kollegen ab«, blickt er zurück. Vor vier Jahren brannte ein Altstadthaus ab, ein Bewohner stürzte aus dem Obergeschoss und zog sich schwere Verletzungen zu. Die Ursache ist bis heute nicht geklärt. »Wir haben mehrfach nachgefragt. Die Polizei vermutet eine Feuerwerksrakete, aber auch ein technischer Defekt oder Fahrlässigkeit konnten nicht ausgeschlossen werden«, sagt der Stadtbrandinspektor. Ansonsten brennt im Kreisgebiet an Silvester immer mal wieder eine Scheune, Hecken fangen Feuer, Mülltonnen-Inhalte werden mit Knallkörpern fahrlässig entzündet – Standardeinsätze eben.

Trotzdem empfiehlt Neumann, das Eigenheim zu schützen. »Brennbare Materialien sollten von Terrassen und Balkonen entfernt, alle Fenster geschlossen werden. Ich kenne einen Fall, wo ein Feuerwerkskörper durch ein gekipptes Fenster gefallen ist und einen Brand ausgelöst hat.« Außerdem erinnert er an das Sprengstoffgesetz: Danach ist das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kliniken, Altenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern verboten. »Das ist allerdings nicht zu kontrollieren, es hält sich auch kaum jemand dran. Wir können nur an die Vernunft der Bürger appellieren«, betont der Stadtbrandinspektor.

Für die Bevölkerung ist die Gefahr, sich mit Feuerwerkskörpern zu verletzen, in dieser Nacht deutlich größer. »Es wird allerdings nicht mehr so exzessiv gefeiert und so viel geknallt wie früher. Deshalb gehen die Einsatzzahlen etwas zurück«, sagt Sascha Richter, der als Dienststellenleiter der Johanniter Unfallhilfe auch für die große Rettungswache in Bad Nauheim zuständig ist. Trotzdem hätten seine Kollegen genug zu tun. In normalen Nächten könne sich der Bereitschaftsdienst ab Mitternacht oft zum Schlafen hinlegen. »An Silvester sind Sanitäter und Notärzte zwischen 0 und 4 Uhr pausenlos im Einsatz.« In der kommenden Silvesternacht werden nicht mehr Johanniter-Helfer präsent sein als an normalen Wochenenden – drei Kranken- und ein Notarztwagen samt Besatzung. Für den Notfall steht eine Rettungsdienstverstärkung auf Abruf.

Verbrennungen an Händen und im Gesicht, Augenverletzungen und geplatzte Trommelfelle sind die Folgen von unsachgemäßem Umgang mit Böllern und Raketen. »Silvesterböller erreichen eine Lautstärke von bis zu 175 Dezibel. Das ist lauter als ein Presslufthammer«, warnt Richter. Die Zahl solcher Verletzungen sei allerdings rückläufig, weil Feuerwerkskörper heutzutage eine bessere Qualität aufwiesen. In Großstädten sei die Lage anders als auf dem Land, weil etwa in Frankfurt zum Jahreswechsel große Menschenmengen zusammenkämen, wodurch sich das Verletzungsrisiko deutlich erhöhe.

Hauptproblem ist übermäßiger Alkoholgenuss, der Menschen entweder sofort zum Behandlungsfall werden lässt oder sie dazu verleitet, allzu sorglos mit Böllern umzugehen. Stadtbrandinspektor Neumann hat selbst mal einen unangenehmen Zwischenfall erlebt, als er in der Silvesternacht nach einem Unfalleinsatz auf der B 3 im Dienstfahrzeug zur Feuerwache fuhr: »Während der Fahrt wurden mir Böller unters Auto geworfen. Ich habe einen gehörigen Schreck bekommen. Dadurch kann man leicht die Kontrolle über den Wagen verlieren.«

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